Pinneberg

Leserbriefe

Das macht wütend

"Halstenbeker Ideenwerkstatt ruft Glatteis-Hilfsdienst ins Leben", PZ vom 10. Februar

Rellinger Anwohner von nicht geräumten Nebenstraßen werden zum Spielball zwischen der Gemeinde Rellingen und des Pinneberger Abfalldienstes. Fakt ist: Seit drei Wochen verweigert die Müllabfuhr wechselnd ihre Dienste, weil es (nach Auskunft des Pinneberger Abfalldienstes) den Fahrern der Müllfahrzeuge überlassen bleibt, ob sie eine Strecke befahren und damit die Mülltonnen leeren oder nicht.

Die zuständige Berufsgenossenschaft würde, bei eventuellen Unfällen der Müllarbeiter wegen Ausrutschens auf nicht geräumten Straßen die Leistung verweigern. Der Pinneberger Abfalldienst hätte die Gemeinde bereits darauf aufmerksam gemacht. Außerdem könne man seinen Müll auch bis an die nächste geräumte Hauptstraße bringen, da würde dieser dann abgeholt. Soweit so gut?

Ruft nun der Hilfe suchende Rellinger Bürger im Rathaus an, wie er nun seinen Müll loswerden soll, bekommt er die Auskunft, dass sich viele Leute beschweren, aber wegen des fehlenden Streusalzes könne man an den nicht geräumten Straßen auch nichts ändern. Allerdings sieht man auch dort ein, dass es nicht zumutbar wäre, mit den entsprechenden Mülltonnen 250 Meter bis zur nächsten Hauptstraße zu ziehen, über Eis- und Schneeberge. Ja, "kleiner Mann, was nun?"

Bleibt doch die Frage offen: Wer fühlt sich denn jetzt für die Lösung des Problems verantwortlich?

Auf jeden Fall ist aber hoffentlich jedem Anwohner klar, dass er seinen entsprechenden Gehweg vor dem Haus stets von Schnee und Eis geräumt hält,

es ist auch völlig ohne Belang, ob er denn Streusalz im Handel bekommen kann oder nicht und natürlich selbstverständlich pünktlich Straßenreinigungs- und Abfallentgelte bezahlt. Pflicht ist Pflicht. Dafür gibt es nämlich ganz klare Regelungen und Fristen. Diese generelle Ohnmacht macht wütend. Keiner fühlt sich mehr verantwortlich.

Die Mitarbeiter des Pinneberger Abfalldienstes schieben die Schuld den Gemeinden und der Berufsgenossenschaft zu, die Gemeinde kann nichts für den Winter und die Streusalzknappheit und den Pinneberger Abfalldienst . . .

Vielleicht ziehen wir demnächst mit unseren vollen Mülltonnen vor das Rellinger Rathaus. Dann nehmen wir auch noch die Mülltonnen der alten gehbehinderten Menschen unserer Straße mit, für die es bis an die nächste geräumte Hauptstraße mit dem Gehwagen und ihrer Mülltonne etwas schwer wird.

Fühlen wir uns mal verantwortlich.

Jana Hofmann, Rellingen

Rücksichtspflicht?

"Sorgfaltspflicht", Leserbrief in der PZ vom 18. Februar

Was der Leser W. Schomaker aus Bönningstedt über das Verhalten von Kraftfahrern an Autobahnauffahrten von sich gibt, ist kaum verständlich. Die Regeln sind doch ganz einfach. Der auf der Autobahn fließende Verkehr hat stets Vorfahrt. Dieses Prinzip wird oft von sogenannten Verkehrsexperten infrage gestellt durch die verlangte Rücksichtsnahme gegenüber Einfahrenden, von denen diese Forderung mitunter schon als "Rücksichtspflicht" ihnen gegenüber aufgefasst wird. Daher drängeln sich Einfahrer oft unter Gefährdung anderer hinein. Also, ausweichen ja, aber nur, wenn die Überholspur weit genug frei ist. Andernfalls muss der einfahrende Kraftfahrer eben auf der Einfädelspur bis zum Stillstand abbremsen und warten, bis eine geeignete Fahrzeuglücke ein gefahrloses Einfädeln in den Verkehrsfluss ermöglicht. Diese Lücke ergibt sich immer, man muss nur einen Moment lang warten!

W.E. Binzer, per E-mail

Des Volkes Seele kocht

"Jäger: Junger Uhu im Heister Wald wurde nicht erschossen", PZ vom 12. Februar

Gedanken zur Zeit oder der Uhu ist nicht weit von der Wachtel: Vor 100 Jahren erschoss, erschlug man Vögel, um die Art sicher zu bestimmen! Erschlägt man heute die verkehrten Bäume, um den Abschuss eines Uhus nicht sichern zu können?

Der Nabu Pinneberg arbeitet mit einigen Jägern erfolgreich und vertrauensvoll in hochsensiblen Bereichen zusammen. Wir möchten, dass es so bleibt!

Die heftige Reaktion einer in Kritik geratenen Jägerschaft auf den Nabu erscheint vor folgendem Hintergrund allzu verständlich.

Es gibt allenthalben immer wieder Menschen, die streng geschützte Lebewesen abschießen. Jäger sind nachweislich darunter. Und des Volkes Seele kocht, wenn wieder einmal Tiere heimischer, aber ausgerotteter Arten bei ihrem Rückkehrversuch erlegt worden sind. Braunbär, Wolf und der Uhu gehören dazu! Entsetzte Blicke auf die Jägerschaft, sie sind wieder einmal in die Schusslinie geraten! Belastungsfaktor für eine traditionsreiche Organisation, die jetzt bei ähnlich gelagerten Fällen entsprechend überreagiert!

Wohl gemeint: Jagd muss schon sein, sonst wäre der Flurschaden durch Wildverbiss noch viel größer als zurzeit.

Doch distanziert sich der Nabu von unverständlichen Abschussquoten, die regelmäßig in den Jahresberichten unter "Jagd und Artenschutz" zu lesen sind. Wachtel, Rebhuhn, Waldschnepfe und andere fallen jährlich unter "Lizenz zum Töten" in vielen Hundertschaften allein in unserem Lande dem Jagdgewehr zum Opfer. Es ist nur ein kleines Spektrum selten gewordener, sehr schützenswerter Arten. Viele kennen sie, wenn überhaupt, nur traurig aus dem Zoo.

Einen kleinen Schritt weiter, und man kann es nachempfinden, dass für einen Kenntnisnehmenden auch einmal ein stattlich, kraftvoll protzender Uhu nicht weit vom Schuss ist! Ob Jagdlust, Konkurrenz oder beides mag unklar sein.

Wenig hilfreich ist jedenfalls der ertönende, frische, fröhliche Hörnerklang, wenn traditionsgebunden die viel gepriesene Jagdlust besungen wird, zur schönen Sommerzeit, auf der so genannten dörflich kulturellen Marktplatzoase - in ringsum stark gebeutelter Natur!

Uwe Langrock, Vorsitz Nabu Pinneberg, per E-Mail

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