Interkulturelle Wochen für die Begegnung

Mutig sein und Deutsch lernen!

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Michael Rahn

Wer Inna Kastelli und andere interessante Menschen dieser Welt kennenlernen will, der hat viele Gelegenheiten.

Pinneberg. Inna Kastelli (53) ist eine lebensfrohe Frau. Vor acht Jahren zog sie mit ihrer jüdischen Familie aus der Ukraine nach Deutschland. Von dort kam sie als studierte Ernährungswissenschaftlerin. Doch das brachte ihr noch keinen Job ein. Stattdessen musste sie in der Arbeitsagentur energisch drum kämpfen, einen Job zugewiesen zu bekommen: erst über die Beschäftigungsgesellschaft BQG, dann über die Arge.

"Ich kann nicht Zuhause sitzen. Ich muss was zu tun haben", sagt die 53-Jährige. Sie setzte sich durch. Jetzt freut sich die Tochter einer italienischen Auswandererfamilie über einen Arbeitsplatz im Café Pino. Und wenn die Hauswirtschafterin Urlaub hat, dann übernimmt sie in der Küche sogar das Kommando. "Man muss Deutsch lernen und ein bisschen mutig sein", rät Inna Kastelli jedem, der als Flüchtling oder Auswanderer nach Deutschland kommt.

Die Geschichte der gebürtigen Ukrainerin zeigt, dass es sehr positive Beispiele für die Integration gibt. Das gilt trotz aller Einschränkungen durch das Asylbewerberleistungsgesetz. Wolfgang Neitzel (60) gehört zu denen, die für eine andere Politik werben und sich seit vielen Jahren für die Flüchtlinge engagieren, und zwar ehrenamtlich. Er beklagt, dass die Flüchtlinge nur zwei Drittel der Leistungen erhalten, die in Deutschland als minimaler Satz für die Lebenshaltung gelten.

Ludger Fischer, hauptamtlicher Chef des Diakonievereins Migration beschreibt noch eine zweite Schwäche des politischen Systems in der Bundesrepublik: das Ausländerrecht, das das Grundrecht auf Familie einschränke. Zum Beispiel werde der Zuzug von Ehepartnern und Kindern von Sprachprüfungen abhängig gemacht.

Doch während Aussiedler wie Inna Kastelli immerhin sofort Sprachlehrgänge belegen dürfen, bekommen Flüchtlinge dafür keine Chance. "Manchmal dauert es bis zu zehn Jahre, bis die Asylbewerber eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten und damit in die Sprachkurse dürfen", berichtet der Sprecher des Freundeskreises Flüchtlinge.

Die Hoffnung gibt Neitzel nicht auf, die Mehrheit der Politik davon zu überzeugen, nicht mehr nur von Integration zu reden, sondern sie tatsächlich möglich zu machen. Wie gut das funktioniert und wie spannend das Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen sein kann, das erleben die Besucher der Veranstaltungen während der Interkulturellen Woche, die bundesweit organisiert wird.

In Pinneberg gehört zu den Höhepunkten der Begegnung das Eine-Welt-Fest, das am Sonnabend, 26. September, im Pinneberger Geschwister-Scholl-Haus an der Bahnhofstraße 8 gefeiert wird. Von 15 bis 19 Uhr gibt es deutsche und türkische Musik, indischen Tanz und ein Büfett mit internationalen Spezialitäten - wer die Welt genießen will, ist willkommen.

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