Pinneberg
Bundespräsidentenwahl

Pinnebergs "Export" wählt in Berlin

Juristen Birgit Hesse und Christian Frenzel als Delegierte Mecklenburg-Vorpommerns in Bundesversammlung.

Pinneberg/Rostock/Rambow

Vier Berufspolitiker aus dem Kreis Pinneberg werden am Sonnabend, 23. Mai, bei der Bundespräsidentenwahl dabei sein: Die Bundestagsabgeordneten Ole Schröder (CDU) aus Rellingen, Ernst Dieter Rossmann (SPD) aus Elmshorn und Rainder Steenblock (Grüne) aus Kölln-Reisiek als "geborene" Wahlmänner der Bundesversammlung. Dazu kommt der Abgeordnete Peter Lehnert aus Bilsen als "erkorener" Wahlmann der CDU im schleswig-holsteinischen Landtag.

Gemeinsam mit dem Quartett aus dem Kreis werden sich unter den 1224 Delegierten der Bundesversammlung allerdings auch zwei "Ehemalige" aus dem bevölkerungsreichsten Landkreis Schleswig-Holsteins im Berliner Reichstagsgebäude tummeln: Die gebürtige Elmshornerin Birgit Hesse, Landrätin in Nordwestmecklenburg, und der gebürtige Uetersener Christian Frenzel, Präsident des Landesturnverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Beide wurden vom Schweriner Landtag auf Vorschlag der SPD in die Bundesversammlung gewählt und sind angesichts der geballten Politprominenz und diversen Größen aus allen gesellschaftlichen Bereichen von Kultur bis Sport voller Vorfreude.

Zu den illustren Gästen gehören beispielsweise Handball-Bundestrainer Heiner Brand, Sebastian Krumbiegel, Sänger der Leipziger Gruppe "Die Prinzen", Fußballnationalspielerin Martina Müller, Schauspielerin Nina Petri, die Gattin von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, Doris Schröder-Köpf, Verlegerin Friede Springer, Paralympics-Fechtsiegerin Esther Weber-Kranz , Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno oder Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Juristin Birgit Hesse (34), zählt zu den jüngsten Landräten der Republik, sie hat ihr Dienstzimmer in Grevesmühlen. Die ehemalige Polizeichefin von Wismar und Verkehrsreferentin Mecklenburg-Vorpommerns hat vor wenigen Tagen geheiratet und wohnt mit ihrem Mann sowie der anderthalbjährigen Tochter im kleinen Dorf Rambow. Mit ihrer Heimatstadt Elmshorn ist Birgit Hesse noch immer eng verbunden, zumal ihre Eltern dort leben und Kontakte zu ehemaligen Schulfreundinnen und -freunden bestehen. Ihr Abitur hat sie 1994 in der Elsa-Brändström-Schule abgelegt. Auch in Mecklenburg-Vorpommern trifft sie Elmshorner, etwa den Geschäftsführer des Landkreistages Mecklenburg-Vorpommern, Jan-Peter Schröder. "Und einer meiner Mitarbeiter in der Kreisverwaltung stammt ebenfalls aus Elmshorn." Natürlich vermisst Birgit Hesse Elmshorner Spezialitäten wie die leckeren Kölln-Flocken und die gute Lotsenwurst von Dölling. "Und mein Herz hängt an meinen ehemaligen Sportvereinen EMTV sowie dem LTCE, dort habe ich das Handball- und Tennisspielen gelernt." Wen wählt Sozialdemokratin Hesse? "Als Delegierte der SPD natürlich Gesine Schwan."

Christian Frenzel (46) ist Sportler aus Leidenschaft: Dem Faustball als altem deutschen Turnspiel verdankt der gebürtige Uetersener und jetzt in Rostock lebende, promovierte Jurist sein Amt als Präsident des Landesturnverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Er ist Landesfachwart für Faustball und drischt die Bälle selbst noch für den VfL Gold-Grün Güstrow in der Alterklasse über die Leine. Die Nähe zur Sozialdemokratie dürfte dem Sohn des ehemaligen Uetersener Bürgermeisters, späteren Hamburger Polizeipräsidenten und Staatsrates Dr. Jürgen Frenzel bei der Berufung der Schweriner SPD-Landtagsfraktion in die Bundesversammlung nicht hinderlich gewesen sein. Zumal der Richter am Oberlandesgericht Rostock sich einen Namen in der Partei gemacht hat. Schon 1990 wechselte er in das Rostocker Büro des ehemaligen Hamburger Bürgermeisters Peter Schulz, wurde Richter und diente von 1997 bis 1999 im Schweriner Justizministerium, an das er 2004 noch einmal zurückkehrte, bevor er 2007 ans Oberlandesgericht ging.

Allerdings legt der Vater einer Tochter Wert darauf, dass er als Präsident des Landesturnverbandes zur Bundesversammlung eingeladen wurde. Seiner Heimatstadt Uetersen ist Frenzel über viele Freunde und der noch immer währenden Mitgliedschaft im TSV Uetersen weiter eng verbunden. Kurios: Am 23. Mai 1984 machte er sein Abitur am Ludwig-Meyn-Gymnasium in Uetersen - auf den Tag genau 25 Jahre später wird er als Wahlmann einen Bundespräsidenten wählen - oder eine Bundespräsidentin? "Ich habe Gesine Schwan jetzt kennengelernt und fand sie sehr beeindruckend."

Und was wählen die anderen "Kreis-Pinneberger"? Horst Köhler ist der Favorit der beiden CDU-Abgeordneten Schröder und Lehnert, Gesine Schwan kann auf die Stimme von Rossmann (SPD) und Steenblock (Grüne) bauen.