Pinneberg
Jahresbilanz: Probleme vor allem im stationären Bereich

Regio-Kliniken droht ein Defizit von neun Millionen Euro

Gehälter sind derzeit gesichert. Gewerkschaft Ver.di fürchtet Arbeitsplatzabbau und Verkauf des Unternehmens.

Kreis Pinneberg. Schock für die Regio-Kliniken: Das Jahresergebnis 2008 wird voraussichtlich ein Defizit von neun Millionen Euro ausweisen. Das bestätigte der Aufsichtsratsvorsitzende, Landrat Wolfgang Grimme. Ein endgültiges Ergebnis liege noch nicht vor, erste Zahlen des Wirtschaftsprüfers wiesen jedoch darauf hin.

Der "Löwenanteil" des Defizits liege im stationären Krankenhaus-Bereich, in dem es unter den "derzeitigen strukturellen Voraussetzungen" nicht möglich sei, schwarze Zahlen zu schreiben, so Grimme. Gesetzliche und tarifliche Vorgaben hätten zu erheblichen Ausgabesteigerungen geführt, die selbst durch die hohe Auslastung - sprich Steigerung des stationären Kerngeschäftes der drei Kliniken - nicht aufzufangen seien. "Wir müssen uns jetzt genau anschauen, wo wir etwas ändern können." Konkret könne man jedoch, auch zum Personalbestand, noch nichts sagen. "Ich denke, dass das im Juni oder Juli der Fall sein wird". Dass sich die Kliniken durch die Vielzahl von Zukäufen im vorigen Jahr finanziell "verhoben" haben, sieht Grimme nicht so. Hier liefen aber einige Bereiche "zäher als erwartet" an, etwa die Medizinischen Versorgungszentren oder die Pflegeheime.

Sind die Löhne und Gehälter der etwa 2000 Beschäftigten überhaupt gesichert? "Derzeit", so Grimme, "gibt es keine Anzeichen, dass die Kliniken ihren Verpflichtungen nicht nachkommen können." Er will am 11. Mai bei einer Mitarbeiterversammlung Rede und Antwort stehen.

Steffen Kühhirt (40) von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di hat im Hinblick auf die sich abzeichnende Schieflage bei den Regio-Kliniken seinen Aufsichtsratsposten Ende März abgegeben. Zu Informationen, die er in diesem Kontrollgremium erworben habe, dürfe er nichts sagen. "Fakt ist aber, dass die Ergebnisse aus dem Jahr 2008 Anlass zur Besorgnis geben", sagt Kühhirt. Er befürchtet, dass am Ende die Beschäftigen für die Misere zahlen müssten, sei es durch Tarifflucht, Arbeitsplatzabbau oder Verkauf des Unternehmens an einen Großen der Branche.