Pinneberg
Prozess: Einer der engsten Freunde der Angeklagten sagte gestern aus

"Apfelfest-Bomber" belastet

Zeuge Oliver R.: Der Plan, während des Volksfestes im vorigen September eine Bombe zu zünden, wurde ernsthaft erörtert!

Rellingen/Itzehoe. Die beiden mutmaßlichen "Apfelfest-Bomber" von Rellingen sind gestern vor dem Landgericht Itzehoe schwer belastet worden. Mit Oliver R. (19) sagte einer der engsten Freunde der Angeklagten Andre M. (20) und Kevin W. (19) aus - und räumte ein, in die Anschlagspläne vom September 2007 eingeweiht gewesen zu sein. Und: Oliver R. gab an, das Vorhaben, während des Volksfestes auf dem Arkadenhof eine Bombe zu zünden, sei aus seiner Sicht ernsthaft betrieben worden.

Genau das ist die Kernfrage des Prozesses, der seit Mitte März läuft. So haben die Angeklagten eingestanden, ausgiebig über das Attentat und weitere Anschläge - so sollten in Rellingen die Polizeiwache, eine Schule und das Pinneberger Amtsgericht in die Luft gejagt werden - gesprochen zu haben. Die Pläne in die Tat umzusetzen sei jedoch nie ihre Absicht gewesen.

Oliver R. indes sieht das anders. "Ich habe bei Kevin übernachtet, als Andre kam und den Vorschlag machte, ob nicht auf dem Apfelfest eine Bombe gezündet werden sollte. Kevin sagte, er sei dabei", so der Zeuge.

Der 19-Jährige, der gemeinsam mit den Angeklagten diverse Straftaten wie Einbrüche und Reifenstechereien begangen hat, berichtete weiter, dass Andre M. Internet-Ausdrucke von möglichen Zündern mitgebracht habe.

"Letztlich haben sich die beiden dann für ein Handy als Zünder entschieden, weil das einfacher war." Die Bombe sollte aus 80 Gramm selbst hergestelltem Sprengstoff bestehen - die doppelte Mengen des Mittels, mit dem die Angeklagten zuvor in Ellerbek einen Zigarettenautomaten gesprengt hatten.

"Die Zutaten bewahrte Andre in einem Holzschrank in seinem Zimmer auf", so Oliver R. Er räumte auf Nachfrage ein, gefragt worden zu sein, ob er das manipulierte Mobiltelefon anrufen und so die Explosion auslösen würde. Er habe jedoch von Beginn an eine Beteiligung abgelehnt. Oliver R. sagte: "Ich wollte keine Scheiße mehr bauen, sondern mein Leben in den Griff kriegen."

Der 19-Jährige war bereits Anfang April als Zeuge gehört worden. Damals wirkte er jedoch derart verwirrt, dass der Vorsitzende Richter Eberhard Hülsing die Vernehmung abbrach. In der Zwischenzeit bekam Oliver R. mit Rechtsanwalt Christoph Heer einen Zeugenbeistand zur Seite gestellt - und er wurde psychiatrisch begutachtet.

Der 19-Jährige ist bisher der einzige, der die Angeklagten belastete. Mit Daniel K. hatte bereits Anfang April der zweite Hauptbelastungszeuge seine polizeiliche Aussage relativiert. Und alle anderen Zeugen des Verfahrens haben sich bisher auf Erinnerungslücken berufen oder angegeben, nur durch Dritte von dem angeblich bevorstehenden Ereignis erfahren zu haben. So wie Jill B., die gestern vernommen wurde. Ihr hatte sich Oliver R. anvertraut. Sie riet ihm, die Rellinger Ortsjugendpfleger einzuschalten - und die gingen dann mit Oliver R. und Daniel K. zur Polizei.

Morgen sollen zwei Beamte sowie einer der Ortsjugendpfleger vor dem Landgericht gehört werden. Ein Urteil könnte am 2. Juli fallen. Die Angeklagten haben Straftaten wie Serien von Reifenstechereien, Anschläge mit ätzender Buttersäure, Brandanschläge, Sachbeschädigungen und Einbrüche eingeräumt. Ob sie im Hauptanklagepunkt verurteilt werden, bleibt fraglich.