Pinneberg

Wilde Schießerei - er war dabei

Elmshorn: Bericht über TV-Dokumentation weckte die Erinnerung. Komplize der "Bank- Lady" hätte Ex-Polizist Lothar Schaumann fast getötet. "Hoffentlich wird der Gangster im Film jetzt nicht noch glorifiziert."

Elmshorn. Für Lothar Schaumann ist auch fast 21 Jahre nach den Geschehnissen alles noch gegenwärtig, als wäre es erst gestern passiert: "Das war wie bei einem Duell im Wilden Westen", erinnert sich der pensionierte Polizeibeamte aus Elmshorn. "Der Bankräuber richtete seine Waffe auf mich und schoss drei- oder viermal. Ich ließ mich fallen wie John Wayne und sah noch das Mündungsfeuer blitzen. Nur dem Zufall und meiner schnellen Reaktion war es zu verdanken, dass ich noch am Leben bin." Als Schaumann in der Pinneberger Zeitung von den Dreharbeiten für eine Fernsehdokumentation über die "Bank-Lady" und ihren Komplizen las, war dem Kommissar im Ruhestand sofort klar: Peter Werler, wie der spätere Ehemann der Bank-Lady Gisela Werler hieß, war der Mann, der ihn fast ins Jenseits befördert hatte.

Die Frau mit der blonden Perücke unter dem Kopftuch und der schwarzen Sonnenbrille sorgte mit ihrer Bankraubserie in und um Hamburg bis zu ihrer Festnahme 1967 für Schlagzeilen. Doch der missglückte Coup in der Elmshorner Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) fand erst am 5. Dezember 1985 statt. Das räuberische Pärchen hatte nach den 23 Überfällen brav seine langjährigen Haftstrafen abgesessen. Doch die Resozialisierung verfehlte offenbar ihre Wirkung. Ein paar Jahre nach der Entlassung aus dem Knast besann sich das Duo wieder auf alte Untugenden. Werler, der bei seiner Festnahme in Elmshorn bereits wieder unter seinem ursprünglichen Namen Hermann Peter Wittorf "firmierte", gab bei den Vernehmungen an, er habe mit dem erneuten Überfall lediglich seine Altersversorgung sichern wollen.

Beim Elmshorner Bankraub war Wittorf mit einem männlichen Komplizen zum Geld holen unterwegs. Doch Lothar Schaumann ist sich sicher, dass auch die Bank-Lady dabei war und in einem Fluchtfahrzeug, unweit der Bank für Gemeinwirtschaft auf ihren Mann und den Komplizen wartete. "Das konnte ihr aber nicht nachgewiesen werden", erinnert sich der Polizist.

Schaumann und sein Kollege Udo G. waren am 5. Dezember 1985 routinemäßig auf Streifenfahrt. Doch im Rahmen der Aktion Weihnachtsmann sollten Banken und Sparkassen in den späten Nachmittagsstunden wegen der sich häufenden Überfälle vor dem Fest besonders beobachtet werden. Als der Alarm dann aus der BfG auflief, waren die Beamten nur 300 Meter vom Tatort entfernt. Vor der Bank an der Schulstraße gelang es ihnen, den ersten Täter dingfest zu machen und ihm nach einem Handgemenge das erbeutete Geld (rund 49 000 Mark) und seine Waffe abzunehmen. Doch Wittorf, der zweite Gangster, war in die benachbarte Matthias-Kahlke-Passage geflohen. Als Schaumann ihn stellen wollte, schoss der Räuber sofort. Während sein Kollege hinter einem Gebäudeteil Schutz suchen konnte, stand Schaumann dem Gangster in 20 Meter Entfernung direkt gegenüber. Reflexartig erwiderte der Polizeibeamte noch im Fallen das Feuer. Und benutzte dafür den Revolver, den er kurz zuvor Wittorfs Komplizen abgenommen hatte. Doch auch Schaumanns Schüsse trafen nicht. Wittorf lief davon. Unter Waffengewalt zwang er einen Autofahrer, ihm seinen Pkw zu "leihen". Mit dem erpressten Fahrzeug gelangte er zu dem in der Nähe wartenden Fluchtwagen - vermutlich mit der Bank-Lady am Steuer.

Doch schon einen Tag später wurde Wittorf in seiner Hamburger Wohnung vom Mobilen Einsatz-Kommando festgenommen. Sein Kumpel hatte "gesungen".

Lothar Schaumann hat die Ereignisse von damals gut verkraftet. Er hofft nur, dass der Gangster im Fernsehfilm nicht noch glorifiziert wird. Schließlich habe ihn der Überfall fast das Leben gekostet. Kein Verständnis hat der Pensionär dafür, dass Wittorf später nur wegen räuberischer Erpressung, nicht aber wegen Mordversuchs verurteilt wurde.

Und noch etwas kann Schaumann bis heute nicht so recht verknusen: Obwohl bei der Schießerei seine Uniform und das Holster beschädigt wurden, sollte er aus der Kleiderkammer keinen Ersatz bekommen. Statt dessen wurde ihm die Kleidung eines verstorbenen Kollegen angeboten. "Da habe ich mir lieber selbst neue Klamotten gekauft", sagt Schaumann. Immerhin gab es für den Polizisten später noch eine Belobigung.