Pinneberg

Es wird einsam um Wolfgang Wiech

Uetersen. Ein wenig ähnelt der Streit zwischen Uetersener Politikern und Bürgermeister an die Grundsatzfrage: "Wer war zuerst da, das Ei oder das Huhn?" Doch wer hat wen zuerst geärgert, wer hat sich den Streit selbst zuzuschreiben?

Die Auseinandersetzung gipfelte darin, daß die Mehrheit in der jüngsten Ratsversammlung den Haushaltsentwurf der Verwaltung ablehnte. Seitdem sitzen Vertreter von SPD, BfB (Bürger für Bürger), FDP und AL (Alternative Liste) regelmäßig zusammen, um ein eigenes Finanzwerk zu stricken.

Nur die Union stand beim Etat zum Bürgermeister, den sie bei der Wahl 2002 teilweise unterstützt hatte - viele hätten damals lieber Appens Verwaltungschef Detlev Brüggemann vorn gesehen. Drei Gruppen agieren in der CDU: Zu Wiech hält der Unternehmerflügel. Aber einige Altgediente können sich mit Wiechs Führungsstil wenig anfreunden.

CDU-Fraktionschef Gerhard Ruhnke bezeichnet diese Auseinandersetzungen als "normal" in einer Demokratie. Klar ist, daß der Draht Wiechs zur größten Fraktion seit dem Weggang von Monika Schwalm nach Kiel nicht mehr so stabil ist. Sie traf sich regelmäßig im Rathaus mit Wiech. "Da wollen wir wieder hin", sagt Ruhnke. Er gilt als Mittler zwischen den Fronten in der Union.

Die Abkehr von der Schiene Wiech-Schwalm hätten andere in der Union gern weitergehend betrieben. Sie wollen sich nicht vom Bürgermeister auf Linie halten lassen, warnen davor, bei der Wahl 2008 abgestraft zu werden.

Der kleine Partner im bürgerlichen Block, die BfB, hat sich klarer von Wiech abgegrenzt. Am auffälligsten waren eine Dienstaufsichtsbeschwerde, nachdem Wiech Bäume hatte fällen lassen und das Nein zum Etat.

Doch sowohl Ruhnke (CDU) als auch BfB-Fraktionssprecher Witt Hans-Dieter Witt betonen, daß es nur in der Sachfrage Haushalt unterschiedliche Ansichten gebe. Die grundsätzliche Zusammenarbeit sei weiterhin gewollt.

Aus der SPD und FDP wird die Kritik deutlicher. Liberalen-Chef Rolf Massow bezeichnet die Beziehungen als "schwierig". Ein "ganz schlimmes Beispiel" sei Wiechs politische Abrechnung mit den Etat-Gegner während der Ratssitzung gewesen. Massow: "Ich glaube nicht, daß wir uns das noch einmal gefallen lassen."

Flächendeckend streut die SPD ihre Kritik: "Uetersen - eine Stadt steht zum Verkauf" kommentierten die Genossen das Gebaren des "bürgermeisternden Immobilienmaklers" im "Rotfux".

"Dieser Stil hat mich gewundert", sagt Wiech. Nach seinen Angaben ist die Verwaltung für alle Politiker offen, jede Anfrage werde beantwortet, jedes Gespräch gern geführt. SPD-Fraktionschef Ingo Struve zweifelt: "Zweimal haben wir miteinander gesprochen. Dann lief es eine Woche lang gut - und dann war es wieder vorbei."