Pinneberg

Fünf Kilo Abfall pro Bett und Tag in den Kreiskliniken

Entsorgung: Essensreste, blutige Tupfer, Gallensteine - in einem Krankenhaus fällt viel Müll an. Nur: Wohin damit?

Elmshorn. In einem Rutsch fällt die braune, breiige und unappetitlich riechende Masse aus dem großen weißen Plastikeimer in den Müllcontainer, der in der fensterlosen, kalten Kammer steht. Der stämmige Küchenangestellte, der gerade die zusammengekippten Überreste aus Kaffee, Tee, Marmelade, Wurst und Brötchen von zwei Stationen entsorgt hat, grinst mich an: "Lecker, was?" Ich verziehe ein wenig das Gesicht und spare mir eine Antwort.

"Der Drankraum wird immer gekühlt, damit der Geruch nicht zu stark wird." erklärt Wolfgang Ahrenhold, der stellvertretende Verwaltungsleiter des Klinikums Elmshorn, die unerwartete Kälte. Im "Drankraum" kommen alle Lebensmittelreste aus dem gesamten Klinikum zusammen. Der 48-Jährige führt mich die langen Flure entlang und zeigt mir alle Stellen, an denen der Müll entsorgt wird. Und der läppert sich in einem Klinikum mit 400 Betten. Insgesamt fallen pro Bett und Tag etwa fünf Kilogramm Abfall an. Daran beteiligt sind natürlich auch die knapp 600 Mitarbeiter und Besucher.

"Als Müllverursacher sind wir verpflichtet, unseren Müll fachgerecht und umweltfreundlich entsorgen zu lassen." Daher wird der Biomüll, der täglich etliche Haushaltstonnen füllen würde, nicht einfach kompostiert oder verbrannt - ein Abfuhrunternehmen holt ihn ab und desinfiziert ihn. Die pulverisierten Überreste verfüttert ein Landwirt aus dem Kreis Pinneberg schließlich an seine Schweine, so Ahrenhold. Auch das Fett aus der Küche wird verwertet: "Das wird zu einer öffentlichen Kläranlage geleitet und setzt dort den Wiederaufbereitungsprozess in Gang." Sondermüll als nützlicher biologischer Wirkstoff.

Etwas mulmig wird mir an der Tür mit dem gelben Warnschild: "Chemikalien". Längliche gelbe Stahltanks bauen sich summend vor uns auf. Für die Flüssigkeiten aus Röntgen- und Strahlentherapie, die hierhin abgeleitet werden, bekommt die Klinik vom Abfuhrunternehmer eine Entschädigung ausgezahlt: Sie enthalten teilweise Silber oder andere verwertbare Stoffe. Dieser Müll bringt sogar Geld in die Kasse.

Kein Geld gibt es jedoch für den "Abfall", der hier in stabilen, blauen Kunststofftonnen deponiert wird. Einen Blick hinein zu riskieren ist zum Glück gar nicht möglich: In diesen Einweg-Tonnen, die sich nach dem Schließen nicht wieder öffnen lassen, werden die Körperteile und Organe aus dem Operationssaal gelagert. Ein Kieler Spezialunternehmen holt diesen so genannten "C-Müll" ab und verbrennt ihn. Auch infektiöser Müll von isolierten Patienten mit einer ansteckenden Krankheit wird auf diese Weise entsorgt. Nicht infektiösen Abfall wirft das Personal allerdings schlicht in den Hausmüll, egal ob es sich um Joghurtbecher oder um stuhl- oder blutverschmierte Wundmaterialien handelt.

Der richtige Umgang mit den zahlreichen "Müllsorten" kostet Aufwand, Geld und Platz. Darum räumt Wolfgang Ahrenhold ein: "Wir können nicht auch noch den privaten Müll der Patienten trennen. Für die vielen gelben Säcke hätten wir gar keinen Lagerplatz, die werden nur alle 14 Tage abgeholt." Außerdem würden dadurch leicht Ratten und Ungeziefer angelockt. "Und das muss ja nicht sein, dass die hier zur Tür reinlaufen", scherzt Ahrenhold.

Natürlich ist die Vermeidung von Müll im Vorfeld besonders wichtig. Andauernd suchen Ahrenhold und seine Kollegen nach Möglichkeiten, das Müllproblem an der Wurzel zu packen, wie zum Beispiel ausschließlich Pfandflaschen einzukaufen.

In seinem Büro sind die Regale voll mit Aktenordnern, die Vorschriften und Regelungen enthalten. "Da müssen ganz genaue Abfallbilanzen erstellt und viele Fragen beantwortet werden: Wieviel Müll gab es? Wer hat ihn wann an das Abfuhrunternehmen übergeben? Welcher Fahrer hat im Lkw gesessen?" Bis hin zur Bescheinigung über die fachgerechte Entsorgung vom Müllunternehmer und ein Abfallkonzept für das nächste Jahr muss alles detailliert dokumentiert werden.

Ob denn der Papierkram nicht zeitraubend sei? "Nein, nein," winkt Ahrenhold ab, "das erledigt alles ein Mitarbeiter vom TÜV für uns, das würden wir selbst gar nicht schaffen."