Pinneberg

Wolfgang Wiech und die magische Zahl 13

Wenn Wolfgang Wiech am 1. April Karl Gustav Tewes ablöst, blickt er auf 13 Vorgänger zurück

Uetersen. Die Unheil verheißende 13 ist eine Glückszahl für den neuen Uetersener Bürgermeister Wolfgang Wiech (50) aus Groß Nordende: Er wurde am 13. Oktober gewählt, am 13. Dezember - einem Freitag zudem - vereidigt, und wenn er am 1. April die Nachfolge von Karl Gustav Tewes antritt, kann er auf 13 reguläre Bürgermeister-Vorgänger sowie zwei Stadtdirektoren in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zurückblicken. Die Reihe der Uetersener Bürgermeister beginnt 1870 mit Ernst Heinrich Meßtorff, der das Amt bis 1900 und damit für die bislang längste Zeit überhaupt inne hatte. Meßtorff war vor seiner Uetersener Tätigkeit seit 1862 Fleckenvorsteher. Der Sohn eines Tuchmachers aus Neumünster ließ das Lehrerseminar anlegen und die Pferdebahn, die erste schienengebundene Verbindung nach Tornesch. Der Bürgermeisterpremiere folgte ein unrühmliches Zwischenspiel. Heinrich Muuß führte die Geschäfte bis 1914 und war unter anderem verantwortlich für den Neubau der Sparkasse an der Mühlenstraße. Er schied allerdings unfreiwillig und wegen finanzieller Verfehlungen unehrenhaft aus. Im Mai 1915 erfolgte die formelle Enthebung aus dem Amt. Derartiges hat sich in der Geschichte Uetersens zum Glück nicht wiederholt. Auf Muuß folgte Ernst Ladewig Meyn für die Zeit bis 1918. Nach ihm kam Jakob Christians bis 1930. Dem Friedrichstädter verdanken die Uetersener Verbesserungen im Krankenhaus, das Kinderheim "Hus Sünnschien" und den Aufbau einer zentralen Wasserversorgung. Bürgermeister Heinrich Wellenbring, der bis 1933 amtierte, setzte Zeichen bei der Beseitigung der Arbeitslosigkeit, beim Bau der Betonstraße nach Heidgraben und den Bau des Hafens. Es folgte der Bürgermeister mit der kürzesten Amtszeit. Der Stadtrat Ferdinand Bauth wurde als kommissarischer Bürgermeister im März 1933 eingesetzt, versah seinen Dienst aber nur bis zum 14. Oktober des Jahres. Er wurde ersetzt von Hermann Dölling, der bis zum Juni 1945 die Verwaltungsgeschäfte führte. Der ehemalige Quickborner Gemeindevorsteher ließ das Gelände für das Rosarium herrichten und eine Ausstellungshalle für die 700-Jahr-Feier der Stadt und die Rosenschau 1934 bauen. Während seiner Amtszeit nahmen die großen Uetersener Betriebe Hatlapa und Feldmühle ihren Betrieb wieder auf. 1936 wurde Uetersen mit dem neuen Flugplatz der Wehrmacht zur Garnisonsstadt. In Verbindung mit dem Fliegerhorst wurde außerdem das Naturfreibad Oberglinde geschaffen. Nach der Entlassung Döllings wurde Heinrich Stühmeyer von der britischen Besatzungsmacht im Juni 1945 zum hauptamtlichen Bürgermeister ernannt. Von Dezember des Jahres an führte er seine Arbeit als Stadtdirektor fort, nachdem Heinrich Wilkens zum politischen Bürgermeister gewählt worden war. Stühmeyer verließ die Stadt im Februar 1946, um Oberkreisdirektor in Pinneberg zu werden. Der Name seines Nachfolgers Heinrich Wilckens ist wegen der nach ihm benannten Wohnsiedlung noch heute in Uetersen präsent. Von 1945 bis 1950 agierte er neben den Stadtdirektoren Stühmeyer, Friedrich Kossack (bis 1949) und Gustav Hillemeier. Im April 1950 wurde er zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt. Wilckens verunglückte am 30. September 1956 mit dem Auto tödlich. Abgesehen von der nach ihm benannten Rentner-Siedlung war er verantwortlich für die Bebauung der Schanzenstraße, der Herderstraße und für die "Neue Heimat"-Siedlung am Baßhorn. Über die Grenzen Uetersens hinaus bekannt wurde Dr. Jürgen Frenzel. 1956 zum Bürgermeister gewählt, schied er acht Jahre später aus, um Polizeipräsident von Hamburg zu werden. An Frenzel erinnert der Name der von ihm initiierten Uetersener Schwimmhalle. Weitere Verdienste waren die Einrichtung einer Müllabfuhr, der Bau des Rosenstadions und der Turnhalle Jahnstraße, die Errichtung der Birkenallee-Schule sowie die Entstehung des neuen Stadtteils an der Reuterstraße. Am 16. April 1964 begann die Ära Waldemar Dudda. Der Bürgermeister mit der längsten Amtszeit in jenem Jahrhundert - sie währte bis 1988 - war für diverse kommunale Entwicklungen federführend. In Uetersen entstanden 4000 neue Wohneinheiten, drei neue Schulen, das Alten- und Pflegeheim, vier Sporthallen, die Fußgängerzone, das Rathaus, ein Kindergarten und diverse Straßen und Fahrradwege. Ferner erreichte es der Sozialdemokrat, der zeitweise auch Landtagsabgeordneter war, dass das Grundvermögen des Fünf-Städte-Heims in Hörnum vom Bund übereignet wurde. Schließlich sicherte seine freundschaftliche Verbindung zu Werner Lange der Stadt Herrenhaus und Gelände "Langes Tannen" zum Zwecke der Naherholung. Dudda ist seit seiner Pensionierung Ehrenbürger der Stadt. Auf Dudda folgte von 1988 bis 1994 Wolfgang Bromma, ebenfalls Mitglied der SPD. Er hatte der Stadtverwaltung zuvor als Büroleitender Beamter angehört. In seine Amtszeit fielen das Bekanntwerden der Dioxon-Problematik im Wohngebiet am Esinger Steinweg und der Neuaufbau der Museumsscheune nach einem Brand. Bromma verlor jedoch die Rückendeckung eines Teils seiner politischen Freunde, so dass im November 1993 der bisherige Bauamtsleiter Karl Gustav Tewes zu seinem Nachfolger gewählt wurde. Als politisch unabhängiges Verwaltungsoberhaupt führte er die von Bromma begonnenen Bemühungen um eine Sanierung der Dioxin-Grundstücke zu einem erfolgreichen Ende. Er verfolgte eine konsequente Sparpolitik und setzte damit durch, dass die Schulden der Stadt halbiert werden konnten. Die Einrichtung eines Bürgerbüros ist außerdem Zeichen für eine begonnene Modernisierung der Verwaltung Tewes wurde im November 1999 direkt für sechs Jahre als Bürgermeister wieder gewählt. Er scheidet jedoch am Montag, 31. März, wegen Erreichens der Altersgrenze vor Ablauf seiner Amtszeit aus. Der neue Verwaltungschef Wiech will während der konstituierenden Sitzung der Ratsversammlung am 11. April in einer Grundsatzrede seine selbst gesteckten Ziele darlegen. Dokumentation und Fotos: Uwe Dohrn, Verein Historisches Uetersen.