Formaldehyd und Schimmel im Schenefelder Kindergarten

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Arne Kolarczyk

Giftige Spanplatten, feuchte Wände und Fußböden: Die Tagesstätte der Paulskirche muss saniert oder neu gebaut werden.

Schenefeld. Vor 30 Jahren wurde die Kindertagesstätte der Schenefelder Paulskirche in Leichtbauweise errichtet. Schon seit Jahren klagen Eltern und Erzieher über einen üblen, muffigen Geruch in dem Flachdachgebäude an der Bogenstraße. Im Vorjahr wurden die Räume gründlich renoviert. Doch der Gestank blieb. "Im Nachhinein hätten wir uns diese Renovierung sparen können", so Sabine Jacobsen. Seit zweieinhalb Jahren leitet die 50-Jährige die Einrichtung, in der 130 Kinder in sieben Gruppen betreut werden. Jetzt brachte es eine Expertise an den Tag: Die Räume weisen einen Schimmelpilzbefall auf - außerdem besteht in Teilbereichen eine Belastung durch Formaldehyd. "Es besteht keine akute Gesundheitsgefährdung. Der Kindergarten kann uneingeschränkt weiter genutzt werden", so Fachbereichsleiter Andreas Bothing (35). Die Formaldehydbelastung erklärt sich durch eingebaute Spanplatten, die heute nicht mehr vertrieben werden dürfen. Die Schimmelpilze entstehen, weil die Bodenplatte durchfeuchtet ist. Das sich auf dem Flachdach anhäufende Wasser wird durch innen liegende Rohre zum Abfluss unter das Haus geleitet. Diese Rohre sind undicht, so dass Fußboden und Wände feucht werden. Bothing: "Unter der Sohle läuft das Wasser richtig rein." Die Feuchtigkeit löst den Gestank aus. Beim Rückbau werden die versiegelten Schadstoffe freigesetzt, was zu hohen Sicherheitsvorkehrungen führt. Kosten für Abriss und Neubau: fast 1,2 Millionen Euro. Eine Komplettsanierung des Gebäudes inklusive der Beseitigung des problematischen Flachdachs schlägt mit bis zu 550 000 Euro zu Buche. Das Problem: Die Stadt hat kein Geld, die Ausgabe war nicht geplant. Inzwischen ist eine dritte Variante in der Diskussion: Wenn nur das Nötigste gemacht wird, verbleiben 220 000 Euro. Dafür würde das Flachdach ersetzt, eine Lüftungsanlage eingebaut sowie Fußboden- und Wandbelege in Teilbereichen erneuert. Bei einer Sanierung könnte der Betrieb weiterlaufen. Eine Entscheidung fällt voraussichtlich im Februar. Erste vorsichtige Signale aus der Politik deuten aber darauf hin, dass auch eine große Lösung möglich wäre - allerdings frühestens in zwei Jahren. "Es bleibt zu überlegen, ob bei einer Sanierung alle Mängel zu beheben sind", so Sabine Jacobsen. Sie wäre bereit zu warten - wenn es zum Neubau kommt.

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