Vereine Norderstedt

Maroder Sportpark – der 1. SC Norderstedt ruft um Hilfe

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Christopher Mey
Jörg Rau, Vorsitzender des 1. SC Norderstedt (l.), und Geschäftsführer Christoph Blöh, vor dem Sportpark am Scharpenmoor. Der Verein wirbt um Unterstützung für einen Neubau am Standort.

Jörg Rau, Vorsitzender des 1. SC Norderstedt (l.), und Geschäftsführer Christoph Blöh, vor dem Sportpark am Scharpenmoor. Der Verein wirbt um Unterstützung für einen Neubau am Standort.

Foto: Christopher Herbst

Die Gebäude am Scharpenmoor sind nicht mehr zeitgemäß. Der SCN ist in einer prekären Lage. Das sind die Optionen.

Norderstedt.  Manchmal hilft nur noch Galgenhumor. „Themawechsel – sonst bekommt es die Heizung mit und springt jetzt schon aus.“ Was Jörg Rau, Vorsitzender des 1. SC Norderstedt, sagt, hat einen ernsten Hintergrund. Denn im vergangenen Winter fiel die alte Heizungsanlage im Sportpark Scharpenmoor tatsächlich mehrfach aus.

Mit schwerwiegenden Folgen, wie Geschäftsführer Christoph Blöh ergänzt: „Es war dann sowohl kein Sport- als auch kein Geschäftsstellenbetrieb möglich, sodass die Mitarbeiter nach Hause geschickt werden mussten – genauso wie die Sportlerinnen und Sportler. Das Alter des Gebäudes zeigt sich eben in vielen Facetten.“

Maroder Sportpark Scharpenmoor – der 1. SC Norderstedt ruft um Hilfe

Dieser Defekt ist aber auch nur ein Symptom für ein grundlegendes Problem. Auch Wassereinbrüche, sowohl vom Dach aus als auch über die Wände, sind wiederholt vorgekommen. Der Gebäudekomplex ist in die Jahre gekommen, hat in dieser Form keine Zukunft mehr.

Und genau deswegen hat die Stadt eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen, um alle Optionen aufzuzeigen: Sanieren, Erweitern, Abriss und Neubau an gleicher Stelle – oder an einem neuen Standort. Nur: Zunächst einmal verdeutlicht die Untersuchung eines Architekten, die kürzlich dem Ausschuss für Schule und Sport vorgelegt wurde, wie tief der SCN in einem Dilemma steckt.

In der Vergangenheit ist die 1976 errichtete Mehrzweckhalle des Vereins immer wieder ausgebaut worden. Hier wird Tennis gespielt, es gibt Bereiche für Kampfsport, Turnen, Tanzen. Das reicht natürlich nicht, um das Angebot für 2000 Mitglieder abzudecken, sodass der SCN 13 weitere Hallen von Schulen im gesamten Stadtgebiet nutzt. Eine moderne Dreifeldhalle gibt es bisher in Garstedt, anders als in Harksheide, nicht – auch wenn zumindest die Planungen für eine neue Grundschule am Aurikelstieg eine solche mit umfassen.

In vielen Sportarten gibt es lange Wartelisten

„Das eine ist die Bausubstanz, das andere unser Angebot. Speziell nach der Corona-Pandemie ist der Bewegungsbedarf sehr groß. Neue Angebote finden zum Teil sonnabends statt wie zum Beispiel Hobby-Horsing. Da haben wir 16 Kinder, die Halle platzt aus allen Nähten“, sagt Christoph Blöh. „Das Gleiche haben wir im Kinderturnen, im Basketball, im Judo. Da haben wir Wartelisten. Wir haben keine Kapazitäten mehr, unser Angebot auszuweiten – trotz der Nachfrage. Dadurch können wir uns nicht positiv entwickeln.“

Der SCN ist Eigentümer der Gebäude. Das Grundstück selbst, hierzu gehört auch unter anderem das Stadion von Eintracht Norderstedt, ist Bestandteil eines Erbbauvertrages, der bis 31. Mai 2069 läuft. Der Verein hat eine Zusicherung, dass hier Sport betrieben werden darf. Trotzdem ist es ein Nachteil gegenüber Clubs, die öffentliche Sportanlagen zur Verfügung haben.

Die wichtigsten Thesen der Machbarkeitsstudie:

  • Eine zusätzliche Dreifeldhalle könnte nur gebaut werden, wenn ein Bebauungsplan aufgestellt wird. Inklusive einer Anwohnerbeteiligung, bei der potenziell Ablehnung zu erwarten ist.
  • Eine Expansion an jetzigem Standort ist nicht möglich.
  • Ein Abbruch und Neubau am Scharpenmoor wäre möglich. Aber nur, wenn die Nutzungsfrequenz nicht höher wird, zudem die Beeinträchtigung der Nachbarschaft geringer ist als jetzt. Die Stadtplanung müsste direkt eingebunden sein. Und während der Bauphase müsste der SCN umziehen. Ob eine Realisierung machbar wäre, könne derzeit nicht bewertet werden.
  • Eine Kernsanierung käme in Betracht, sie wäre planungsrechtlich sofort umsetzbar, würde geschätzt 1,8 Millionen Euro kosten und zwei Jahre dauern. Aber eine Weiterentwicklung des Vereins wäre es nicht, es würde nicht den Zukunftsplänen gerecht.

Jörg Rau hat dazu eine klare Meinung. „Sanieren ist aus unserer Sicht rausgeschmissenes Geld. Ein Neubau ist die einzige Alternative, die wir haben. Am liebsten blieben wir hier am Standort. Ich sehe keine anderen Grundstücksflächen innerhalb Garstedts, die für unsere Sportler verkehrstechnisch günstig liegen würden. Und komplett in die Peripherie, das käme uns nicht entgegen.“

Scharpenmoor ist für viele Mitglieder die „sportliche Heimat“

Die Sorge vor Problemen mit den Anwohnern schätzt er als „marginal“ ein. „Die anliegende Wohnbebauung lebt seit 50 Jahren nicht nur mit unserem Sportpark, sondern auch mit dem Stadionbereich. Und der hat sich auch weit ausgedehnt. Von daher habe ich da keine großen Bedenken.“

Der Sportpark Scharpenmoor sei für viele Mitglieder die „sportliche Heimat“, so Christoph Blöh. „Es wäre für viele gar nicht vorstellbar, woanders zu tanzen oder Tennis zu spielen, zu kegeln, zu turnen. Ich glaube, es wäre hier möglich, in einem Baukastensystem zu arbeiten.“ Also: Nach und nach die Gebäudeteile abzureißen und zu ersetzen. „Um organisch zu wachsen.“

Klar ist: Der Verein könnte einen Neubau mit Kosten in zweistelliger Millionenhöhe nicht stemmen. Einer Eigentumsübertragung an die Stadt steht man offen gegenüber. Blöh: „Uns kommt es darauf an, dass wir unseren Mitgliedern vernünftige Angebote machen und die Warteliste abarbeiten können.“

Vereine Norderstedt: „Neubau ist die einzige Alternative, die wir haben“

Sehr bald soll es Gespräche mit der Verwaltung geben über das weitere Vorgehen. „Jetzt liegt der Spielball auf der anderen Seite. Wir sind immer bereit, über Fahrpläne oder ähnliches zu sprechen“, so Jörg Rau, der sich eine Entscheidung vor den Kommunal- und Oberbürgermeisterwahlen 2023 wünscht.

Was erst recht nicht mehr warten kann, ist die Heizung. Diese muss so oder so erneuert werden. „Aber wenn wir sie jetzt in Auftrag geben, wird sie eh erst in einem halben Jahr da sein. Dann ist der Winter schon wieder vorbei. Und wir benötigen eine gewisse Planungssicherheit“, sagt Christoph Blöh. Denn wird die Heizung erneuert, ist das quasi ein Bekenntnis zum Standort, auch zum Gebäude. „Sollte das nicht der Fall sein, brauchen wir schnell Planungssicherheit für einen Neubau an dieser oder anderer Stelle.“

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