Ju-Jutsu

8. Dan für Norderstedts erfolgreichsten Trainer

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Thomas Maibom
Stefan Jacobs hat Ju-Jutsu von der Pike auf gelernt. Die besten Ergebnisse als Aktiver: Nordchampion und deutscher Vizemeister.

Stefan Jacobs hat Ju-Jutsu von der Pike auf gelernt. Die besten Ergebnisse als Aktiver: Nordchampion und deutscher Vizemeister.

Foto: Thorsten Ahlf

Der nationale Verband ehrt Stefan Jacobs vom Verein Kodokan für dessen große Verdienste um die Kampfsportart Ju-Jutsu.

Norderstedt.  Diese Bilanz ist beeindruckend und in der Region einzigartig. 30 Weltmeister hat der Norderstedter Kampfsportverein Kodokan unter der Regie von Cheftrainer Stefan Jacobs schon hervorgebracht. Doch der Coach steht nicht gern im Rampenlicht. Er versteht sich vielmehr als Teamplayer. „Ich bin ein kon­stantes Zahnrad in einem sich ständig ändernden Trainersystem“, sagte der
61-Jährige anlässlich der Feierstunde zur Auszeichnung mit dem 8. Dan.

Dan – das ist die Bezeichnung für den schwarzen Gürtel in den asiatischen Kampfsportarten. Den 1. bis 5. Dan kann man im Ju-Jutsu durch Prüfungen erlangen. Die folgenden fünf Stufen werden dagegen ehrenhalber verliehen. Stefan Jacobs ist nun einer von 14 Ju-Jutsuka in Deutschland, die mit der Ehre des 8. Dan bedacht wurden.

Ju-Jutsu heißt übersetzt „sanfte Kunst“

Ausgezeichnet wurde der Norderstedter für seine besonderen Verdienste um das Ju-Jutsu, das übersetzt „sanfte Kunst“ heißt und hauptsächlich auf Selbstverteidigungstechniken basiert – also quasi für sein Lebenswerk. Sieben Seiten Skript hatte Roland Köhler, der Präsident des Deutschen Ju-Jutsu-Verbandes, mitgebracht, um die Stationen und Erfolge von Stefan Jacobs, in seiner Laudatio zu präsentieren. „Aber es würde viel zu lange dauern, all dies aufzuzählen“, sagte er.

Jacobs katte kein Problem mit der kurzen Variante. „Es ist ein komisches Gefühl, vor einem solchen Publikum im Mittelpunkt zu stehen und nur Positives über sich selbst zu hören.“ Ihm ist es wichtiger, dass er in seinem Job als Trainer positives oder negatives Feedback bekommt. Und zwar von den Aktiven.

„Man darf Fehler machen, muss aber aus ihnen lernen“

Im Kampfsportverein Kodokan hat Stefan Jacobs im Laufe der Zeit schon alle wichtigen Positionen bekleidet. Vorsitzender und Geschäftsführer war er bereits, Cheftrainer des Clubs ist er immer noch. Sein Credo: „Wir müssen akzeptieren, dass wir Fehler machen. Die sollten aber nur einmal passieren, und wir müssen aus ihnen lernen.“

Mindestens genauso wichtig sei es, als Trainer immer am Ball zu bleiben, innovativ und neugierig zu sein. Das Geheimnis seiner erfolgreichen Arbeit beschreibt Jacobs wie folgt: „Ich kann ziemlich gut zuhören und beobachten.“ Dabei ist er immer bodenständig geblieben. „Zu einem Meister, Sensei genannt, wird man von seinen Schülern gemacht“, zitiert Stefan Jacobs eine fernöstlich Weisheit.

Ausbildung der Kämpfer folgt einem klaren Schema

Die Ausbildung der Kämpfer bei Kodokan folgt einem klaren Schema: „Wir geben als Trainer ein Programm vor, das wir individuell an die Stärken und Schwächen der Athleten anpassen. Wenn dann das Talent, die richtige Einstellung und Durchhaltevermögen dazu passen, dann ist der Weg für eine erfolgreiche Karriere als Ju-Jutsu-Kämpfer geebnet.“

Sein Wirken bezeichnet Jacobs bisweilen als Sisyphosarbeit. „Ich bilde Trainer aus, die, wenn ihre Lehrzeit beendet ist, irgendwann gehen. Dann fängt der Kreislauf von vorn an. Immer und immer wieder.“ Er selbst ist die konstante Größe in diesem System, das zentrale Zahnrad.

Angefangen hat alles einst in der Judoabteilung von TuRa Harksheide. Claus Witt brachte Stefan Jacobs die ersten Tricks und Kniffe im Kampfsport bei. Nach drei Judo-Jahren wurde bei TuRa die Ju-Jutsu-Gruppe gegründet. „Das klang interessant, das wollte ich ausprobieren.“ Gesagt, getan. Und schon war die Grundlage für alles, was folgen sollte, gelegt. 1988 gründete Stefan Jacobs dann mit acht Mitstreitern den Verein Kodokan.

„Ju-Jutsu war so etwas wie der Appendix von Judo. Da sich nahezu zeitgleich der Deutsche Ju-Jutsu-Verband gegründet hatte, beschlossen wir, auch in Norderstedt mit unserem Club einen eigenen Weg zu gehen“, erinnert sich Jacobs an die Anfänge des erfolgreichsten Sportvereins der Stadt.

Gewissenskonflikt zu Beginn der Trainerkarriere

Als Aktiver war Stefan Jacobs erfolgreich, allerdings im Vergleich zu seinen vielen Schützlingen, die er zu Weltklassekämpfern geformt hat, nicht übermäßig. Er wurde Norddeutscher Meister und gewann einmal DM-Silber. Da Jacobs schon früh als Trainer begann, kam er schnell in einen Gewissenskonflikt: „Ich konnte doch nicht die Leute ausbilden, gegen die ich auf den Wettkämpfen antreten musste. Also bin ich komplett auf die Trainerseite gewechselt.“

1996 folgte die Berufung zum deutschen Bundestrainer. Im Rückblick die schönste Zeit für Stefan Jacobs. „Da durfte ich mit lauter engagierten Leuten zusammen arbeiten, die eine hohe Verbindlichkeit für ihren Sport hatten.“

Verein Kodokan ist auf rund 200 Mitglieder angewachsen

Seit einem Jahr hat Kodokan seine neue Heimat im Tarpenbek-Dojo. Seitdem hat der Club um 80 Prozent zugelegt und ist auf rund 200 Mitglieder angewachsen. Zehn von ihnen dürfen sich aktuell deutsche Jugendmeister nennen. „Damit stellt der Verein mehr nationale Champions als die großen Landesverbände wie Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen mit jeweils über 6000 Kämpfern“, betonte Roland Köhler anerkennend.

Zur Ehrung von Stefan Jacobs kamen neben Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und dem Sportausschuss-Vorsitzenden Marc-Christopher Muckelberg auch zahlreiche Weggefährten. Nach dem offiziellem Prozedere folgte der schönste Teil, zu Hause bei Ehefrau Berit, den Kindern Jule und Hannes sowie den beiden Hunden. „Mit Schokoladenkuchen. Den liebt Papa“, verriet Tochter Jule Jacobs (15), die Jugend-Welt- und -Europameisterin ist. Und sie hatte auch noch das größte Kompliment an diesem Tag parat: „Natürlich ist er der beste Vater der Welt. Und er ist auch mein Vorbild.“

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