Altmeister von der Schirnau

Diese Tennis-Veteranen werden nicht müde

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Karsten Jaeger
Die Herren 70 des TCS im schicken Tennis-Outfit, v. l.: Juri Kogan (auch Platzwart), Fred von Privaloff, Heino Sahlmann, Jana Hoge und Nico Rauchbach von Sponsor Engel & Völkers, Dieter Rix, Udo Marggraf und Helmut Sturm

Die Herren 70 des TCS im schicken Tennis-Outfit, v. l.: Juri Kogan (auch Platzwart), Fred von Privaloff, Heino Sahlmann, Jana Hoge und Nico Rauchbach von Sponsor Engel & Völkers, Dieter Rix, Udo Marggraf und Helmut Sturm

Foto: Privat

Beim TC an der Schirnau treffen sich regelmäßig Spieler der Herren 70 und 80. Auch in der Regionalliga mischen die Tennis-Altmeister noch mit.

Kaltenkirchen.  Heino Sahlmann muss sich vorgekommen sein wie vor dem Besuch eines Herrenausstattergeschäfts. Begonnen hatte es an Weihnachten vergangenen Jahres, als sich der Kapitän aus der Herren-70-Tennismannschaft des TC an der Schirnau bei jedem Spieler im Kader nach den Kleidergrößen erkundigte. Fast fünf Monate ist das jetzt her. So lange hat es gedauert, bis die schicken Tennissachen ausgeliefert und zunächst in der Tennishalle deponiert wurden. Die Sachen waren quasi eine Überraschung für Kaltenkirchens Tennis-Veteranen, die sich kürzlich zur Anprobe beim Training verabredeten.

Der Clubchef fand eine Firma, die nun die Oldies finanziell unterstützt

Finanzielles Engagement von Sponsoren ist im Tennis nichts Ungewöhnliches, für 70 bis 80 Jahre alte Breitensportler allerdings schon. Schirnaus Clubvorsitzender Mirko Schütte hatte den Anstoß gegeben. Seit einiger Zeit trainiert er Jana Hoge, Verkaufsrepräsentantin bei der Immobilienfirma Engel & Völkers in Kaltenkirchen, in früheren Zeiten eine erfolgreiche Basketballerin. „Ich habe überlegt, wie man den Tennis-Seniorensport besser würdigen und fördern könnte. Über das Thema sprach ich mit Jana Hoge. Sie war sofort angetan von der Idee, etwas für die ältere Generation auf dem Court zu tun.“

Die einhellige Meinung: Senioren sind eine Bereicherung für die Aktivitäten im Club. Rund 16 Akteure der Herren 70 und 80 treffen sich im Schnitt zweimal in der Woche beim Training. Sie sind allein unter sich und spielen so lange, wie es ihre Gesundheit und Kraft zulässt. Hinterher geht die Gruppe noch in ein Holzhaus neben dem Clubheim, von Mirko Schütte und seinem Stellvertreter Jens Busch eigens für die rüstigen Tennis-Cracks gebaut. Mitgeholfen hat der zu den „Siebzigern“ zählende Platzwart Juri Kogan. Dieser war kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine an die polnische Grenze gefahren, um Verwandte bei der Flucht abzuholen.

Die meisten der Kaltenkirchener Tennis-Routiniers kennen sich seit mehr als 40 Jahren. Einige sind schon älter als 80, so zum Beispiel Klaus Einfeldt (84) und Arthur Piotrowski (83). Letzterer wohnt weiter weg in den neuen Bundesländern und holt Teamkameraden mit dem Pkw ab, wenn weite Fahrten zu Punktspielen anstehen. „So etwas nennt man wohl Teamwork“, sagt Heino Sahlmann (77), der die in der Schleswig-Holstein-Liga spielenden Herren 70 coacht.

In einem Punktspiel traf man im Doppel auf einen amtierenden Weltmeister

Diese entwickeln in der höchsten Klasse des Landes nicht nur Ehrgeiz, weil sie eine farbenfrohe Tennisausstattung erhalten haben, die gut tragbar und atmungsaktiv ist. Die Mannschaft führt mit 2:0 Punkten die Tabelle an, obwohl sie noch kein Match absolviert hat. Der Crew wurde ein kampfloser Sieg wegen der Abmeldung des TC Siek vor Saisonbeginn zugesprochen. Sahlmann: „Letzte Woche erhielten wir dann noch einen Anruf vom TC Westerland, der coronabedingt absagte. Wir sind ziemlich sauer darüber, wieder nicht gespielt zu haben.“

Erstaunlichen Aufwand betreiben Klaus Hoppe, Teamkapitän der Herren 80, und seine Mitspieler in der Regionalliga Nord-Ost. Der 80-jährige aus Hasloh machte die Erfahrung, dass Tennis ein Hobby über Jahrzehnte ist, bei dem man im hohen Alter ehemals sehr bekannten Kontrahenten begegnen kann. Vor dem ersten Punktspiel beim Harburger TuHC (1:5) wusste der frühere Fußballspieler von TuS Holstein Quickborn, dass er wahrscheinlich dem aktuellen Welt- und Europameister der Herren 85, Herbert Althaus, gegenüberstehen würde. Dazu ist es tatsächlich gekommen. Althaus trat zwar nur im Doppel an. „Aber auch das war für mich selbst nach 45 Jahren Tennis einmalig“, sagt Hoppe, der seit zwei Jahren beim TC an der Schirnau spielt.

Herbert Althaus ist mit 87 Jahren unglaublich zäh und fit. Dann aber passierte das Kuriosum, dass Hoppe mit seinem Partner Klaus Einfeldt im Doppel den Ehrenpunkt errang, weil der Weltmeister wegen einer Verletzung seines Mitspielers mit aufgeben musste. Einen prominenten Gegner traf Klaus Hoppe auch bei einem Gastspiel in der Bundeshauptstadt. Beim LTTC Rot-Weiß Berlin schlägt Carsten Keller auf. Der spielte 133-mal für die deutsche Hockey-Nationalmannschaft und wurde mit ihr 1972 Olympiasieger in München. Auch der heute 82-jährige Berliner konnte das Match gegen Schirnaus Nummer drei nicht beenden und verließ beim Stand von 0:4 im ersten Satz verletzt den Platz. Am Ende hieß zwischen beiden Mannschaften 3:3. Klaus Hoppe: „Wir sind immer froh, wenn wir mit heilen Knochen wieder vom Platz kommen.“

All diese Geschichten dürften am Mittwoch, 29. Juni, wieder die Runde machen. An diesem Tag haben die Herren 70 und 80 außerhalb des Tennisplatzes einen gemeinsamen Termin. 25 Spieler samt Ehefrauen gaben ihre Zusage für eine Feier im Restaurant „Am Boxberg“ in Aukrug. Über Tennis soll trotzdem nicht die ganze Zeit geredet werden...

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