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Viel Frust nach dem Halbfinal-Aus im Lotto-Pokal

| Lesedauer: 5 Minuten
Frank Best und Christopher Herbst
Die Regionalligisten neutralisierten sich weitestgehend – hier grätscht Teutonia-Kapitän Dino Fazlic gegen Eintracht-Angreifer Philipp Müller.

Die Regionalligisten neutralisierten sich weitestgehend – hier grätscht Teutonia-Kapitän Dino Fazlic gegen Eintracht-Angreifer Philipp Müller.

Foto: noveski.com

Eintracht Norderstedt unterliegt dem FC Teutonia 05 mit 0:2. Ein verheerender Torwartfehler leitet die Niederlage ein.

Norderstedt.  Was für ein Kon­trast: Während die Regionalliga-Fußballer von Eintracht Norderstedt mit hängenden Köpfen vom Rasen des Edmund-Plambeck-Stadions trotteten, nahm wenige Meter entfernt ihr früherer Mannschaftskollege die Glückwünsche der Fans des FC Teutonia 05 entgegen – und stellte sich freudestrahlend den Fragen der versammelten Reporterschar. Kurz zuvor hatte Mats Facklam, Mittelstürmer der Ottensener, im Halbfinale des Hamburger Lotto-Pokals alle Hoffnungen der Hausherren auf den Einzug ins Endspiel zerstört.

„Das war eine schöne Rückkehr an meine frühere Wirkungsstätte. Last-Minute-Tore mache ich gerne, vor allem gegen Norderstedt“, sagte Facklam, der in der Saison 2018/2019 für den Club von der Ochsenzoller Straße kickte. 85 Minuten lang war von ihm nicht einmal ein Hauch von Torgefahr ausgegangen. Doch dann war er zweimal zum richtigen Zeitpunkt zur Stelle. Und wurde in der Schlussphase der Partie zum Matchwinner.

Stefan Rakocevic patzt in der 85. Minute

Tatkräftige, wenn auch unfreiwillige Unterstützung erhielt er dabei von Eintracht-Keeper Stefan Rakocevic, der für den gerade erst von einer Corona-Infektion genesenen Lars Huxsohl zwischen den Pfosten stand. Rakocevic konnte eine harmlose Flanke von Tjorben Uphoff nicht festhalten. „Mir ist der Ball durch die Hänse gerutscht“, sagte der Schlussmann zerknirscht. Pech für ihn und seine entsetzten Teamkollegen: Mats Facklam hatte den verheerenden Patzer des Schlussmann geahnt und staubte ab. Damit nicht genug: Kurz darauf ließ der 1,96 Meter große Angreifer nach einem Zuspiel von Fabian Istefo mit einem satten Schuss aus 14 Metern unter die Latte das 0:2 folgen – die Entscheidung.

Eintracht-Trainer Jens Martens war restlos bedient. „Das haut richtig rein“, sagte der Fußballlehrer, „dieses Spiel war ein Spiegelbild der gesamten Saison. Die Jungs haben alles gegeben, sich dann aber mit einem individuellen Fehler um den Lohn der Arbeit gebracht.“

Nur eine gute Chance durch Philipp Müller

In der Tat hatte seine Mannschaft gegen phasenweise destruktive Teutonen bis zu den beiden Schlüsselszenen der Partie das Geschehen gut im Griff, ließ in der Defensive nichts anbrennen. Das entscheidende Manko: Im Spiel nach vorn lief, bis auf eine Großchance für Philipp Müller in der 6. Minute, nur wenig zusammen. Goalgetter Jan Lüneburg wurde immer wieder gesucht, aber nicht gefunden.

Mittelfeldakteur Jonas Behounek: „Bis kurz vor dem Ende war es ein Spiel auf Augenhöhe mit leichten Vorteilen für uns. Ich hatte nie das Gefühl, das wir dieses Match verlieren können. Aber uns hat im Angriff wie so oft in dieser Serie der entscheidende Punch gefehlt. Und dann hat der Gegner aus einer halben Chance den Führungstreffer gemacht. Das ist bitter, gehört aber zum Fußball dazu.“

Somit wird am Sonnabend, 21. Mai, im Stadion Hoheluft am Lokstedter Steindamm nur ein Norderstedter im Finale des Cupwettbewerbs gegen Altona 93 stehen: Jan-Philipp Rose, seit der Trennung von Chefcoach Dietmar Hirsch Interimstrainer des FC Teutonia 05, wohnt im Stadtteil Harksheide und absolvierte zwischen 2012 und 2019 insgesamt 179 Pflichtspiele für die Eintracht.

Jan-Philipp Rose triumphiert über seinen Ex-Club

Nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Kevin Rosin (SV Lieth) ließ „Rosi“, der nun vom ersten Titel als Trainer träumen darf, seinen Emotionen freien Lauf, sank auf die Knie, reckte die Fäuste triumphierend in den Abendhimmel.

Sein Schachzug, Marcus Coffie von der Innen- auf die Außenverteidigerposition zu beordern, um dort den dribbelstarken Elias Saad zu bremsen, und stattdessen Tjorben Uphoff gegen Jan Lüneburg zu stellen, war voll aufgegangen. Und auch die sehr defensive Grundausrichtung seiner Truppe war letztendlich von Erfolg gekrönt. „Wir wollten erst mal sicher stehen, wollten keinen Fehler machen. Und am Ende ist es ja auch ein Zeichen von Qualität, wenn man gegen eine Mannschaft wie Eintracht Norderstedt kaum etwas zulässt und mit zwei späten Tore den Sack zumacht. Ich bin mega-stolz, dass wir das Finale erreicht haben.“

Eintracht Norderstedt – FC Teutonia 05 0:2 (0:0). – Schiedsrichter: Kevin Rosin (SV Lieth). – Zuschauer: 800. – Tore: 0:1, 0:2 Mats Facklam (85./89.).

Eintracht: Rakocevic – Marxen, Nuxoll, Grau, Kummerfeld (83. Hölscher) – Behounek – Choi (81. Denis), Müller (65. Hoppe), Williams, Saad – Lüneburg.

Teutonia: Schuchardt – Coffie, Uphoff, Weissmann, Kolgeci – Fazlic (62. Andrijanic), Varela Monteiro (76. Fernandes) – Düzel, Istefo, Parduhn (62. Kelbel) – Facklam.

An diesem Sonntag hat Eintracht Norderstedt in der Regionalliga-Abstiegsrunde den Hannoverschen SC zu Gast. Anpfiff im Edmund-Plambeck-Stadion ist um 14 Uhr.

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