Norderstedt

Internationaler Sport zu Gast in der Stadt

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Christopher Herbst
Große Freude über den Zuschlag – im Hintergrund die Werkstätten-Sportler (von links) Franz Bechler, Leenke Rehfeld, Valentina Beck, Carsten Fröck, Christian Schlaikier und René Selent. Im Vordergrund (von links): Trainerin Maike Rotermund, die auch 2. Vorsitzende des inklusiven Sportvereins Norderstedt ist, Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder, die Inklusionsbeauftragte Valentina Müller sowie Sozialdezernentin, Katrin Schmieder.

Große Freude über den Zuschlag – im Hintergrund die Werkstätten-Sportler (von links) Franz Bechler, Leenke Rehfeld, Valentina Beck, Carsten Fröck, Christian Schlaikier und René Selent. Im Vordergrund (von links): Trainerin Maike Rotermund, die auch 2. Vorsitzende des inklusiven Sportvereins Norderstedt ist, Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder, die Inklusionsbeauftragte Valentina Müller sowie Sozialdezernentin, Katrin Schmieder.

Foto: Stadt Norderstedt

Norderstedt ist als eine von 216 Kommunen 2023 „Host Town“ für die Weltspiele der Special Olympics für Menschen mit geistiger Behinderung.

Norderstedt.  So etwas gab es in der Stadt noch nie: Norderstedt wird im Jahr 2023 eine wichtige Rolle spielen bei den Special Olympics World Games für Menschen mit geistiger Behinderung. Diese internationaler Spitzenwettbewerb findet zwar nicht hier, sondern in Berlin statt. Aber zum Konzept gehört explizit, dass überall in der Bundesrepublik Menschen, Städte und Kommunen teilhaben sollen. Eben auch im Sinne der weitreichenden Inklusion. Und so hat Norderstedt vom Organisationskomitee der Special Olympics Deutschland (SOD) den Zuschlag erhalten, „Host Town“ zu werden.

Davon wird es 216 geben. Aus Schleswig-Holstein sind auch Kiel, Lübeck, Schleswig sowie der Kreis Stormarn dabei. Sie werden ihrerseits jeweils Gastgeber sein für die Athletinnen und Athleten sowie deren Angehörige. Das betrifft den Zeitraum vom 12. bis 15. Juni, also unmittelbar vor den World Games, die vom 17. bis 25. stattfinden werden.

Roeder: „Wir bringen vieles voran“

„Wir freuen uns sehr, dass unsere Stadt Gastgeber für Athletinnen und Athleten aus aller Welt sein darf“, sagt Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder. „Die Entscheidung des SOD bestätigt einmal mehr, dass das Wort Inklusion in Norderstedt nicht einfach nur ein Lippenbekenntnis ist. Ganz im Gegenteil: Wir bringen in unserer Stadt vieles voran, um den Menschen mit Beeinträchtigung ein möglichst barrierearmes Leben zu ermöglichen und auch dafür zu sorgen, dass sie den Respekt bekommen, den jeder Mensch verdient.“

Dazu gehöre die enge Zusammenarbeit mit Partnerverbänden und Vereinen. So wie dem ISN. Der Inklusive Sportverein Norderstedt wurde aus den Norderstedter Werkstätten heraus gegründet. Hier machen Menschen zusammen Sport, und zwar mit oder ohne Behinderung. Generell gehören die Aktiven des ISN sowie der Werkstätten zu den erfolgreichsten der Stadt, haben unzählige nationale und internationale Medaillen gesammelt, sind also auch Botschafter Norderstedts. Trainerin Maike Rotermund, die auch zweite Vorsitzende des Vereins ist, dürfte aller Voraussicht nach mit einigen Sportlerinnen und Sportlern 2023 in Berlin teilnehmen.

Konzept soll „regionale Besonderheiten“ zeigen

Dass Norderstedt nun „Host Town“ werde, dazu die Weltspiele in Berlin seien, damit gehe ein „Traum in Erfüllung“, so Rotermund. „Was die Bewerbung für die Olympischen Spiele in Deutschland nicht geschafft hat, schaffen die Special Olympics: Deutschland wird olympisch! Als Gastgebende werden wir den Gästen aus anderen Nationen unser Land, unsere Stadt und die Menschen hier bestmöglich präsentieren.“

Was Norderstedt bieten soll? Das offizielle Programm zu den Gastgeber-Kommunen besagt, dass diese die Vielfältigkeit Deutschlands zeigen sollen, die „regionalen Besonderheiten und Einzigartigkeiten der Bundesländer“. Christiane Krajewski, die Präsidentin von Special Olympics Deutschland, sagt: „Das Programm zielt auf die Etablierung inklusiver Strukturen und auf selbstbestimmte Teilhabe vor Ort. Damit ist es Ausdruck unserer ganzheitlichen Strategie, über den Sport hinaus die Lebenswelten von Menschen mit geistiger Behinderung und deren Wahrnehmung in der Gesellschaft im Blick zu haben.“

Initiativen, Projekte, Kooperationen mit Schulen, Vereinen, Kultureinrichtungen oder Werkstätten, all das solle das Land voranbringen. Die Special Olympics wollen „neue Maßstäbe in der Gesellschaft setzen“, was aktive Mitwirkung und Teilhabe betrifft. Den Ausschlag für die 216 „Host Towns“ wie eben Norderstedt hätten die Konzepte ergeben, auch praktische Gründe, also die Reisezeiten und -wege hätten eine Rolle gespielt.

„Inklusion kann nicht von der Bundesebene verordnet“, so benennt es Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung. „Wirklich gelebt wird Inklusion in den Städten, Gemeinden und Landkreisen. Sie findet genau dort statt, wo Menschen zusammenleben. Ob dauerhaft oder nur auf Zeit, wie im Host Town Program. Wichtig ist, dass die ausgewählten Kommunen die Chance nutzen, inklusive Strukturen dauerhaft vor Ort zu etablieren.“ Indirekt wird der Ball damit wieder nach Norderstedt gespielt. Und zur hiesigen Inklusionsbeauftragten Valentina Müller. Sie verspricht: „Als Host Town werden wir nicht nur die Gäste der Spiele 2023 hier in Norderstedt begrüßen und betreuen, wir werden dazu beitragen, dass Inklusion gelebt und dadurch gesellschaftlich akzeptiert und verankert wird.“

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