Norderstedt

Der Wettkampfkalender für 2022 füllt sich

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Annabell Behrmann
René Selent probt mit dem Minispeer: Die Leichtathletik-Disziplinen gehören zu den Stärken der Werkstätten-Sportler.

René Selent probt mit dem Minispeer: Die Leichtathletik-Disziplinen gehören zu den Stärken der Werkstätten-Sportler.

Foto: Annabell Behrmann

Landesspiele und nationale Spiele der Special Olympics, sogar Segeln: Der Inklusive Sportverein Norderstedt hat in diesem Jahr viel vor.

Norderstedt.  Die vergangenen zwei Jahre mussten die Sportlerinnen und Sportler der Norderstedter Werkstätten und des Inklusiven Sportvereins Norderstedt (ISN) auf etliche Wettkämpfe verzichten. Die Veranstaltungen wurden reihenweise abgesagt, Hallen gesperrt. Teils monatelang konnten die Athleten mit geistiger Behinderung nicht ihren geliebten und für sie so wichtigen Sport ausüben. Das soll sich in diesem Jahr wieder ändern. 2022 sind zahlreiche Wettbewerbe geplant. Trainerin Maike Rotermund gibt sich optimistisch, dass sie dieses Mal stattfinden können. „Die Voraussetzungen sind besser. Wir hoffen, dass durch die Impfungen wieder mehr möglich ist“, sagt Rotermund. „Ich wünsche es mir für die Sportler sehr.“

Die Special Olympics Landesspiele in Kiel wurden vergangenes Jahr gleich zweimal verschoben – nun sollen sie endlich vom 25. bis 28. Mai in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt ausgetragen werden. Rotermund reist mit 25 Sportlerinnen und Sportlern der Werkstätten an, die in den Disziplinen Leichtathletik, Tischtennis und Schwimmen antreten. Normalerweise hätten sich die Athleten beim Regionalwettbewerb in Kiel für die Nationalen Spiele in Berlin qualifizieren können – doch zeitlich liegen die beiden Veranstaltungen wegen der Verschiebung nun zu dicht beieinander. Deswegen geht es in Kiel vor allem um Spaß und das gemeinsame Erlebnis.

Die Qualifikation für Berlin erfolgt stattdessen durch ein Quotensystem, wie Maike Rotermund erklärt. In Schleswig-Holstein wurden die verfügbaren Startplätze auf die verschiedenen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung aufgeteilt. Von den Norderstedter Werkstätten dürfen alle 16 Sportler dabei sein. „Sie haben um die Teilnahme sehr gezittert. Für alle geht ein großer Traum in Erfüllung“, sagt Rotermund.

2022 und 2023 finden die Jahreshighlights in Berlin statt

Die Nationalen Spiele der Special Olympics finden vom 19. bis 24. Juni in Berlin statt. Rund 4500 Sportlerinnen und Sportler mit und ohne Beeinträchtigung nehmen an den Wettkämpfen teil. Auch Athleten aus dem Ausland werden zu Gast sein. „Diese Veranstaltung ist der Höhepunkt des Jahres“, sagt Rotermund. Die Norderstedter sind in den Disziplinen Leichtathletik, Radsport, Tennis und Triathlon vertreten. Das Besondere: Über die Nationalen Spiele können sich die Teilnehmer für die Weltspiele qualifizieren.

Diese sind vom Stellenwert ähnlich gewichtet wie die Olympischen Spiele – nur eben für Menschen mit geistiger Behinderung. Die weltweit größte Sportveranstaltung der Special Olympics wird 2023 ebenfalls in Berlin ausgetragen. Vor vier Jahren waren die Spiele in Abu Dhabi zu Gast. Damals holte die Norderstedterin Valentina Beck die Goldmedaille mit der deutschen 4 x 100-Meter-Staffel.

Bereits im vergangenen Jahr haben die Werkstätten zusammen mit einer Kieler Segelschule ein neues Projekt gestartet. Zwölf Menschen mit Behinderung lernen derzeit in einer Theorieausbildung das Segeln – ab April geht es in die Boote. „Dann wird die Theorie in die Praxis umgesetzt“, sagt Maike Rotermund. Gesegelt wird in Unified Teams – ein behinderter steuert mit einem nicht behinderten Menschen gemeinsam das Segelboot. „Derzeit testen wir, wem das Segeln wirklich Spaß macht“, erklärt Rotermund. Wer dabei bleiben möchte, hat bei einem Anerkennungswettbewerb im September die Chance, sich auf dem Berliner Wannsee für die Weltsommerspiele 2023 zu qualifizieren.

Norderstedt will „Host Town“ für die Weltspiele sein

Ein weiteres Großprojekt: Norderstedt hat sich für das „Host Town Programm“ der Weltspiele als Gastgeberstadt beworben. Sollte die Stadt als eine von 170 Kommunen den Zuschlag erhalten, würde sie im Juni 2023 eine bis zu 80-köpfige Delegation aus dem Ausland für vier Tage beherbergen. Die Athletinnen und Athleten lernen auf diese Weise das Gastgeberland und seine Menschen besser kennen und können sich vor den Wettkämpfen in Berlin akklimatisieren und vorbereiten.

Für Norderstedt wäre es zudem eine große Chance, die bestehenden inklusiven Angebote und Strukturen weiter auszubauen. „Noch im Januar soll die Entscheidung fallen“, sagt Maike Rotermund. Genauer gesagt: Am kommenden Mittwoch. Für die Trainerin und ihre Sportler wäre es ein weiterer Höhepunkt – nach zwei wettkampfarmen Jahren.

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