Tennis

Dragan Lukic ist zurück in Norderstedt

| Lesedauer: 7 Minuten
Karsten Jaeger
Dragan Lukic will sich Weihnachten entscheiden, wo er künftig als Trainer arbeiten wird. Ihm liegen mehrere interessante Angebote vor.

Dragan Lukic will sich Weihnachten entscheiden, wo er künftig als Trainer arbeiten wird. Ihm liegen mehrere interessante Angebote vor.

Foto: Maibom

Der Bosnier, der einst beim TSC Glashütte, TC Garstedt und TC Alsterquelle gearbeitet hat, wagt nach zwölf Jahren einen Neuanfang.

Norderstedt.  Schon wenige Tage nach seiner Rückkehr vom Balkan in die frühere Heimat, es muss so Ende September gewesen sein, betrat Dragan Lukic die Tennisanlage des TSC Glashütte. Beim Traditionsverein am Lemsahler Weg verbrachte der Bosnier von 1992 bis 1999 seine wohl schönste Zeit als Trainer.

Jetzt ist er zurückgekehrt. Zu den Wurzeln. Und nach Norderstedt. Der in Tuzla geborene Lukic hat seinen langjährigen Wohnort Podgorica, das ist die Hauptstadt Montenegros, verlassen und ist wieder in Deutschland. Hier lebte er seit 1987, in seiner Anfangszeit als Tennislehrer in Aalen im Osten Baden-Württembergs.

Zurück zu den Wurzeln

Im April 1992 ging es weiter nach Norderstedt. Dragan Lukic schloss Freundschaften in Henstedt-Ulzburg, wo er sich später beim TC Alsterquelle als Tennistrainer und auch als Spieler etablierte. Jetzt also der Neuanfang. Es ist eine lange Geschichte über mehr als ein Jahrzehnt mit vielen für ihn ganz unterschiedlichen Facetten und Erfahrungen.

Zufälligkeiten und Kuriositäten gehören zum Leben dazu. Ein Erlebnis der besonderen Art hatte unlängst der Autor dieses Berichts. Der traf in seinem ehemaligen Club TC Alsterquelle alte Tenniskumpels und fragte irgendwann in die Runde: „Hat eigentlich jemand etwas von Dragan Lukic gehört? Was ist aus ihm geworden? Wo lebt er? Es wäre doch super, ihn mal wieder zu treffen.“

Die Chance sollte sich bald bieten, schon sehr bald. Es gab tatsächlich ein Wiedersehen mit dem Mann, mit dem ich zu Beginn der 2000er-Jahre als – sagen wir mal – überdurchschnittlicher Freizeitspieler Doppelmatches in hohen Spielklassen bestreiten durfte. Mit einem Crack an meiner Seite, wie es zuvor in 40 Jahren nicht der Fall gewesen war.

Ein Freund hat per WhatsApp-Kontakt einen Treffpunkt im Glashütter Tennispark ausgemacht. Als ich die Anlage betrete, ist Dragan Lukic schon da. Er scheint sich nicht verändert zu haben, ich erkenne ihn aus weiterer Ferne. Wie er hinausblickt auf Platz sieben, auf dem er überwiegend Trainingsstunden gab. Seit zwölf Jahren haben wir uns nicht mehr gesehen.

Förderer des Tennissports in der Region

„Es ist verrückt, für mich warst du verschollen“, lasse ich ihn bei der freudigen Begrüßung wissen. Dass Dragan Lukic von der Bildfläche verschwunden war, kann man eigentlich nicht behaupten. Er war nur nicht mehr in deutschen Landen.

Alles hatte hier vor knapp 30 Jahren begonnen. Der damalige Mitdreißiger sollte die Förderung des weißen Sports in der Region später rund zwei Dekaden lang prägen. Der anerkannte Coach war nach seinem Weggang in Glashütte 1999 zunächst als Tennislehrer zum TC Garstedt weitergezogen, übernahm anschließend beim TC Alsterquelle eine neue Tätigkeit und bestritt als Aktiver Punktspiele an der Seite seiner Freunde Ralf Wollgast, Thorsten Motzkus, Kay Schmidt und Herwig Maurach.

Doch 2009 war es vorbei. Dragan Lukic trat beim TC Alsterquelle aus, weil es ihn nach Italien zog. Er hatte dort im Urlaub eine neue Liebe gefunden: Tanja, eine Montenegrinerin, die in Podgorica aufwuchs und in der Folgezeit in Brescia in der Lombardei arbeitete. Dort trafen sich die beiden erstmals; sie heirateten Ende 2009 und bekamen 2013 Sohn Nikola, der heute acht Jahre alt ist.

„Zwischenstopps“ in Montenegro und Italien

Lukic ist ein entschlussfähiger Mann, vor allem wenn es um Tennis geht: Von Brescia zum Gardasee sind es lediglich 66 Kilometer. Der Bosnier, der seit 1987 als Trainer arbeitet, schon als Knirps, der kaum über die Netzkante schauen konnte, auf dem Court stand und in den 1970er-Jahren einer der besten Herrenspieler im damaligen Jugoslawien war, arbeitete während der Frühjahrs- und Herbstsaison für einige Wochen in einer Tennisschule.

Von 2015 bis 2019 pendelte er mehr oder weniger regelmäßig von Montenegro zum Gardasee – knapp 2400 Kilometer sind das immerhin hin und zurück.

Eines Tages bekam Dragan Lukic das Angebot, in der gut laufenden Tennisschule Breakpoint im wunderschön gelegenen Bardolino einen Job anzunehmen. Was er damals nicht ahnte: Es sollte nicht mehr dazu kommen, Corona grätschte dazwischen.

Corona-Infektion im Dezember 2020

Mitte Dezember 2020 gab es für ihn einen dramatischen Einschnitt in seinem Leben. Lukic hatte seine Eltern in Bijeljina (Bosnien und Herzegowina) besucht – und wurde wenig später positiv auf das Sars-CoV-2-Virus getestet. Vermutlich hat er sich im Familienkreis angesteckt. „Ich war unheimlich schockiert, das war eine schlimme Zeit für mich“, berichtet er.

Besonders bitter: Er musste neun Tage lang im Krankenhaus bleiben, um eine beidseitige Lungenentzündung behandeln zu lassen, kämpfte zwischenzeitlich um sein Leben. „Heute geht es mir zum Glück wieder ganz gut“, sagt er, „ich fühle mich wesentlich besser als in Zeiten vor der Infektion.“

Gegenwärtig wohnt Dragan Lukic bei seiner Schwester Borka und seinem Schwager Ilija. Ab und zu trifft er sich mit seiner zweiten Schwester Branka und vor allem Sasa, dem 28 Jahre alten Sohn aus seiner ersten Ehe. Und er sucht eine Wohnung in der viertgrößten Stadt Schleswig-Holsteins. „Hier habe ich mich immer wohl gefühlt, Norderstedt ist so etwas wie meine zweite Heimat geworden.“

Der Bosnier hat bei der Jobsuche die Qual der Wahl

Seit seiner Rückkehr bemüht sich Lukic um einen neuen Trainerjob. Ihm liegen einige attraktive Angebote vor, nicht nur aus der Region, sondern aus ganz Deutschland. Es hat sich in Windeseile herumgesprochen, dass er auf dem Markt ist und zur Verfügung steht. Eine komfortable Situation, er hat gewissermaßen die Qual der Wahl. „Ich werde mich Weihnachten entscheiden, wo ich künftig arbeite“, sagt er.

Wenn er alle neuen Pläne in die Tat umsetzen und in gesicherter Position wieder Training geben kann, möchte Dragan Lukic auch seine Frau Tanja und Sohn Nikola nach Norderstedt holen. Vielleicht klappt es ja im Mai. Denn dann – das hoffen die Virologen – sollte die Pandemie etwas abgeflaut sein.

Falls es die aktuellen Corona-Regelungen zulassen, fliegt der Tennis-Routinier mit seiner Familie zwischen den Festtagen nach Bosnien, um endlich wieder die Eltern zu sehen. Zunächst aber feiert Dragan Lukic am 23. Dezember im engsten Kreis seinen 59. Geburtstag…

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport