FUSSBALL

Der SV Henstedt-Ulzburg stößt an seine Grenzen

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Christopher Herbst
Bei Standardsituationen offenbarte der Aufsteiger wiederholt große Schwächen – hier fällt nach einem Eckstoß das 1:4.

Bei Standardsituationen offenbarte der Aufsteiger wiederholt große Schwächen – hier fällt nach einem Eckstoß das 1:4.

Foto: Thomas Maibom

In der 2. Bundesliga sind die Fußballerinnen nach einem 2:5 gegen den FSV Gütersloh Tabellenletzte.

Henstedt-Ulzburg.  Ein paar Minuten war die Fußball-Welt am Schäferkampsweg in Ordnung. Vera Homp, Stürmerin des Zweitligisten SV Henstedt-Ulzburg, hatte früh (6.) mit einem eleganten Lupfer das 1:0 gegen den FSV Gütersloh erzielt. Allein in dieser Partie gegen ein Team mit Erstliga-Ambitionen zu punkten, wäre für die Aufsteigerinnen ein Bonus gewesen. Doch was letztlich blieb, war ein Frusterlebnis – 2:5 (1:3) hieß es aus Sicht des SVHU. Ein weiteres Mal wird die Leidensfähigkeit des Neulings auf die Probe gestellt.

Simple Fehler machen das große Engagement zunichte

Es sind die einfachen, die von außen betrachtet vermeidbaren Fehler, die wehtun. So wie von Celine Marquardt, die vor dem Ausgleich einen Rückpass genau in der Lauf der Gütersloherin Shpresa Aradini spielte. Oder die beiden Gegentreffer nach Ecken zum 1:3 und 1:4. Dass Vera Homp schließlich ein zweites Mal erfolgreich war, und das nach sehenswerter Einzelleistung, war lediglich das 2:5, die Niederlage da längst nicht mehr zu verhindern. „Wir haben es Gütersloh zu leicht gemacht. Es ist schwierig, gegen die Fehler anzuspielen, auch wenn wir mit der frühen Führung einen sehr guten Beginn hatten“, sagte Trainer Christian Jürss. Nicht zu kompensieren war auch die Rotsperre von Franziska Hilmer, die noch für eine weitere Begegnung zusehen muss.

Allerdings wäre es zu simpel gedacht, dass sich in der 2. Frauen-Bundesliga ein Neuling mit den begrenzten finanziellen Möglichkeiten des SVHU eine kompakte Abwehr aus routinierten Spielerinnen zusammengestellt, die sich in Zweikämpfen kompromissloser behaupten, und auf Konter über die beiden schnellen Angreiferinnen Vera Homp und Indra Hahn setzt. So etwas gibt es eher nur im Herrenfußball. „Manchmal ist der Abstand zu groß“, sagt Coach Jürss – und meint damit nicht die taktische Ordnung auf dem Rasen, sondern zwischen den Clubs. „Die Bedingungen sind teilweise sehr unterschiedlich. Eine Mannschaft wie der FSV Gütersloh hat Ambitionen auf den Aufstieg, das hat man auch gesehen. Das war nicht das Spiel, wo man sagt, dass man sich etwas ausrechnet.“

Es sind ehrliche Worte. Doch Henstedt-Ulzburg ist derzeit mit nur zwei Siegen – bei acht Niederlagen – aus zehn Spielen Tabellenletzter. Angesprochen darauf, ob er eine Entwicklung sehe, antwortet Christian Jürss vorsichtig. Einen „gewissen Lerneffekt“ könne man sehen. „Aber so einfache Fehler wie gegen Gütersloh haben auch mit Qualität zu tun. Das bekommt man auch nicht ausgemerzt.“ Das Engagement wolle er seinen Spielerinnen aber nicht absprechen. „Die Mannschaft hat weiter gekämpft.“

Mehr bleibt ja auch nicht übrig. Über die Chancen auf den Ligaverbleib, generell über die Konstellation auf den unteren Plätzen möchte Christian Jürss nicht groß reden. „Aktuell muss man nicht auf die Tabelle schauen, sondern auf unsere Leistung. Damit haben wir mehr als zu tun.“

Bis zur Winterpause ist das Programm anspruchsvoll. Während das letzte November-Wochenende noch spielfrei sein wird, hat der SVHU anschließend am 5. Dezember (11 Uhr) wieder Heimrecht – und zwar gegen RasenBallsport Leipzig. „Soweit ich das weiß, sind die dort auch dem Nachwuchsleistungszentrum angegliedert. Da gehen wir als Außenseiter ins Spiel“, so Jürss.

Das wird am 12. Dezember auswärts beim Tabellenzweiten MSV Duisberg erst Recht der Fall sein. Und die abschließende Partie des Jahres ist wiederum am Schäferkampsweg – gegen die zweite Mannschaft des VfL Wolfsburg. Momentan ist diese auf Rang zwölf nur zwei Punkte vor Henstedt-Ulzburg. Gut möglich, dass dieses Aufeinandertreffen kurz vor Weihnachten ein Schlüsselspiel sein wird.

SV Henstedt-Ulzburg: Schippmann – Ehlers (72. Fuß), Knobloch, Ehrig, Profé (66. Behneke) – Krüger (66. Nagorny), Pawelec, Marquardt (80. Kunrath), Schulz – Hahn, Homp. Tore: 1:0 Vera Homp (6.), 1:1 Shpresa Aradini (12.), 1:2 Josefine Neß (25.), 1:3 Jacqueline Manteas (36.), 1:4 Ronja Leubner (55.), 1:5 Annalena Rieke (64.), 2:5 Vera Homp (75.). Zuschauer: 120.

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