Rasantes Hobby

Die Schlappers sind eine BMX-verrückte Familie

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Frank Best
Marcus, Louis, Kilian und Vivien Schlapper (v. l.) aus Norderstedt haben im heimischen Garten einen 30 Meter langen Hindernisparcours gebaut.

Marcus, Louis, Kilian und Vivien Schlapper (v. l.) aus Norderstedt haben im heimischen Garten einen 30 Meter langen Hindernisparcours gebaut.

Foto: Frank Best

Bei Mutter Vivien, Vater Marcus sowie den Söhnen Louis und Kilian dreht sich alles um die spektakuläre olympische Radsport-Variante.

Norderstedt. „Besonders toll am BMX-Race finde ich die Flugeinlagen“, sagt Louis Schlapper. Der Zwölfjährige genießt die Momente, wenn das Adrenalin durch den Körper schießt. Das gilt auch für seinen drei Jahre jüngeren Bruder Kilian. Doch der hat noch eine weitere Vorliebe. „Es ist mega-cool, wenn man ganz oben auf dem Siegertreppchen steht.“ Und dieses Gefühl kennt der Youngster schon ganz genau: Bei der Deutschen Meisterschaft der Boys 9/10 in Stuttgart holte er sich mit einem spektakulären Überholmanöver auf der Zielgeraden den Titel.

Das rasante Hobby der beiden Jungs, die im Norderstedter Stadtteil Garstedt wohnen, mit Unterstützung der Radsportgemeinschaft Hamburg für das TCI BMX Racing Team starten und von ihren Konkurrenten nur die Schlapper-Brothers genannt werden, ist viel mehr als nur ein Fun-Sport.

Kopf-an-Kopf-Rennen mit Crash-Potenzial

Wer Erfolg haben will, muss über Ausdauer, Geschicklichkeit sowie Wettkampfhärte verfügen. Und außerdem sehr mutig sein. Denn die Kopf-an-Kopf-Rennen, bei denen maximal acht Teilnehmer auf die für die Race-Disziplin charakteristischen Strecken mit Sprüngen, Steilkurven und Wellen gehen, sind nicht ungefährlich, haben ein erhebliches Crash-Potenzial. Das wurde vor Kurzem bei den Olympischen Spielen in Tokio deutlich, als den Fernsehzuschauern in aller Welt angesichts spektakulärer Unfälle einige Male der Atem stockte.

Doch Louis und Kilian Schlapper lieben das Risiko. Und sie haben sich mit Trainingsfleiß und Disziplin in ihren Altersklassen bis in die nationale Spitze vorgearbeitet. Dies ist auch ihren Eltern zu verdanken, die ebenfalls vom BMX-Virus infiziert sind und die talentierten Söhne unterstützen, wo und wann immer es geht.

Vater Marcus Schlapper saß als Jugendlicher ebenfalls auf dem Rad und kann demzufolge wertvolle Tipps geben. Mutter Vivien brachte Louis und Kilian 2017 erstmals mit dem BMX-Fahren in Berührung, als sie beide für einen Schnupperkursus anmeldete. Mittlerweile hat sie die Rolle der Chauffeurin übernommen und kutschiert das Duo drei bis viermal pro Woche zu den Übungseinheiten nach Farmsen. Die Anlage Neusurenland ist die einzigen Rennbahn in Hamburg.

Ein BMX-Rad aus Carbon kostet 3500 Euro

Die Brüder, deren 20-Zoll-Wettkampfräder aus Carbon pro Stück 3500 Euro kosten, haben allerdings noch eine weitere Trainingsmöglichkeit – und zwar im heimischen Garten. Um die frustrierende Zeit der Corona-Lockdowns ansatzweise zu überbrücken, baute die Familie dort mit Hilfe von Freunden einen etwa 30 Meter langen Hindernisparcours, der in der Szene Pumptrack genannt wird. „Das ist zwar Spielkram, war aber in den Monaten, als BMX-Race nicht stattfinden konnte, immerhin ein kleiner Lichtblick“, so Marcus Schlapper.

Und was sind die Pläne für das Jahr 2022? Da Louis und Kilian mit ihrem Team künftig wohl wieder an internationalen Veranstaltungen in Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Italien teilnehmen dürfen, ist die Anschaffung eines Wohnmobils geplant, um die Kosten der regelmäßigen Wochen­end-Trips ins Ausland in erträglichen Grenzen zu halten – die ideale Übernachtungsmöglichkeit für die BMX-verrückte Familie, inklusive der beiden Schäferhunde Lotta und Qara...

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