Kampfsport

Kodokans Ju-Jutsu-Asse im Goldrausch

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Frank Best
Das Quartett Lukas Zentgraf, Michelle Rockmann, Maxmilian Lüth und Marcel Said (v. l.) machte bei der EM reiche Beute.

Das Quartett Lukas Zentgraf, Michelle Rockmann, Maxmilian Lüth und Marcel Said (v. l.) machte bei der EM reiche Beute.

Foto: Kodokan

Die Schützlinge von Cheftrainer Stefan Jacobs gewinnen bei den Junioren-Europameisterschaften im hessischen Maintal drei Titel.

Norderstedt. Stefan Jacobs lag flach. Eine schwere Erkältung zwang den Chefcoach des Norderstedter Vereins für Selbstverteidigung und Kampfsport, Kodokan, ins Bett. So richtig zur Ruhe kam er dort allerdings nicht, denn zur gleichen Zeit liefen im hessischen Maintal die Junioren-Europameisterschaften im Ju-Jutsu – und der 60-Jährige verfolgte die Titelkämpfe trotz hartnäckigen Hustens und Schniefnase per Live-Stream.

Besonders aufmerksam schaute Jacobs hin, wenn einer seiner vier für die EM gemeldeten Schützlinge auf der Matte stand. Und das, was er sah, erfüllte ihn mit Freude und Stolz. Denn: Die Kodokaner räumten kräftig ab, holten drei der sechs deutschen Goldmedaillen und außerdem einmal Bronze.

Michelle Rockmanns zweiter großer Triumph

Michelle Rockmann (15), 2019 schon U-16-Weltmeisterin in der Kategorie bis 48 Kilogramm, siegte im Fighting-Wettbewerb der Altersklasse U 18 weiblich bis 52 Kilogramm. Nach Erfolgen in den Vorrundenkämpfen gegen Elena di Matteo aus Italien (Full Ippon) und Gwen van Poelgeest aus den Niederlanden sowie einem kampflosen Sieg gegen Ria-Alexia Panaitescu aus Rumänien stand sie im Finale ihrer Bundeskaderkollegin Khanim Bakhishova aus Hamburg gegenüber. Rockmann lag zu Beginn nach Punkten hinten, wurde dann aber immer stärker und entschied das Duell letztendlich dank einer Innensichel sowie einem Armstreckhebel.

Marcel Said (16/Fighting U 18 männlich bis 73 Kilogramm) schaltete zunächst den Rumänen Catalin-Gabriel Alexandru (11:8), Mikkel Gudjonsson aus Dänemark (50:0) und Filip Czupil aus Polen (23:5) aus und traf im Finale auf Brian Koot aus den Niederlanden. Kurz vor Ablauf der Kampfzeit schaffte er es, diesen mit einem Ausheber zu Boden zu bringen und mit Full Ippon zu gewinnen.

Im Fighting U 21 männlich bis 94 Kilogramm griffen gleich zwei Kodokan-Asse für Deutschland ins Geschehen ein: Während Maximilian Lüth (19) in der ersten Runde ein Freilos hatte, musste sich Lukas Zentgraf (20) nach umstrittenen Kampfrichterentscheidungen Krsto Radulovic aus Montenegro knapp mit 5:7 geschlagen geben. In der Trostrunde behauptete er sich gegen den Niederländer Max Schulenklopper (15:12) und sicherte sich dann im kleinen Finale mit einem 10:4-Erfolg gegen den Franzosen Killian le Cunff den dritten Platz.

Hüftfeger entscheidet Herzschlagfinale

Im Kampf um den EM-Titel traf Lüth auf Radulovic. Und die packende Auseinandersetzung wurde zum Herzschlagfinale. Nach Ablauf der regulären Kampfzeit herrschte Gleichstand – Verlängerung! Dort ging der technisch starke Montenegriner nach Punkten in Führung gehen. Doch fünf Sekunden vor Schluss gelang Maximilian Lüth der entscheidende Hüftfeger.

Stefan Jacobs sieht gleich mehrere Gründe für die grandiose Bilanz des Kodokan-Quartetts. „Michelle, Marcel, Lukas und Maximilian sind ungemein diszipliniert und fleißig. Sie tun alles, um erfolgreich zu sein, absolvieren im Monat bis zu 35 Übungsstunden.“ Dabei werden sie unterstützt von einem kompetenten Trainerteam: Zu diesem gehören neben Koordinator Jacobs die früheren U-21-Weltmeister Ashot Arustamian (Mentalcoach), Christian Birmele (Physiotherapie) und Leon Wehowsky (Bodentechniken), der auf Brazilian Jiu-Jitsu (Bodenkampf) spezialisierte Marco Göbel, Berit Jacobs (medizinische Betreuung), John Darboven (Basisarbeit) sowie die Judokas Dominik Falk und Jarek Brawata von TuRa Harksheide.

Kompetentes Team unterstützt die Aktiven

Trainerteam Übungsleiter und Aktive haben viel zu tun: Schließlich gilt es, Elemente aus dem Judo, Karate, Aikido, BJJ, Ringen und Kickboxen zu vermitteln und zu verinnerlichen. „Ju-Jutsu-Kämpfer dürfen im Prinzip alles machen, was erlaubt ist“, sagt Stefan Jacobs, „wir sind so etwas wie die Triathleten des Budosports.“

Bewährt hat sich die Kooperation mit dem Sportgymnasium Heidberg in Langenhorn. Und schon jetzt macht sich die Eröffnung des neuen Dojos am Exerzierplatz positiv bemerkbar. „Wir haben von morgens bis abends freien Zugang, das sind ausgezeichnete Rahmenbedingungen.“

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