Traumtor zum 1:1

Hasan Yilmaz’ später Schuss ins Glück

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Karsten Jaeger
Der Torschütze in Aktion: Hasan Yilmaz (l.), 20 Jahre alter Innenverteidiger des SV Todesfelde, ist vor dieser Saison vom USC Paloma zum aktuellen Tabellenzweiten der Oberliga Schleswig-Holstein gewechselt.

Der Torschütze in Aktion: Hasan Yilmaz (l.), 20 Jahre alter Innenverteidiger des SV Todesfelde, ist vor dieser Saison vom USC Paloma zum aktuellen Tabellenzweiten der Oberliga Schleswig-Holstein gewechselt.

Foto: Thomas Maibom

Oberliga-Fußballer des SV Todesfelde retten vor 665 Zuschauern in der Nachspielzeit ein Unentschieden gegen den SV Eichede.

Todesfelde.  Die Freude über den späten Ausgleich im Oberliga-Gipfeltreffen gegen den SV Eichede (1:1 in der Nachspielzeit) fiel bei den Oberliga-Fußballern des SV Todesfelde eher verhalten aus. Der SVT-Anhang samt Teamchef Sven Tramm und Coach Bastian Holdorf musste an Til Weidemann denken, der fünf Minuten vor dem Abpfiff bei einem Zweikampf schwer verletzt wurde. Der agile Außenstürmer erlitt eine schwere Knochenabsplitterung im rechten Fuß und wurde nach Spielende sofort ins Segeberger Krankenhaus gefahren, wo er vorsorglich auch die Nacht verbrachte.

Lange Zwangspause für Til Weidemann

Nach einer genauen Untersuchung am Montagmittag gab’s zum Glück die Entwarnung: Laut Ärztediagnose wird eine Operation nicht nötig sein, sechs bis zwölf Wochen wird Weidemann allerdings auf jeden Fall pausieren müssen.

Vorausgegangen waren in der Schlussphase der Spitzenpartie der Staffel Süd extreme Hektik auf dem Rasen und einige Unruhe unter den 665 Zuschauern im Joda-Park.

Nachdem zuvor zwei angebliche Strafstöße auf beiden Seiten nicht gegeben worden waren, kam es in der 85. Minute zu der folgenschweren Szene: Eichedes Fynn Rathjen rauschte heran, kam jedoch zu spät und holte Weidemann schwer von den Beinen. Der 22-Jährige schrie auf, worauf die Erregung bei den Gastgebern noch weiter wuchs. Rathjen entschuldigte sich und beteuerte, nicht absichtlich so hart zur Sache gegangen zu sein. Hingegen behaupteten nach dem Abpfiff nicht wenige Todesfelder, das Foul hätte die Grenze zur Körperverletzung erreicht.

Erst Unglücksrabe, dann Held

Bei den Gastgebern gab es einen Akteur, der selbst verhinderte, dass er zur tragischen Figur der Partie wurde. Hasan Yilmaz (20), der vor Saisonbeginn vom Hamburger Oberligisten USC Paloma zum SV Todesfelde kam, rettete mit einem sagenhaften Tor wenigstens das Unentschieden.

Zunächst begünstigte der talentierte Innenverteidiger mit einem missglückten Pass allerdings das 1:0 der Stormarner in der 57. Minute durch Tim Wittig. Die zweite Minute der Nachspielzeit war schließlich angebrochen, als der junge Türke den Spieß umdrehte und seinen Fauxpas wieder gutmachte. Der großgewachsene Abwehrrecke nahm eine Kopfballvorlage von Torjäger Morten Liebert direkt aus der Luft und drosch das Leder aus knapp 30 Metern mit dem Mut der Verzweiflung hoch ins Eck, unhaltbar für Eichedes Keeper Marcel Gevert.

„So ein Treffer gelingt ihm bestimmt nur alle 100 Spiele mal“, sagte SVT-Kapitän Luca Sixtus, „es war für uns die letzte Chance zum Ausgleich. Es freut mich sehr für Hasan, er ist ein feiner und produktiv spielender Junge. Vielleicht müsste er manchmal noch etwas weniger hektisch zu Werke gehen.“

Gipfeltreffen mit wenigen hochkarätigen Chancen

Insgesamt war es nicht die allgemein erwartete rassige Begegnung zweier Regionalliga-Aufstiegsanwärter. Beide Teams zeigten zwar Qualität und Reife in der Spielanlage, die Rivalen neutralisierten sich aber häufig mit ihren Aktionen. So kamen nur selten ein vernünftiger Spielfluss und vor allem hochkarätige Tormöglichkeiten zustande.

Das war schon in früheren Jahren häufig der Fall gewesen. Vier der vergangenen sieben Partien endeten 1:1, Todesfelde gewann zudem nur einmal, und zwar am 14. Juli 2018 zu Hause mit 1:0.

Duo bleibt gemeinsam an der Tabellenspitze

Beide Clubs können mit dem Unentschieden zufrieden sein. Mit jeweils zehn Zählern führen sie gemeinsam die Tabelle der Staffel Süd an (der SVE hat das bessere Torverhältnis), gefolgt vom FC Dornbreite Lübeck, gegen den die Truppe von Sven Tramm am Mittwoch, 29. September (19.30 Uhr), auf heimischem Platz antreten muss.

Der SV Todesfelde und der SV Eichede gelten nach wie vor als aussichtsreichste Bewerber der Region auf das Erreichen der Meisterrunde, die nach der ersten Saisonhälfte mit den jeweils vier besten Teams der Oberliga-Gruppen Nord und Süd besetzt sein wird. Wie bisher nimmt anschließend nur der am Ende erstplatzierte Verein an den Aufstiegsspielen zur Regionalliga Nord teil.

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