FUSSBALL

Eintracht Norderstedt tritt auf der Stelle

| Lesedauer: 4 Minuten
Christopher Herbst
Kangmin Choi war wie seine Teamkollegen glücklos im gegnerischen Strafraum.

Kangmin Choi war wie seine Teamkollegen glücklos im gegnerischen Strafraum.

Foto: Thomas Maibom

Regionalligist verpasst Heimsieg gegen Altona, klagt über den Schiedsrichter und verliert Philipp Koch für mindestens sechs Wochen.

Norderstedt. Wenn vor einem Spiel manche Zuschauer auf der Tribüne bereits über die Höhe eines Heimsieges witzeln, ist das im Fußball meist kein gutes Omen. Das 1:1 (1:0) von Eintracht Norderstedt gegen Altona 93, einen Kontrahenten, der seine ersten vier Regionalligapartien mit 1:13 Toren verloren hatte, war nicht eines vermeintlichen Favoriten würdig. „Unbefriedigend“, diese Vokabel fiel Trainer Jens Martens ein.

Im Vorfeld hatte er betont, dass er davon überzeugt sei, dass die Eintracht die „bessere Truppe“ habe. Auf dem Papier stimmt das wohl Position für Position, doch eine Garantie ist das eben nicht. Vielmehr zeigte das Derby, dass die Nordstaffel, die allgemein als die stärkere gilt, sportlich sehr ausgeglichen ist.

„Die erste Viertelstunde von uns war richtig gut, aber wir haben dann nach dem Tor nicht weitergemacht. Und Altona hat aufopferungsvoll gekämpft, die haben das richtig gut gemacht“, sagte Martens. Und vergaß kurzzeitig, dass Altona eigentlich schon nach vier Minuten in Führung hätte gehen können, der ehemalige Norderstedter Dominik Akyol jedoch freistehend vergab. Besser - und sehenswert – machte es Eintracht-Linksverteidiger Rico Bork mit einem satten Linksschuss nach einer Ecke. Der 26-Jährige trifft sehr selten, aber wenn, dann gerne auf diese Art.

Doch dass es nicht gelang, einen angeschlagenen Gegner, der zudem Geschwindigkeitsdefizite aufwies, zu kontrollieren, sollte zu bedenken geben. Vielmehr kombinierte der Außenseiter mehrfach gefällig, kam im Strafraum zum Abschluss – und hätte durchaus einen Handelfmeter bekommen können nach einem Vergehen des ungewohnt unkonzentrierten Hamajak Bojadgian (25.).

Schwere Knöchelverletzung bei Philipp Koch

Das war Glück für die Eintracht, die dafür in der zweiten Halbzeit einen bitteren Moment verdauen musste. Gerade einmal vier Minuten waren nach Wiederanpfiff gespielt, als Philipp Koch am eigenen Strafraum liegen blieb, seine Teamkollegen sofort um medizinische Hilfe riefen und kurz darauf das Signal gaben zur Auswechslung. Der zentrale defensive Mittelfeldmann kann normalerweise einstecken, doch diesmal war nichts zu machen. Später humpelte er zusammen mit Physiotherapeutin Vanessa Blunk aus dem Stadion. „Mir ist ein Gegner auf den rechten Knöchel gefallen. Es fühlt sich nicht gut an“, sagte er. Die Diagnose folgte am Donnerstagnachmittag: doppelter Bänderiss und Anriss der Syndesmose. Koch wird mindestens sechs Wochen ausfallen.

Frust über ausgebliebenen Elfmeterpfiff in der 92. Minute

Die Ordnung auf dem Feld war dahin. Und auch Schiedsrichter Christopher Horn (SSV Lunden) hatte seinen Anteil am Frust. Denn dass Altonas Innenverteidiger Hendrik Bombek vor seinem Kopfballtor zum 1:1 in der 70. Minute seinen Gegenspieler Fabian Grau zu Boden riss, war dem Referee keinen Pfiff wert. Der Ausgleich selbst war nicht unverdient, zumal Djavid Abdullatif eine Minute zuvor bereits die Unterkante der Latte getroffen hatte.

In der 92. Minute stand ein weiteres Mal der Schiedsrichter im Fokus. Elias Saad lief in den Strafraum, hart bedrängt von Gästeverteidiger André Wallenborn, er fiel – doch es gab keinen Strafstoß. „Es passt zur Linie des Schiedsrichters, der die 50-50-Duelle nicht gepfiffen hat. Saad hat sich eingehakt, ich falle über ihn drüber. Der Spieler hat vorher zweimal Elfmeter gefordert, wo er sich hat einfach fallen lassen. Vielleicht hat das der Schiedsrichter auch im Kopf gehabt“, sagte Wallenborn. Für Martens war die Sachlage klar, darin wurde er umso mehr bestärkt, als er sich die Szene auf Video anschaute. „Elias marschiert alleine auf den Torwart zu, wird dann runtergedrückt. Ich weiß nicht, wie man das anders sehen kann. Aber der Schiedsrichter hat sich nicht getraut, nachdem er so viele Dinge hat laufen lassen.“

Viel Zeit bleibt nicht, um all das aufzuarbeiten. Am Sonnabend (13.30 Uhr) steigt das Auswärtsspiel beim Titelfavoriten SC Weiche Flensburg 08. Übrigens ohne Felix Drinkuth, der – auch zur Verwunderung der Eintracht – dem Ligakonkurrenten in letzter Minute doch noch absagte. Sein neuer Verein ist der Nordost-Regionalligist Carl Zeiss Jena.

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