Konzept

Motorsportclub Kaltenkirchen setzt auf Inklusion

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Wolfgang Klietz
Torben Bröer, international erfolgreicher Handbiker, hat die Idee für den MSC Kaltenkirchen entworfen.

Torben Bröer, international erfolgreicher Handbiker, hat die Idee für den MSC Kaltenkirchen entworfen.

Foto: Torben Bröer

Potenzielles Gelände in Kaltenkirchen soll Gehandicapten die Teilhabe ermöglichen. Bürgerentscheid am 17. Oktober.

Kaltenkirchen. Mit einem bundesweit neuartigen Inklusionskonzept will der Motorsportclub Kaltenkirchen (MSC) die Bürger der Stadt dazu motivieren, beim Bürgerentscheid am 17. Oktober für das umstrittene Trainingsgelände im Stadtteil Moorkaten zu stimmen. Die Trainingsflächen sollen so gestaltet werden, dass auch Behinderte sie nutzen können. „Wir möchten deutlich darauf hinweisen, dass es in Kaltenkirchen keine Sportstätte oder außerschulischen Lernort gibt, die schon in der Konzipierung vollends auf die wechselnden Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen geplant wurde“, sagt Torben Bröer, der für den MSC das Konzept entwickelt hat.

Der querschnittsgelähmte Handbike-Fahrer aus Kaltenkirchen weiß, wovon er spricht. Mit dem Handbike ist er aktueller Weltrekordinhaber auf der Marathondistanz, belegte den vierten Platz bei den Paralympics in Peking und siegte zehn Mal bei den Deutschen Meisterschaften.

Bei der Realisierung sollen zahlreiche Partner mitarbeiten

Bei der Gestaltung für den Behindertensport will der MSC auch hauptamtliche Experten einbinden, um möglichst viele Sportler mit Handicap gewinnen zu können. Das Konzept, das in Kaltenkirchen entwickelt werden soll, kann auch überregional verwendet werden. „Selbstverständlich kann unsere Idee nur greifen, wenn wir ein passendes Gelände zur Verfügung haben und dort die benötigten Hilfsmittel wie barrierefreie WCs und Zuwegungen vorhanden sind“, sagt Bröer. „Dieses gibt es deutschlandweit noch nicht.“

Bei der Konzeption will der MSC unterschiedliche Partner gewinnen, zum Beispiel die Kaltenkirchener Lebenshilfe, den Verein Regenbogen und die Segeberger Werkstätten sowie die Unfallklinik in Hamburg-Boberg, Arbeitsgruppen und potenzielle Sportler mit unterschiedlichen Krankheitsbildern. Offroadsport helfe bei vielen Krankheiten, zum Beispiel beim Muskelaufbau, durch soziale Kontakte und durch die Integration in die „Motorsportfamilie“.

„Dadurch wird es dem Verein zusammen mit einem qualifizierten Trainer und Kompetenzpartnern möglich sein, Menschen mit Behinderung die Möglichkeit zu bieten, sich durch die Teilnahme an dem Motorsport ein Stück Lebensqualität, Normalität und Spaß zu erfahren und damit das Selbstbewusstsein zu stärken“, sagt Bröer. „Hier hat der MSC Kaltenkirchen zum jetzigen Zeitpunkt mit der Symbiose von Behindertensport und Nachwuchsarbeit ein Alleinstellungsmerkmal, da schon jetzt kompetente Vereinsmitglieder und Partner mit langjähriger Erfahrung im Behindertensport in der Planung mitwirken.“ Ob der MSC dieses Konzept in Moorkaten umsetzen kann, hängt jedoch vom Bürgerentscheid am 17. Oktober ab. Mit Unterstützung der Wählergemeinschaft Pro Kaki hat die „Bürgerinitiative gegen die geplante Motocross-Großanlage der Stadt Kaltenkirchen“ (bgmg-kaki) den Urnengang durchgesetzt, mit der sie eine Entscheidung der Stadtvertretung aus dem Jahr 2019 kippen will. Damals hatte sich das Stadtparlament für das Trainingsgelände ausgesprochen, das Bestandteil des Entwicklungskonzepts für Sportstätten war.

Die Gegner fürchten jedoch Lärm und Umweltschäden, haben 1800 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt und den Entscheid initiiert. Vor wenigen Wochen hätte die Stadtvertretung den Urnengang noch verhindern können, wenn sie von der Planung aus dem Jahr 2019 abgerückt wäre, doch dafür fand sich keine Mehrheit.

Bürgerinitiative kritisiert Wahltermin in den Ferien

Umstritten ist inzwischen auch der Wahltermin. Die „bgmg-kaki“ fürchtet eine relativ geringe Wahlbeteiligung, weil dieser Wahlsonntag in Schleswig-Holstein letzter Ferientag ist. Pro Kaki konnte sich jedoch mit ihrem Antrag nicht durchsetzen, den Entscheid am selben Tag wie die Bundestagswahl – am 26. September – durchführen zu lassen.

In einem offenen Brief an Bürgermeister Hanno Krause kritisiert die Bürgerinitiative die Entscheidungen der Politik heftig. „Die Vertreter der Fraktionen, von CDU, FDP und AfD, die derzeitig scheinbar über die Mehrheit im Stadtrat verfügen, scheinen hier eine verfestigte Meinung zu haben und sehen den Bau der Moto-Cross-Strecke als ihr direktes Anliegen, das es mit allen Mitteln durchzudrücken gilt. Offenbar scheint die Funktion des Stadtrates als Vertreter der Interessen der Bürger und Bürgerinnen von Kaltenkirchen in Vergessenheit geraten zu sein“, heißt es. Der Unterzeichner Henning Röttger ruft Krause dazu auf, die „Mitglieder des Stadtrates an ihre Rolle als Vertreter der Bürgerinteressen zu erinnern.“

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