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Was macht eigentlich … Mike Eglseder?

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Mirko Schneider
Mike Eglseder bestritt in der Saison 2013/2014 unter Trainer Thomas Seeliger 31 Regionalliga-Spiele für Eintracht Norderstedt.

Mike Eglseder bestritt in der Saison 2013/2014 unter Trainer Thomas Seeliger 31 Regionalliga-Spiele für Eintracht Norderstedt.

Foto: Anne Pamperin

Er verließ Regionalligist Eintracht Norderstedt 2014 – sein Traum von einer Profikarriere hat sich bislang aber nicht erfüllt.

Norderstedt. Manche Träume erfüllen sich schnell. Manche entpuppen sich rasch als unrealistisch. Und wieder andere sind ein Lebensthema. Ständig sind sie greifbar. Doch trotz aller Anstrengungen fehlt ein kleines Stück zum großen Glück. Mike Eglseder (28) weiß nur allzu gut, wie sich die dritte Variante anfühlt.

„Ich bin glücklich, seit acht Jahren mit Fußball mein Geld zu verdienen. Leider ist mir der erhoffte Sprung ins Profilager bislang nicht gelungen. Das finde ich natürlich schade“, sagt Eglseder. Profilager – das hieße: mindestens 3. Liga.

Zwei Spielzeiten an der Ochsenzoller Straße

Beim Namen des Innenverteidigers, der mittlerweile in der Regionalliga Nordost beim 1. FC Lokomotive Leipzig kickt, merken die Fans von Eintracht Norderstedt auf. Denn in seinen beiden Spielzeiten an der Ochsenzoller Straße machte der 1,86 Meter große, in Brunsbüttel geborene Abwehrmann, von 2012 bis 2014 mächtig Eindruck.

In der Serie 2012/2013 stiegen die Garstedter mit Eglseder im Abwehrzen­trum aus der Oberliga Hamburg in die Regionalliga Nord auf. In der Saison 2013/2014 wurde er mit seinem Team Zehnter, brachte es auf 31 Einsätze und drei Tore.

„Als Mike 2012 vom FC St. Pauli II zu uns kam, wurde er als ,Bruder Leichtfuß‘ beurteilt. Es hieß, er mache auf hohem Niveau zu viele Fehler. Das Urteil war nicht falsch. Das lag daran, dass er für einen Abwehrspieler zu oft ins Risiko ging. Das habe ich ihm ruckzuck abgewöhnt“, erinnert sich sein damaliger Trainer Thomas Seeliger (54).

Staubsaugerqualitäten in der Defensive

Eglseder zahlte zurück und entfaltete imposante Staubsaugerqualitäten in der Defensive. „Mike war wahnsinnig schnell, kopfballstark, lief viele Bälle ab, als Innenverteidiger war er hinten eine Bank. Ein sehr guter Fußballer und menschlich ein Supertyp“, so Seeliger. Damals waren sich alle einig. Der Junge hat das Zeug zum Profi.

Der Wechsel zum 1. FC Union Berlin II in die Regionalliga Nordost erschien folgerichtig. Eglseder sollte an der Alten Försterei im zweiten Team spielen und bei den Zweitliga-Profis trainieren, um auf sich aufmerksam zu machen. So kam es auch. Doch zu einem Einsatz in der 2. Liga unter Coach Norbert Düwel reichte es nicht.

„Um bei Union in den Profikader reinzurutschen, hätte ich ein Quäntchen Glück gebraucht. Doch das hatte ich nicht“, erinnert sich Mike Eglseder. „Woran es ganz genau gelegen hat, dass ich es nicht in die 3. Liga geschafft habe, kann ich nicht sagen.“ Mit seinen weiteren Vereinen in den Regionalligen Nordost und Südwest (FC Viktoria 1899 Berlin, SV Babelsberg 03, SV Elversberg) spielte er ab und zu im erweiterten Favoritenkreis um den Aufstieg mit, ohne diesen realisieren zu können. Sein jetziger Club 1. FC Lokomotive Leipzig scheiterte drei Wochen vor Eglseders Verpflichtung unglücklich in zwei Relegationsspielen (1:1 und 2:2) wegen der Auswärtstorregelung am SC Verl.

In Leipzig fühlt sich Eglseder wohl

Seinen innigsten Wunsch will Eglseder aber nicht zu den Akten legen. „Ich gebe auf keinen Fall auf. Ich habe mit vielen Jungs zusammengespielt, die erst mit Mitte 30 den Sprung in die 3. Liga geschafft haben. Ich fühle mich noch lange nicht alt, bin als Spieler gereift. Außerdem macht mir der Verein Lok Leipzig richtig Spaß. Vor Corona kamen 3000 bis 4000 Fans zu den Heimspielen, im Derby gegen Chemie Leipzig bis zu 20.000.“

In Leipzig fühlt er sich extrem wohl. Sportlich will der Traditionsclub in der neuen Saison oben mitspielen. Eben deshalb hat Eglseder seinen Vertrag bis zum Sommer 2023 verlängert. Den Fans sprach er dabei aus der Seele. „Ich kann Lok doch nicht verlassen, ohne das Stadtderby gegen Chemie gewonnen zu haben“, wurde er in den Medien zitiert.

Blauäugig geht er dennoch nicht durchs Leben. Schon als Spieler des FC St. Pauli II absolvierte Eglseder eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik. Nun holt er die Fachholschulreife nach und will in einem Jahr ein duales Fernstudium beginnen.

Ein Ex-Eintracht-Spieler ist sein bester Freund

Privat hat Mike Eglseder sein Glück mit Freundin Miriam gefunden. Kontakt in den heimischen Norden hat er vor allem noch zu Eintracht Norderstedts früherem Außenverteidiger und jetzigem Co-Trainer des FC Teutonia 05, Jan-Philipp Rose (35.). „Rosi ist mein bester Freund, wir waren schon oft zusammen im Urlaub.“ Auch die Spiele seines Ex-Clubs verfolgt er weiterhin. „Die Eintracht war als junger Spieler wie eine Heimat für mich, ich wünsche dem Verein für die Zukunft nur das Beste.“

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