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SV Henstedt-Ulzburg erreicht das Achtelfinale

| Lesedauer: 4 Minuten
Jonas Altwein
Der 18 Jahre alte Mats Hülbert vom SV Henstedt-Ulzburg gehört zu den besten deutschen FIFA-21-Spielern.

Der 18 Jahre alte Mats Hülbert vom SV Henstedt-Ulzburg gehört zu den besten deutschen FIFA-21-Spielern.

Foto: Nils Göttsche

Mats Hülbert, Hendrik Alvensleben und Tom Hartmann ziehen sich bei ihrer Premiere im DFB-ePokal achtbar aus der Affäre.

Henstedt-Ulzburg.  Professioneller Trailer, lässige Anmoderation – und natürlich der Satz der Sätze: „Der DFB-ePokal hat seine eigenen Gesetze!“ Mit diesen Worten startete der Free-TV-Sender ProSieben Maxx eine dreistündige Übertragung der Finalspiele des größten virtuellen Fußballturniers Deutschlands. Auf der Playstation 4 und der Xbox trafen die besten FIFA-21-Spieler des Landes aufeinander. Oder anders gesagt: Professionelle E-Sportler mussten sich gegen noch unbekannte Amateure behaupten.

Eines gleich vorweg: Wie im realen Pokalwettbewerb, wo in der laufenden Saison etwa Regionalligist Rot-Weiß Essen den Euro-League-Anwärter Bayer Leverkusen ausgeschaltet hat, sollte es auch in dem Fußball-Simulationsspiel auf den Konsolen die eine oder andere Überraschung gegeben.

Offensive Ausrichtung wie Bayer 04 Leverkusen

Stichwort Leverkusen: Die Werkself hat es Mats Hülbert angetan. Auf der Playstation steuert der A-Jugend-Fußballer des SV Henstedt-Ulzburg am liebsten Karim Bellarabi, Moussa Diaby und Florian Wirtz über den Platz. „Bayer 04 passt am besten zu meiner offensiven Spielweise. Auf den Außenpositionen hat die Mannschaft schnelle Leute“, begründet Hülbert seine Wahl.

Während der Abiturient im wahren Leben als Innenverteidiger eher für das Toreverhindern zuständig ist, lässt es „Hülbi7“ in FIFA 21 gehörig krachen. Und der E-Sport-Kapitän der Henstedt-Ulzburger, der sein erst Anfang des Jahres gegründetes Team um die ebenfalls aus der SVHU-Fußballjugend stammenden Hendrik Alvensleben („Henno“) und Tom Hartmann („Wagoena“) auf Anhieb bis in die Hauptrunde des DFB-ePokals geführt hat, zeigte gleich zu Beginn des großen Final-Wochenendes eindrucksvoll, was er so drauf hat am Controller.

5:1-Erfolg in der Runde der letzten 32

In der Runde der letzten 32 wurde den Newcomern mit dem SSV Havelwinkel Warnau 2000 ebenfalls ein Amateurteam zugelost. „Ein machbarer Gegner. Wir sind leichter Favorit, haben etwas bessere Stats (Spiel-Statistik in FIFA 21, Anm. d. Red.)“, sagte Hülbert im Vorfeld der Veranstaltung. Und er sollte mit seiner Einschätzung recht behalten. Trotz eines leichten Handicaps – zwei Tage vor dem Turnier hatte sich der 18-Jährige beim Sport am Daumen verletzt – zeigte „Hülbi“ seinem Gegner klar die Grenzen auf. Selbst ein etwas nervöser Beginn und der 0:1-Rückstand in der 26. Minute brachte ihn nicht aus dem Konzept. Noch vor der Halbzeit kam Hülbert in Person von Bellarabi zum Ausgleich (31.) – und im zweiten Durchgang sorgten wieder Bellarabi (50.), ein Doppelpack von Bayer-Nachwuchsspieler Yannik Schlößer (54./75.) und Diaby (82.) für ein beeindruckendes 5:1 im Auftaktspiel der Best-of-Three-Serie.

„Das war wichtig, um gut reinzukommen“, sagte Hülbert zu seinen Teamkollegen, mit denen er über Headset in Verbindung stand. Das gesamte Auftreten der Henstedt-Ulzburger im DFB-ePokal teilte „Hülbi“ über das Video-Streaming-Portal „Twitch“. So konnte der neugierige Beobachter die Spiele am eigenen Bildschirm in voller Länge mitverfolgen und auch die positive Anspannung unter den drei SVHU-Protagonisten aufsaugen.

„Push dich“, „Nicht aufregen“, „Du bist besser“ – so versuchten sich „Hülbi“ und seine Mitstreiter immer wieder gegenseitig zu motivieren. Und diese Herangehensweise sollte Früchte tragen.

SV Grün-Weiß Großbeeren ist beim 1:7 zu stark

Ein 4:4 von „Wagona“, der mit dem FC Bayern München auf Union Berlin traf, und ein lockeres 3:0 von „Henno“ (Bayer 04 Leverkusen gegen FC Bayern München) sorgten in der Endabrechnung für ein souveränes 7:1 nach Punkten und den Einzug ins Achtelfinale des Wettbewerbs.

„Jungs, wir zählen zu den 16 besten Teams in Deutschland“, sagte Mats Hülbert – und konnte es wohl selbst noch nicht so richtig realisieren. „Wir haben jetzt nichts mehr zu verlieren.“ Gegen den Brandenburger Amateurclub
SV Grün-Weiß Großbeeren sollte die Erfolgsgeschichte im DFB-ePokal dann jedoch ein Ende finden. Mit ein wenig Pech, denn die SVHU-Akteure scheiterten in ihren Partien mehrfach am Aluminium. Unter dem Strich lautete der Endstand nach einem Remis (3:3) und zwei Niederlagen (1:2 und 1:4) nicht unverdient 1:7.

„Wir sind zufrieden mit unserem Abschneiden, auch wenn vielleicht noch etwas mehr drin war“, resümierte Mats Hülbert nach dem großen Finale, in dessen Verlauf selbst hochkarätige Profi-Mannschaften wie RB Leipzig und der Werder Bremen aus der Virtual Bundesliga frühzeitig die Segel streichen mussten, „aber im kommenden Jahr greifen wir wieder an.“

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