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Was macht eigentlich … Jan-Marc Schneider?

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Mirko Schneider
Jan-Marc Schneider (l.) kämpft in dieser Saison mit dem SSV Jahn Regensburg um den Klassenerhalt in der 2. Liga.

Jan-Marc Schneider (l.) kämpft in dieser Saison mit dem SSV Jahn Regensburg um den Klassenerhalt in der 2. Liga.

Foto: Benedikt Köglmeier

Der Ex-Stürmer von Eintracht Norderstedt kickt nach einer ungewöhnlichen Karriere mittlerweile beim SSV Jahn Regensburg in der 2. Liga.

Norderstedt. Jan-Marc Schneiders Vertrag beim SSV Jahn Regensburg läuft aus. Doch der 27 Jahre alte Zweitliga-Profi gibt sich gelassen. „Ich konzentriere mich auf meine Leistung. Wir wollen den Klassenerhalt schaffen. Ich werde dafür alles geben. Wie es danach weitergeht, werden wir sehen“, sagt er. Bei anderen Profis könnte man diese Sätze als Floskeln abhaken. Bei Schneider nicht. Der Ex-Angreifer von Eintracht Norderstedt lebt seine Philosophie – und hat durch großen Beharrungswillen eine ungewöhnliche Karriere hingelegt.

Rückblende: In der Saison 2012/2013 dreht der gerade der U 19 entwachsene Angreifer bei der SV Blankenese so richtig auf. Am Saisonende stehen der Landesliga-Titel samt Oberliga-Aufstieg und das Erreichen des Oddset-Pokal-Halbfinales gegen den späteren Oberligameister FC Elmshorn, der nur mühsam mit 3:1 am Sülldorfer Kirchenweg gewinnt, auf der Habenseite.

Jan-Marc Schneider ist eine Attraktion. Er knipst fleißig, scheint eine Pferdelunge zu besitzen und ist wahnsinnig sprintstark. Die gegnerischen Abwehrreihen wirbelt das Talent in Serie durcheinander. Und längst steht Schneider bei Eintracht Norderstedt auf dem Zettel.

In der Saison 2013/2014 bei Eintracht Norderstedt

Die Verpflichtung durch den Aufsteiger in die Regionalliga Nord im Sommer 2013 bedeutet für ihn einen Sprung um zwei Klassen nach oben. Wohl auch deshalb kommt Schneider in 29 Partien in der Serie 2013/2014 nur auf vier Treffer und eine Vorlage. Keine überragenden Daten. Schneider blickt aber bis heute gern auf die Zeit bei der Eintracht zurück.

„Das war ein sehr positives Jahr für mich. Ich habe in meiner ersten Regionalliga-Saison im Herrenbereich einen wichtigen Entwicklungsschritt gemacht. Und es hat unheimlich Spaß gemacht.“ Gleichwohl sieht er damals zu wenig Perspektive für sich bei der Eintracht und wechselt nach der Saison zum Oberligisten SV Halstenbek-Rellingen, der im Sommer 2014 eine Kooperationsvereinbarung mit den Norderstedtern abschließt.

Knipser bei der SV Halstenbek-Rellingen

Für viele Beobachter ein Schritt zurück und der Beleg: Die Profikarriere kann Schneider abhaken. Denn wer es im heutigen Fußball nicht schnell nach oben schafft, der schafft es halt gar nicht mehr. „Es mag ja sein, dass einige Menschen das so gesehen haben. Ich benutze aber meinen eigenen Verstand und höre nur auf meine engsten Vertrauten. Ich wusste, der Schritt nach Halstenbek ist genau richtig. Wir hatten eine tolle Truppe, in der ich Verantwortung übernehmen und mich sportlich nach vorne entwickeln konnte. Und geknipst habe ich ja auch ganz gut“, so Jan-Marc Schneider. 28 Treffer in 25 Einsätzen erzielt er. 2015 folgt sein dritter Sommer-Wechsel hintereinander.

Schneider kehrt aber nicht zurück zur Eintracht, sondern entscheidet sich für den FC St. Pauli II. „Mir war klar, das ist meine Chance, mich zu beweisen und den Sprung zu den Profis zu schaffen. Also habe ich alles reingehauen. Ohne Joachim Philipkowsi hätte ich es aber nicht geschafft. Er ist ein Supertrainer. Körperlich, spielerisch und taktisch hat er mich auf ein ganz anderes Level gehoben.“

Den ersten Profi-Vertrag gibt’s 2017 am Millerntor

In den folgenden zwei Spielzeiten empfiehlt sich der Angreifer in 64 Einsätzen mit 23 Treffern und 17 Vorlagen für die erste Mannschaft der Kiez-Kicker. Und am 10. Mai 2017 stattet ihn der FC St. Pauli mit einem Profivertrag aus.

Sein erster Zweitliga-Treffer gelingt ihm am elften Spieltag als Einwechselspieler in der Partie beim SV Sandhausen. Sein 1:1 sichert den Punktgewinn. „Das werde ich niemals vergessen. Auch mein zweites Tor, das 2:0 beim 2:1 gegen den VfL Bochum bei einem Flutlichtspiel am Millerntor an einem Freitagabend, bleibt ein ganz großes Erlebnis für mich. Insgesamt hatte ich beim FC St. Pauli eine tolle Zeit. Für mich wurde dort der Fußballtraum jedes kleinen Jungen auf dem Bolzplatz wahr: vor einer riesigen Kulisse in einem tollen Stadion Fußball spielen zu dürfen.“

Verletzungspech in Regensburg

Doch auch wenn Jan-Marc Schneider seinem Naturell entsprechend wieder das Positive betont, so kann er sich beim FC St. Pauli nicht dauerhaft durchsetzen. Im Sommer 2019 zieht es ihn deshalb zum Zweitliga-Konkurrenten SSV Jahn Regensburg. Dort läuft es wechselhaft. Bislang hat er in 23 Spielen zweimal getroffen; er fiel wegen eines Risses des Syndesmosebandes im linken Sprunggelenk aber auch monatelang aus.

Mittlerweile ist er wieder fit. „Sportlich betrachtet gab es für mich in Regensburg Höhen und Tiefen. Im Verein und in der Mannschaft fühle ich mich sehr wohl. Die Integration wurde mir sehr leicht gemacht. Man merkt, welche Bedeutung der Jahn für die Menschen in der Stadt hat. Alle sind sehr freundlich und aufgeschlossen“, sagt Schneider. Und fügt lachend hinzu: „Beim Bäcker musste ich anfangs wegen des Dialektes zweimal nachfragen, weil ich nicht alles verstanden habe.“

Im jetzt anstehenden Endspurt der 2. Bundesliga will er sich zeigen. Und vielleicht knipst er in den kommenden Wochen ja wieder wie am Fließband. Es wäre nicht die erste Überraschung, für die Jan-Marc Schneider sorgt...

Zur Person

Jan-Marc Schneider (27) kickte in der Jugend bis zur U 17 beim Hamburger SV. In der U 15 absolvierte er ein Länderspiel für Deutschland.

Sein erster Verein im Erwachsenenbereich war die SV Blankenese, von der er 2013 zum Regionalliga-Aufsteiger Eintracht Norderstedt wechselte.

Für den Club von der Ochsenzoller Straße absolvierte der 1,78 Meter große Stürmer 29 Partien in der vierthöchsten deutschen Klasse, davon allerdings nur elf über die komplette Spielzeit.

Mit seinem Wechsel von der Eintracht zur SV Halstenbek-Rellingen im Sommer 2014 begann Jan-Marc Schneider ein Sportmanagement-Studium.

Nach dem Einstieg ins Profigeschäft ist er an die Fernuniversität Hagen gewechselt und führt dort sein Studium fort. Mittlerweile steht Schneider kurz vor dem Abschluss.

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