Hauptsache zu Fuss

2255 Kilometer auf Schusters Rappen

| Lesedauer: 4 Minuten
Anne Pamperin
Die Aktiven landwirtschaftlich interessierten Frauen (AliF) sammelten Schritte und Geld für das Norderstedter Frauenhaus, v. l.: Maike Wulf und Hündin Vroni, Dorle Oosting, Wienke Möckelmann, Dagmar Schümann, Daniela Studt und Hund Dean, Wiebke Gerdes und Martje. Vorne: Sonja Nickel.

Die Aktiven landwirtschaftlich interessierten Frauen (AliF) sammelten Schritte und Geld für das Norderstedter Frauenhaus, v. l.: Maike Wulf und Hündin Vroni, Dorle Oosting, Wienke Möckelmann, Dagmar Schümann, Daniela Studt und Hund Dean, Wiebke Gerdes und Martje. Vorne: Sonja Nickel.

Foto: Anne Pamperin

Die Aktiven landwirtschaftlich interessierte Frauen sammeln Schritte und Geld für das Norderstedter Frauenhaus – insgesamt 570 Euro.

Norderstedt.  Alleine fällt es vielen Menschen zurzeit schwer, sich aufzuraffen, die Sportschuhe anzuziehen und loszulegen. Wer am liebsten in einer Gruppe mit Gleichgesinnten aktiv ist, muss wegen der Corona-Pandemie Distanz wahren. Wer sich austauschen will, kann das oft nicht von Angesicht zu Angesicht tun, sondern beschränkt sich gezwungenermaßen aufs Telefonieren, schreibt Nachrichten via Smartphone oder greift auf digitale Portale zurück.

Mit dieser Problematik haben sich auch die Frauen von AliF, den Aktiven landwirtschaftlich interessierten Frauen, auseinandergesetzt. Die Gruppe, die aus rund 40 Personen besteht, gehört zum VlF, dem Verein landwirtschaftlicher Fachbildung Kaltenkirchen und Bad Segeberg. Die Frauen sind zwischen 20 und 55 Jahre alt, einige bewirtschaften gemeinsam mit ihren Ehemännern den eigenen Hof, andere sind in Berufen, beispielsweise als Lehrerin, tätig – entweder im Homeoffice, in der Schule oder am Arbeitsplatz im Büro.

Corona verhindert die sonst üblichen Aktivitäten

„Unter normalen Umständen treffen wir uns regelmäßig zu Aktivitäten, zum Beispiel Besichtigungen von landwirtschaftlichen Betrieben, Gesprächsrunden sowie Koch- und Backevents. Aber auch Weiterbildungsveranstaltungen zu Themen rund um Landwirtschaft und Natur, den Haushalt, die Gesundheit oder das Büro gehören in unser Repertoire“, sagt AliF-Sprecherin Dagmar Schümann. Aber das alles war in den vergangenen Monaten nicht möglich.

„Die Schnacktreffs können momentan nur digital stattfinden, sind aber zumindest ein kleiner Ersatz für die persönlichen Zusammenkünfte“, so Schümann. Und auch die Sportschuhe sind keineswegs im Schrank vermodert – im Gegenteil: Die Landfrauen suchten sich eine neue Herausforderung unter dem Motto „Auf Schusters Rappen“ und trafen sich virtuell zum Laufen.

21 Frauen schaffen im Schnitt mehr als 100 Kilometer

Dagmar Schümann: „Damit wurde das Interesse an gemeinsamer Aktivität nicht nur hochgehalten, sondern zum Teil sogar neu geweckt.“ In sechs Wochen sammelten 21 Frauen rund 2255 Kilometer, im Schnitt also rund 100 Kilometer pro Teilnehmerin. Es wurde gelaufen, gewalkt, gegangen, alleine, mit Partner oder mit Kinderwagen – die einzige Voraussetzung war, dass das Ganze per pedes stattfinden musste. Was zählte war die gemeinsame Bewegung. Und das auf Abstand.

Organisiert wurde die sechswöchige Aktion über eine Lauf-App, alle motivierten und animierten sich gegenseitig zum Weiterzumachen – und das „Wir-Gefühl“ wuchs mit jedem Kilometer. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt, auch wenn vor allem die Frauen, die einen Hof bewirtschaften, schon im Alltag nur selten die Füße hochlegen können. Doch die tägliche Arbeit auf dem Hof wurde nicht mitgezählt, obwohl dort sicher jede Menge Schritte zusammengekommen wären – zum Beispiel beim Abgehen der Weidezäune.

Lauf-App hilft bei der Organisation

„Ich habe mir für den Sport die Mittagszeit freigehalten“, sagt Maike Wulf, die bei ihren Walkingeinheiten regelmäßig von Hofhündin Vroni begleitet wurde. Ein Grund, um sich zu bewegen, fand sich immer. „Ich bin sogar Müll sammeln gegangen, um ein Ziel zu haben“, sagt Mitorganisatorin Dagmar Schümann, die so nicht nur etwas für ihre Fitness, sondern auch für die Umwelt tat.

Belohnt wurde der Einsatz der sportlichen Frauen vom Stammverein, dem VlF Segeberg/Kaltenkirchen. Dieser stellte für die absolvierten Kilometer 150 Euro zur Verfügung, die als Spende einem Verein oder einer Einrichtung im Kreis Segeberg dienen sollten. Die Teilnehmerinnen starteten zudem einen eigenen Aufruf und sammelten so weitere 420 Euro.

Über eine Wiederholung wird nachgedacht

„Die Entscheidung, wer die 570 Euro bekommen soll, fiel nahezu einstimmig auf das Frauenhaus in Norderstedt. Denn während es uns trotz aller Einschränkungen immer noch sehr gut geht, haben andere nicht so viel Glück. Viele Frauen erfahren in der Corona-Zeit häusliche Gewalt und suchen Hilfe in Frauenhäusern“, sagt Dagmar Schümann, die an eine Wiederholung der Aktion im kommenden Jahr denkt. „Jetzt hoffen wir aber erst einmal, dass wir im Sommer ein gemeinsames Grillen mit allen veranstalten können. Diese regelmäßigen Zusammenkünfte fehlen uns schon sehr.“

Wer bei den aktiven landwirtschaftlich interessierten Frauen mitmachen möchte, kann sich bei Wienke Möckelmann aus Nützen unter Telefon 04191/703 94 20 beziehungsweise per
E-Mail melden.

thowie4@web.de

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