Serie

Was macht eigentlich … Mario Sagasser?

| Lesedauer: 5 Minuten
Anne Pamperin
Mario Sagasser aus Henstedt-Ulzburg hat bislang 750 Marathonläufe absolviert, Ehefrau Doris 477. Dafür gehen pro Person bis zu fünf Paar Joggingschuhe im Jahr drauf.

Mario Sagasser aus Henstedt-Ulzburg hat bislang 750 Marathonläufe absolviert, Ehefrau Doris 477. Dafür gehen pro Person bis zu fünf Paar Joggingschuhe im Jahr drauf.

Foto: Anne Pamperin

Für den Henstedt-Ulzburger gilt das Motto des VW Käfers: Er läuft und läuft und läuft. Selbst Corona kann ihn nicht stoppen.

Henstedt-Ulzburg. Keine Veranstaltungen, kein Publikum, kein Applaus. Auch Marathonläufer – oder solche, die es noch werden wollen – müssen momentan Geduld haben. Die Ungewissheit, wann der nächste Wettbewerb stattfindet, führt dazu, dass eine optimale Vorbereitung kaum möglich ist. Wer für 2021 seine Premiere plant, hat es schwer. Denn welches Start- und Zieldatum soll bei einem Zehn-Wochen-Trainingsplan anvisiert werden?

Mario Sagasser hat es da wesentlich leichter. Er braucht keine Vorbereitung, denn für ihn sind Marathonläufe fast gleichbedeutend mit Training, so oft ist er unterwegs. Der 55-Jährige hat erst kürzlich seinen 750. Langstreckenlauf über 42,195 Kilometer absolviert.

Marathonläufe sind gleichbedeutend mit Training

Um in die Zählordnung des 100 Marathon Clubs Deutschland aufgenommen zu werden, müssen nur wenige Voraussetzungen erfüllt werden. „Es sind mindestens drei Teilnehmer erforderlich. Die Zeiten stoppt jeder selber. Diese sind zwar nicht bestenlistenfähig, aber darum geht es nicht. Wichtig ist, seiner Sammlung einen weiteren Marathon hinzugefügt zu haben“, sagt Mario Sagasser über seine Motivation und die der meisten Mitglieder des Vereins, dessen Vorsitzender er ist.

Bei den letzten offiziellen Marathons wurde sehr auf die entsprechenden Hygiene- und Abstandsregeln geachtet. Aber zurzeit sind solche Events mit mehreren 100 Teilnehmern wegen der Corona-Pandemie undenkbar. Bei den wenigen offiziellen Veranstaltungen sind keine Zuschauer vor Ort, und die Läuferinnen und Läufer treffen sich auch nicht. „Man startet zeitversetzt und sieht sich höchstens mal beim Überholen“, so Mario Sagasser. „Dass kein Publikum da ist, das einen anfeuert, stört mich nicht sonderlich.“

Bei denjenigen, die ab und zu oder vielleicht zum ersten Mal überhaupt einen Marathon laufen und von den Zuschauern gepusht werden, sieht das natürlich ein wenig anders aus. „Für diese Aktiven sind die vielen Leute am Streckenrand motivierend.“

Die geplanten Sommer-Trips stehen auf der Kippe

Was Mario Sagasser und seine Frau Doris, die übrigens auch schon 477 Marathons erfolgreich absolviert hat, zurzeit am meisten vermissen, sind die Veranstaltungen in fremden Ländern. Eigentlich hatte das Ehepaar für den Sommer Trips nach Aruba, Nicaragua und El Salvador angedacht – natürlich verbunden mit sportlicher Betätigung vor Ort. Doch das erscheint zurzeit unwahrscheinlich. „Ich hätte kein Problem damit, mich in Quarantäne zu begeben“, sagt Mario Sagasser, „aber man kommt ja gar nicht von einem Land ins andere.“

Aktuell bleibt nur der Blick in die Vergangenheit. „Wir sind schon in so vielen verschiedenen Ländern gelaufen, haben dort tolle Menschen kennengelernt“, berichtet Mario Sagasser, der nicht nur die „normale“ Marathondistanz bewältigt, sondern auch immer wieder längere Strecken zurücklegt.

Trotz der vielen teilweise spektakulären Erlebnisse, die mit den Events rund um den Globus verbunden sind und waren, gibt es für den Diplom-Ingenieur ein Ereignis, das ihm besonders im Gedächtnis geblieben ist. „Mein sportlicher Höhepunkt war 2009 der Lauf von Athen nach Sparta. Das war der Ritterschlag für mich“, so Sagasser. Für die 246 Kilometer lange Strecke benötigte er 30 Stunden und 17 Minuten. Im Ziel ließ sich der Ultra-Marathoni vor der Statue des legendären Königs Leonides fotografieren und küsste anschließend auch den Fuß der steinernen Figur.

36-Stunden-Lauf mit 75 Checkpoints

„Dieser Lauf ist eine echte Herausforderung, bei der jeder Teilnehmer an seine eigenen Grenzen gehen muss. Es gibt ein Zeitlimit von 36 Stunden mit insgesamt 75 Checkpoints, die man rechtzeitig erreichen muss. Erschwerend kommt hinzu, dass man sich schlecht vorbereiten kann, da die Rahmenbedingungen unberechenbar sind. Man durchläuft verschiedene Wetterzonen. Wir hatten mehr als 30 Grad, aber es gab bei dieser Veranstaltung auch schon Regen und Orkanböen. Die Ausfallquote beträgt bis zu 75 Prozent.“

Das alles ist momentan aber nicht möglich. Jetzt heißt es: Zähne zusammenbeißen und abwarten. „Da müssen wir jetzt durch. Statt depressiv zu werden, sollte man aktiv sein, das ist das Wichtigste. Hauptsache, man ist in Bewegung, egal auf welche Art“, sagt Mario Sagasser, der ein wenig besorgt in die Zukunft schaut – vor allem hinsichtlich des Wohlbefindens der Kinder und Jugendlichen.

„Ich habe das Gefühl, dass 2020 während des ersten Lockdowns viel mehr Leute mit ihren Kindern draußen waren. Ich habe damals jede Menge Eltern gesehen, die mit ihren Sprösslingen gelaufen sind oder sich gegenseitig auf dem Rad begleitet haben. Das ist meinem Empfinden nach in diesem Frühling weniger geworden.“

„Für die Jugendlichen ist es aktuell wirklich hart“

Dass die älteren Generationen jetzt mal ein paar Monate lang zu Hause sitzen müssen, ist für ihn kein Problem. „Aber für die Jugendlichen ist es aktuell wirklich hart. Als wir zur Schule gingen, war das doch unsere wildeste Zeit. Da haben wir fünf Tage aufs Wochenende hingelebt und nur darüber nachgedacht, wo wir uns treffen, wer alles dabei ist und wie und ob wir nach Hause kommen“, erinnert sich der Vater von zwei Töchtern lachend.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport