Neues Modell

Für Golfer gilt jetzt das World Handicap System

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Frank Best
Es kann losgehen: Meike Schwinkendorf, Büroleiterin des GC Sülfeld, hat sich mit dem World Handicap System vertraut gemacht.

Es kann losgehen: Meike Schwinkendorf, Büroleiterin des GC Sülfeld, hat sich mit dem World Handicap System vertraut gemacht.

Foto: Frank Best

Aus sechs weltweiten Varianten zur Ermittlung der Spielstärke ist eine geworden. Sie soll gerechter als das bisherige Verfahren sein.

Norderstedt. Einheimische Golfer aller Spielstärken sollen sich im fairen Wettstreit vergleichen können. Um die Führung des Handicaps nach einheitlichen Regeln zu garantieren, aber auch international ein Fair Play um die Platzierungen in den Nettowertungen sicherzustellen, wurden deshalb aus sechs existierenden, teilweise sehr unterschiedlichen Systemen, die besten Aspekte übernommen und im von 2021 an weltweit gültigen World Handicap System vereinheitlicht.

Alte Regelungen entfallen, manches bleibt unverändert

Einige alte Regelungen entfallen im WHS, neue werden eingeführt, manches bleibt unverändert und orientiert sich am in Deutschland bislang bekannten EGA-System. In der Vergangenheit sind die Vorgaben bisher aufgrund von Stableford-Nettopunkten stetig fortgeschrieben worden. Es war also möglich, sich schrittweise zu verbessern.

In diesem Jahr wird ein neues Verfahren installiert. Das Stammblatt eines Spielers enthält im World Handicap System die jeweils letzten 20 vorgabenwirksamen Ergebnisse in chronologischer Reihenfolge. Aus den besten acht Resultaten wird ein Durchschnittswert, der sogenannte Handicap-Index, ermittelt. An erster Stelle der Liste steht immer das zuletzt erzielte Ergebnis, das älteste rutscht nach ganz unten.

Gleitender Durchschnitt ist dichter an der Spielstärke

Wolfgang Mych, Geschäftsführer des Gut Kaden Golf und Land Clubs in Alveslohe, begrüßt die Neuerung: „Mit dem gleitenden Durchschnitt ist man eindeutig dichter an der aktuellen Spielstärke dran als nach dem bisherigen Verfahren.“ Allzu negative Reaktionen nach Einführung des WHC befürchtet er nicht. Seine Begründung: „Die Bedeutung des Handicaps hat unter den Aktiven in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen.“

Mych hat beobachtet, dass für viele Golfer die Verbesserung des auf dem Mitgliederausweis vermerkten Handicap-Wertes eher nebensächlich ist, wenn sie an ihre Leistungsgrenze stoßen. „Diese Spieler müssten viel trainieren, um sich weiter zu steigern. Das wollen sie aber oft gar nicht. Für sie hat Priorität, dass sie mit ihrem Niveau auf jedem Platz ihrer Wahl spielen dürfen.“

Ein wenig Kritik im Zusammenhang mit der Einführung des World Handicap Systems äußert Wolfgang Mych dann allerdings doch – und zwar bezüglich der Konvertierung, also der Umrechnung der bisherigen EGA-Vorgaben auf das WHS. Denn für die Neubewertung wurden die vorgabenwirksamen Ergebnisse der letzten vier Jahre herangezogen.

Zahl der Irritationen hält sich in Grenzen

Für die meisten Spieler hat sich nicht viel geändert. Doch in einigen Fällen ist es zu einer deutlichen Verbesserung, in anderen zu einer Verschlechterung von bis zu zehn Schlägen gekommen – was bei den Betroffenen für Irritationen gesorgt hat. Mych: „Das hätte man sich sparen können, wenn die alten Handicaps eins zu eins übernommen worden wären.“

Und was ändert sich noch? Wer etwa nach einem grandiosen Turnier oder einer exzellenten vorgabenwirksamen Privatrunde eine Auskunft über seine aktuelle Spielstärke haben möchte, kann sich anschließend nicht mehr direkt vor Ort an die Damen und Herren in den Sekretariaten der Clubs wenden, sondern muss sich eine Nacht lang in Geduld üben. Der Grund: Eine spezielle Software muss den neuen Durchschnittswert erst noch berechnen.

Deutscher Golf Verband entlastet die Vereine

„Die Vereine sind in diesem Punkt komplett raus aus der Nummer“, sagt Meike Schwinkendorf, die Büroleiterin des Golfclubs Sülfeld, „wir werden bei Turnieren zwar weiterhin die Ergebnisse in unsere Rechner eingeben, und es werden auch Siegerehrungen stattfinden, sofern die Corona-Zahlen deutlich gesunken und Wettkämpfe wieder erlaubt sind. Aber nach der Umstellung auf das neue System haben wir mit den Handicaps nichts mehr zu tun – darum kümmert sich von nun an ausschließlich der Deutsche Golf Verband.“

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