Nächster Karriereschritt

Olufemi Smith will Fußballlehrer werden

| Lesedauer: 6 Minuten
Mirko Schneider
Olufemi Smith ist heiß auf die Fußballlehrer-Lizenz. Mit der nötigen Fachliteratur hat er sich schon mal versorgt.

Olufemi Smith ist heiß auf die Fußballlehrer-Lizenz. Mit der nötigen Fachliteratur hat er sich schon mal versorgt.

Foto: Anne Pamperin

Der 42-Jährige, der zusammen mit Jens Martens Eintracht Norderstedt coacht, kann sich wegen Corona aber noch nicht beim DFB bewerben.

Norderstedt.  Die Corona-Pandemie blockiert den Wettkampf um Punkte im Amateurfußball. Und es gibt einen Trainer, der außerdem auf den Wettkampf um die Lizenz des Fußballlehrers warten muss: Olufemi Smith (42) vom Regionalligisten Eintracht Norderstedt.

Normalerweise beginnt die Bewerbungsphase für den Fußballlehrer-Lehrgang des Deutschen Fußball-Bundes im Dezember, die elfmonatige Ausbildung im Juni darauf. Meistens bewerben sich etwa 100 Anwärter um 25 Plätze. Doch das Prozedere liegt wegen Corona auf Eis. „Das ist verständlich. Trotzdem bin ich heiß darauf, meine Lizenz als Fußballlehrer zu machen“, sagt Smith. Aber wenn er Pech hat, wird der Lehrgang in diesem Jahr ersatzlos gestrichen.

An seinem Fachwissen besteht kein Zweifel

Bewerben müsste sich A-Lizenz-Inhaber Smith in einem zweitägigen Verfahren an der Sportschule Hennef. Dass er dabei glänzen würde, davon darf man ausgehen; an seinem Fachwissen besteht kein Zweifel. Beim USC Paloma, seiner ersten Station als Cheftrainer, trat der frühere Stürmer des FC St. Pauli nach neunmonatiger Amtszeit zurück, das zerstrittene Team stieg am Saisonende ab. Aber trotz aller Kritik an Smith lobten damals viele Spieler sein hervorragendes Training.

Weiter ging es für den „Schlag-den-Raab-Gewinner“ von 2008, der in der Fernsehshow nach einer legendären Aufholjagd 2,5 Millionen Euro gewann, beim Oberligisten SC Condor. Zunächst wie zuvor schon bei Paloma als Co-Trainer, von Sommer 2018 an als Chefcoach. Fünf Monate später folgte Smiths stillose Entlassung nach einem 6:1-Sieg gegen den SC Concordia. Condor half das nicht, es ging runter in die Landesliga.

Lehrreiche Stationen beim USC Paloma und SC Condor

„Diese beiden Stationen waren unfassbar lehrreich für mich“, blickt Olufemi Smith zurück. „Bei Paloma würde ich heute andere Hebel bedienen, um eine solche Situation zu lösen. Wie es bei Condor gelaufen ist, das war schade. Das Trainerteam hatte die Ideen, um unten rauszukommen. Und ich glaube, wir hätten es geschafft.“

Vier Monate nach dem Rauswurf bei Condor holte Jens Martens (65) Smith am 9. April 2019 als Co-Trainer zu Eintracht Norderstedt. Die Garstedter steckten im Regionalliga-Abstiegskampf. Coach Dirk Heyne hatte Smith bereits für den kommenden Sommer als Assistent angeworben. Doch nun ging es um die Wurst. Heyne wurde entlassen, Martens trat als letzte Patrone von Clubchef Reenald Koch die Nachfolge an.

Die entwickelte auch deswegen eine immense Durchschlagskraft, weil Olufemi Smith, den auch Martens wollte, mit an Bord war. „Jens hatte mich schon als Spieler öfter zu seinen Clubs holen wollen. Das klappte nie. Nun sagte ich zu, weil ich der Überzeugung war, dass wir das packen können.“

Sie packten es. Dem Klassenerhalt 2019 folgte für Smith der Erwerb der A-Lizenz, wodurch er zum gleichberechtigten Trainer neben Fußballlehrer Jens Martens aufstieg. Die Regionalliga-Saison 2019/2020 hätte ohne Corona vermutlich das beste Ergebnis der Vereinsgeschichte gebracht. Ein dickes Trostpflaster war der Gewinn des Lotto-Pokals samt Qualifikation für den DFB-Pokal. Und auch in der Serie 2020/2021 spielte die Eintracht bis zum Lockdown im November oben mit.

Trainerduo teilt Tätigkeitsfelder auf

„Jens und ich haben uns die Tätigkeitsfelder gut aufgeteilt. Er fokussiert sich als Sportlehrer auf den athletischen und konditionellen Teil, auf die Fitness. Von ihm kommen die Einheiten, die dem Team nicht so viel Spaß machen“, sagt Smith lachend. „Der taktische Bereich, also Gegneranalyse, Ausrichtung und Spielidee, ist eher mein Steckenpferd.“

Martens wiederum lobt Smith in höchsten Tönen. „Femi ist wie ich ein bodenständiger Schleswig-Holsteiner. Unsere Wertvorstellungen stimmen überein. Er besitzt eine hervorragende Fußball-Kompetenz und ist extrem gut mit modernster Technik vertraut, die wir zur Trainingslehre einsetzen. Sei es die Videotechnik oder das Tracking-System. Da kann ich von ihm lernen. Die Spieler vertrauen ihm, er hat riesige Qualitäten sowohl als Mensch als auch als Trainer.“

Auch als Typen passen beide gut zusammen. Martens ist etwas autoritärer als der eher ruhige Smith, aber leidenschaftlich sind sie beide. „Wenn wir nicht zweimal am Tag über Fußball diskutieren, sorge ich mich, dass zwischen uns etwas nicht stimmt“, so Smith schmunzelnd. „Wir brennen für den Fußball, und für uns beide gilt: Wenn wir was machen, dann zu 100 Prozent.“

Das wird wohl auch in Zukunft so sein. Der Vertrag von Olufemi Smith bei der Eintracht läuft zwar aus, erste Signale bezüglich einer Vertragsverlängerung wurden aber bereits gesendet. „Wir haben hier alle gemeinsam großen Erfolg und viele Höhepunkte erlebt. Das wollen wir fortsetzen“, so Smith. Beruflich berät er Proficlubs bezüglich ihrer Jugendarbeit und Strukturen in den Nachwuchsleistungszentren.

Erste Signale für eine Vertragsverlängerung

Doch kann er auch ein guter Cheftrainer sein? Oder funktioniert er nur in einem gleichberechtigten Trainerteam oder als Assistent? Jens Martens gibt die Antwort: „Femi ist absolut cheftrainertauglich.“ Ob das stimmt, dürfte aber erst sichtbar werden, wenn Ex-Stürmer Smith zum dritten Mal einen Club als verantwortlicher Mann übernehmen wird. Dann, ausgestattet mit der Fußballlehrer-Lizenz, vielleicht sogar einen Verein aus dem Profibereich?

„Ich strebe nach dem Maximum und bin bereit, eine Menge zu investieren. Mir geht es darum, so professionell arbeiten zu können, wie es geht. Das ist aber auch in der Regionalliga möglich. So wie hier in Norderstedt mit unseren überragenden Rahmenbedingungen.“

Und dann macht Olufemi Smith lausbübisch einen letzten Scherz: „Wenn Vereine wie Juventus Turin oder Real Madrid morgen anrufen und mir ein Angebot machen, werde ich das natürlich annehmen.“

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