Sport im Lockdown

Tennisclubs kritisieren limitierte Öffnung

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Karsten Jaeger
Kai Hädicke-Schories, Vorsitzender des TC Garstedt, sagt, man werde die Halle für zwei Personen öffnen – aus Solidarität gegenüber anderen Vereinen.

Kai Hädicke-Schories, Vorsitzender des TC Garstedt, sagt, man werde die Halle für zwei Personen öffnen – aus Solidarität gegenüber anderen Vereinen.

Foto: Christopher Herbst

Gemäß der Corona-Landesverordnung dürfen zeitgleich nur zwei Personen eine Tennishalle nutzen. Für die Clubs ist nicht nachvollziehbar.

Norderstedt.  Kai Hädicke-Schories hat schlechte Nachrichten für die Clubmitglieder. Der Vorsitzende und sämtliche Tennisfreunde des TC Garstedt waren bis zu Beginn dieser Woche darauf fokussiert, dass der Spielbetrieb in der Zweifeld-Halle an der Ochsenzoller Straße wieder unter früheren Bedingungen hätte laufen können. Daraus wird zunächst nichts, und in seinem persönlichen Brief beschreibt Hädicke-Schories die aktuelle Situation folgendermaßen: „Wir können die Halle noch nicht wieder komplett öffnen. Wir waren alle schon wieder richtig heiß auf Tennis, und nun sowas. Habt bitte alle Geduld, auch wenn es schwerfällt.“

Abtrennwände bis zur Decke gelten als illusorisch

Worum geht es? Der Individualsport Tennis hätte eigentlich nach politischer Willenserklärung ab dem 1. März wieder möglich sein sollen. Die Aktiven waren davon ausgegangen, dass dann eben – wie schon im letzten Jahr – pro Platz zwei Personen gleichzeitig spielen könnten. Ein trügerischer Irrtum. Denn jede Halle gilt, so wird der entsprechende Paragraf 11 der Landesverordnung zur Bekämpfung des Coronavirus von allen Vereinen interpretiert, als ein Raum.

Das bedeutet für die 250 Quadratmeter große Tennishalle in Garstedt und alle weiteren Standorte in Schleswig-Holstein tatsächlich, dass sich dort zeitgleich nur zwei Personen aufhalten können. Ein Platz wäre dann besetzt, der andere vakant. „Ein äußerst deprimierendes Ergebnis und eine falsche Bewertung“, sagt Hädicke-Schories. „Wir können doch nicht Abtrennwände bis hoch zur Decke anbringen und alles abriegeln.“

Selten zuvor gab es im Tennissport in und um Norderstedt eine derart gereizte Stimmung. Es verwundert nicht, dass die Pandemie die Hauptschuld daran trägt. Der Lockdown zieht nicht nur unabsehbare Folgen für alle Bevölkerungsschichten nach sich, er verhindert in Schleswig-Holstein auch die Rückkehr zur Normalität im Freizeit-Tennis. Hädicke-Schories: „Wir haben bei einer telefonischen Sondervorstandssitzung alle Sichtweisen diskutiert, ob wir die Halle für nur zwei Personen öffnen sollten und haben uns schließlich dafür entschieden, auch als solidarische Geste gegenüber anderen Vereinen.“

Fehlende Buchungen – TaF erwartet fünfstelligen Verlust

Bei denen ist das Unverständnis nicht minder groß. Etwa beim TSC Glashütte, dem sogar drei Plätze zur Verfügung stünden, die nach jetziger Planung aber nur im Wochenwechsel vergeben werden – und das auf Grundlage der Hallen-Abonnements für die Wintersaison 2020/2021. „Es fehlen einem die Worte, was da entschieden wurde“, meint Dirk Backhaus, Vereinsboss des knapp 400 Mitglieder zählenden Clubs. „Was heißt denn eigentlich Tennis in einem Raum genau? Unsere Hygienemaßnahmen sind offensichtlich nicht die schlechtesten, denn seit dem 15. September hat es vom Gesundheitsamt noch keinerlei Anfragen über mögliche Infektionen auf der Anlage gegeben.“

Wie Dirk Backhaus und seine Vorstandskollegen ist auch Albert Klotz damit beschäftigt, die allgemeine Corona-Verwirrung zu entzerren. „Die Koordination der neu zu gestaltenden Hallenbelegungen ist stressig“, betont der Präsident des TC am Falkenberg. „Wir sitzen nur noch am Telefon und müssen die Leute beruhigen.“

Der TaF hatte im vergangenen Jahr seine neue Zweifeldhalle eingeweiht. Damit verbunden waren Hoffnungen auf einen florierenden Spielbetrieb, der nun ins Stocken gerät. „Wir werden wegen fehlender Hallenbuchungen vermutlich Verluste von rund 15.000 bis 20.000 Euro in Kauf nehmen müssen“, sagt Klotz, der zunächst Schülern und Jugendlichen Stunden gewährt und anschließend den Mitgliedern.

Mirko Schütte, Vorsitzender des TC an der Schirnau in Kaltenkirchen (240 Mitglieder), wirft den Verantwortlichen in Kiel Konzeptlosigkeit vor. Eine Hauruck-Aktion hätte zur jüngsten Verordnung geführt. „Vor allem die Kinder und Schüler leiden unter der Situation“, sagt Schütte. In Niedersachsen könne hingegen trotz höherer Inzidenzen gespielt werden. „Was macht es für einen Sinn, von Schleswig-Holstein eine Stunde hin und eine Stunde zurück zu fahren, um 60 Minuten Tennis zu spielen“, so Schütte. Ein weiteres Problem ist nicht nur in Kaltenkirchen die Energieverschwendung. Die Vierfeldhalle müsse beheizt werden, obwohl nur zwei Sportler in der Halle sind.

Eine Halle für zwei Sportler ist ökonomisch nicht vertretbar

Der TC Alsterquelle (300 Mitglieder) war in die Offensive gegangen, bevor überhaupt die Entscheidung durch das Land anstand. Seine Sicht der Dinge übermittelte der Vorstand dem Tennis- und Landesverband, ohne bisher Reaktionen erhalten zu haben, von einer Berücksichtigung ganz zu schweigen. „Eine Sporthalle wie unsere mit 2000 Kubikmeter Hallenvolumen nur für zwei Individualsportler zu öffnen, ist ökologisch und ökonomisch nicht vertretbar“, sagt Vorstandsmitglied Günter Spahn. „Bei uns könnten insgesamt acht Akteure mit jeweils sechs Meter Abstand zum nächsten Feld spielen.“

Darüber hinaus erfolge der Luftaustausch durch eine programmierte Be-und Entlüftungsanlage. Beim TCA scharen 100 Tenniskinder mit den Füßen, an Tennis ist aber wohl frühestens Mitte bis Ende April beim Start zur Freiluftsaison zu denken.

Vorerst gilt die Landesverordnung bis zur nächsten Woche, das heißt, es wird voraussichtlich am Freitag eine neue Fassung veröffentlicht. Die Tennisvereine hoffen parallel auf die heutige Ministerpräsidentenkonferenz und auf mögliche bundesweite Lockerungen, die auch ihrem Sport wieder mehr Freiheiten ermöglichen würden.

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