Saisonabbruch?

So reagieren die Vereinsvertreter auf die Frist des HFV

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Frank Best
Akktuell sind alle Fußballplätze in Hamburg und Umgebung wegen der Corona-Pandemie gesperrt.

Akktuell sind alle Fußballplätze in Hamburg und Umgebung wegen der Corona-Pandemie gesperrt.

Foto: Tim Groothuis / Witters

Der Hamburger Fußball-Verband hat festgelegt: Am 13. Februar muss die Kugel wieder rollen - ansonsten wird die Spielzeit annulliert.

Norderstedt. Als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 den Amateur- und Breitensport Schritt für Schritt zum Erliegen brachte, hielt sich der Hamburger Fußball-Verband mit öffentlichen Stellungnahmen bezüglich einer Fortführung des Spielbetriebs der Saison 2019/2020 lange zurück. Zum Verdruss von Aktiven und Vereinen, die sich über eine mangelhafte Kommunikation und fehlende Planungssicherheit beklagten.

Im Januar 2021 sind die Infektionszahlen deutlich höher als vor zehn Monaten, die von Bundes- und Landespolitikern beschlossenen Lockdown-Maßnahmen vergleichbar. Dafür geht der HFV diesmal sehr früh in die Offensive. Präsident Dirk Fischer hat die 401 Clubs, die im Großraum Hamburg um Punkte spielen, in einem offenen Brief darüber informiert, dass die Serie 2020/2021 annulliert wird, falls der Trainingsbetrieb bis spätestens 13. Februar nicht wieder aufgenommen werden kann.

Auf- und Absteiger würde es dann nicht geben. In der Saison 2021/2022 würden alle Teams dann von Juli an in denselben Staffeln wieder bei null beginnen. Als letztmöglichen Termin für einen Re-Start nennt Fischer das Wochenende 27./28. Februar.

„Leider müssen wir realisieren, dass die Inzidenzwerte nicht so rasch sinken, wie wir uns das erhofft haben“, begründet der HFV-Chef den Beschluss des Präsidiums, der für die insgesamt 3185 Mannschaften im Männer-, Frauen- und Juniorenbereich gilt. Und er ergänzt: „Unser Bestreben ist, dass wir alle, und vor allem unsere Mädchen und Jungs, schnellstmöglich wieder kicken können. Über allen Bemühungen steht aber auch die Verantwortung für die Gesundheit unserer Mitglieder.“

Die Entscheidung der Verantwortlichen stößt nicht nur auf Verständnis. Es gibt – angeführt von der Initiative „Praxis-Fußball“ – auch Kritik. Wie aber ist die Stimmungslage bei den Clubs aus Norderstedt und Umgebung, die ihre Mannschaften im Hamburger Verband gemeldet haben?

Reenald Koch, Präsident von Eintracht Norderstedt: „Ich halte die Ankündigung des Hamburger Fußball-Verbandes für verfrüht, aber wenn die HFV-Verantwortlichen dieser Meinung sind, dann ist das halt so. Unsere Regionalliga-Mannschaft ist –abgesehen vom Lotto-Pokal – davon eh nicht betroffen. Der Norddeutsche Fußball-Verband setzt sich am 27. Januar zusammen, um über die weitere Vorgehensweise zu beratschlagen. Ich gehe davon aus, dass wir weiterspielen werden.“

Jörg Schwarzer, Trainer der Landesliga-Fußballer von TuRa Harksheide: „Die Entscheidung des HFV kommt recht früh. Vielleicht liegt das ja daran, dass sich die Verantwortlichen bei der ersten Corona-Welle erst so spät geäußert haben. Dass wir am 13. Februar wieder mit regulärem Mannschaftstraining beginnen können, halte ich angesichts der aktuellen Situation für utopisch. Alle wissen, dass dieser Termin nicht zu halten ist. Und selbst, wenn es dann wieder losgehen könnte, wären zwei Wochen Vorbereitung bis zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs zu kurz, das Verletzungsrisiko für die Spieler zu hoch. Ich denke, es deutet alles auf einen Abbruch der Punktspielsaison hin, und so gibt es immerhin Planungssicherheit. Abzuwarten bleibt dann, wie mit den Pokalwettbewerben verfahren wird.“

Uwe Sals, Trainer des Kreisligisten SC Ellerau: „Es macht wenig Sinn, die Punktrunde so lange zu verlängern, bis eine Wertung der Ergebnisse möglich ist. Zurzeit kann doch niemand sagen, wie sich die Lage in den kommenden Wochen entwickelt. Ich bin dafür, die Saison abzubrechen und im Sommer komplett neu zu starten. Es wäre allerdings schön gewesen, wenn die HFV-Verantwortlichen vor ihrer Entscheidung noch einmal Kontakt zu den Vereinen aufgenommen hatten. Viel wichtiger als ein krampfartiger Spielbetrieb ist die soziale Komponente; dass man sich endlich wieder treffen und beim Sport zusammen Spaß haben kann. Das geht auch mit Freundschaftsspielen oder kleinen Turnierformen.“

Boris Thormählen, Co-Trainer der Bezirksliga-Fußballer des Glashütter SV: „Die Ansage des HFV überrascht mich nicht wirklich, aber wir machen uns eh nicht verrückt und nehmen die Dinge so, wie sie kommen. Wenn die aktuelle Saison abgebrochen werden sollte, wäre das nicht weiter dramatisch – wir hoffen dann auf halbwegs normale Verhältnisse in der kommenden Serie im Sommer mit mindestens sechs Wochen Vorbereitungszeit. Diese ist unbedingt erforderlich, weil sich die Spieler in den unteren Klassen nicht ständig fit halten.“

Steffen Liepold, Geschäftsführer des Norderstedter SV: „So hat sich der Hamburger Fußball-Verband wenigstens mal positioniert. Wir werden den Spielbetrieb in absehbarer Zeit wohl außen vorlassen müssen. Aber es wäre schon schön, wenn sich die Aktiven auch wegen des gesundheitlichen Aspekts möglichst bald wieder zum Training treffen dürfen. Mannschaftssport hat eine große Bedeutung für die Gesellschaft, er kann in schwierigen Zeiten ein großer Halt sein.“

Hardy Friedrichs, Fußball-Spartenleiter des SV Friedrichsgabe: „Ich gehe mit dem HFV konform, wir sollten die Punktspielsaison nicht mit Brachialgewalt durchziehen. Irgendwie war ja auch abzusehen, dass es so kommt. Auf Dauer hält doch kein Verein das ewige Hin und Her aus, und im Falle eines Abbruchs wissen wir wenigstens, woran wir sind.“

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