FUSSBALL

Sie sind harte Konkurrenten – aber auch gute Freunde

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Mirko Schneider
Lars Huxsohl (23) wurde in der Jugend beim SV Meppen ausgebildet, war schon von 2016 bis 2018 in Norderstedt, verbrachte dann ein Jahr in den USA – und kehrte zurück.

Lars Huxsohl (23) wurde in der Jugend beim SV Meppen ausgebildet, war schon von 2016 bis 2018 in Norderstedt, verbrachte dann ein Jahr in den USA – und kehrte zurück.

Foto: Thomas Maibom

Lars Huxsohl und Stefan Rakocevic kämpfen darum, die Nummer eins bei Eintracht Norderstedt zu sein. Privat verstehen sich die Rivalen bestens.

Norderstedt.  Lars Huxsohl (24), Nummer eins des Fußball-Regionalligisten Eintracht Norderstedt, wirkt sehr aufgeräumt. „Stefan hat mir schon gesagt, dass du dich gleich bei mir meldest“, sagt er zum Reporter. Dabei ist das Gespräch mit der Nummer zwei der Garstedter, Stefan Rakocevic (21), erst wenige Minuten alt. Die kleine Episode verdeutlicht: Der Konkurrenzkampf im Kasten von Eintracht Norderstedt läuft anders ab als üblich. Oder zumindest anders, als es dem Klischee entspricht.

Norderstedts Torhüter teilen Liebe zum Fußball und Kaffee

Die Position des Torhüters in der Mannschaftssportart Fußball ist mehr als jede andere auch die eines Einzelkämpfers. Schon das andersfarbige Trikot im Vergleich zu den Teamkollegen symbolisiert das. Nur Torhüter dürfen ihre Hände benutzen. Nur Torhüter beschränken sich die meiste Zeit der 90 Minuten auf die Verteidigung der Spielfläche in ihrem Strafraum. Die Position im Team wechseln können sie nicht. Sie spielen – oder sind Bankdrücker. Deshalb sind Keeper in der Vorstellung vieler Fans erbitterte Rivalen, die sich durch ihre Gegnerschaft zu Höchstleistungen pushen. Genährt wurde diese Vorstellung durch berühmte Feindschaften wie die von Jens Lehmann und Oliver Kahn.

Huxsohl und Rakocevic können damit nichts anfangen. Sie sind miteinander befreundet. „Wir haben schon gemeinsam Filme und Fußball geguckt und miteinander gekocht“, sagt Rakocevic. „Bei uns gibt es keine Missgunst. Wir surfen auf derselben Wellenlänge.“ Huxsohl ergänzt: „Wir teilen die Liebe zum Fußball. Und die Liebe zu einem guten Kaffee.“ Doch der Auslöser für die Freundschaft seien nicht die gemeinsamen Freizeitvorlieben gewesen. Sondern das Training, in dem es ganz und gar nicht plüschig zugehe. Beide schwärmen vom gemeinsam ausgelebten Ehrgeiz, sich gegenseitig auf positive Art zu Höchstleistungen anzustacheln. „Wir hauen uns da mit vollem Einsatz in jeden Ball. Man darf gar keinem erzählen, wie intensiv es da zugeht. Das glaubt einem keiner“, sagt Huxsohl lachend. „Lars will besser sein als ich und ich will besser sein als er. Jeder will spielen. Das sehen wir beide so und das ist ganz normal“, betont Rakocevic.

Außerhalb des Rasens sprechen beide miteinander über ihre Spiele, loben sich auch gegenseitig für gute Leistungen. Huxsohl weiß das zu schätzen: „Das habe ich in meiner Karriere schon anders erlebt. Es gab auch mal einen Keeper, der es drauf angelegt hat, mich im Training zu verletzen.“ Verantwortlich für diese sehr gute Balance zwischen Leistungsgedanken und Kameradschaft sind natürlich auch Eintrachts Torwarttrainer Marc Aaron Kassler sowie Torwart Nummer drei, Marcel Kindler (38), der in seiner hervorragenden Karriere als einer der besten Amateurkeeper Hamburgs schon immer so engagiert und fokussiert wirkte, als sei jedes Gegentor für ihn eine persönliche Beleidigung.

„Ich habe drei fantastische Keeper“, freut sich Norderstedts Trainer Jens Martens. „Marcel Kindler hat sich sogar bereit erklärt, in der zweiten Mannschaft in der Kreisliga zu spielen, wenn er dort gebraucht wird. Wenn die Chance besteht, ihn im Pokal gegen einen tieferklassigen Gegner zu bringen, werde ich das tun.“

Eintracht holte mit Rakocevic mehr Punkte

Und das Duell Huxsohl gegen Rakocevic? Martens: „Lars ist die Nummer eins. Doch ich weiß, ich kann beide bedenkenlos bringen. Lars ist im athletischen Bereich überragend. Er hat sich fußballerisch ebenfalls weiterentwickelt. Stefans Athletik ist sehr gut, und er ist der einen Tick bessere Fußballer.“

Die Einsatzstatistik beider Keeper in dieser Regionalliga-Saison ist fast ausgeglichen. Huxsohl spielte fünfmal, Rakocevic viermal. Dazu gesellt sich bei Huxsohl noch das DFB-Pokalspiel bei Bundesligist Bayer Leverkusen. Der mehrmalige Wechsel im Kasten lag allerdings jeweils an Verletzungen. Rakocevic plagte sich mit einer Hüftproblematik herum, Huxsohl mit einer Reizung im linken Knie. Beide sind jedoch mittlerweile wieder topfit.

Vordergründig betrachtet ist die Bilanz von Rakocevic besser. Mit ihm holte die Eintracht neun Punkte (mit Huxsohl sieben) und kassierte im Schnitt nur ein Gegentor pro Partie (vier in vier Spielen/mit Huxsohl 1,4 Gegentore pro Begegnung, sieben in fünf Spielen). Allerdings ist ein differenzierter Blick nötig. Zu Beginn der Spielzeit, als Huxsohl im Tor stand, befand sich die Eintracht im Leistungstief, die Pleiten waren ihm nicht anzukreiden, bei Phönix Lübeck (3:0) und beim Lüneburger SK (1:1) rettete er mit Punkte. Das DFB-Pokalspiel in Leverkusen, ein 0:7 gegen ein internationales Topteam, kann nicht seriös in die Wertung einbezogen werden.

Norderstedt hat kein Problem auf der Torhüterposition

Rakocevic spielte bei den drei Siegen in Folge gegen Holstein Kiel II (3:0) und Altona 93 (1:0) sowie beim FC Teutonia 05 (2:1). Er strahlte Ruhe aus, wirkte souverän, bekam aber nur wenig zu tun. Beim 0:3 gegen den FC St. Pauli II sah er beim zweiten Gegentreffer nicht gut aus. Festzuhalten bleibt: Auf der Torhüterposition hat die Eintracht kein Problem. Sondern zwei sehr gute Keeper. Und zwei Freunde.

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