EINTRACHT NORDERSTEDT

Der Durchstarter auf der rechten Außenbahn

Alexandre Rajao da Cunha (20) wechselte im Sommer 2019 aus der A-Jugend des Eimsbütteler TV zu Eintracht Norderstedt – in jene Stadt, wo er mit seinen Eltern schon seit seinem ersten Lebensjahr wohnt.

Alexandre Rajao da Cunha (20) wechselte im Sommer 2019 aus der A-Jugend des Eimsbütteler TV zu Eintracht Norderstedt – in jene Stadt, wo er mit seinen Eltern schon seit seinem ersten Lebensjahr wohnt.

Foto: Anne Pamperin

Alexandre Rajao da Cunha ist bei Fußball-Regionalligist Eintracht Norderstedt auf dem Sprung zur Stammkraft.

Norderstedt.  Manchmal verlangt der Fußball von einem Trainer einen ungewöhnlichen Entschluss. „Ich werde Alex da Cunha nie wieder am Tag zuvor über seinen Einsatz informieren. Dann kann ihm nichts passieren“, sagt Eintracht Norderstedts Coach Jens Martens. Am Vorabend der Auswärtspartie des dritten Spieltages der Regionalliga Nord bei Phönix Lübeck war der 20 Jahre alte Rechtsverteidiger die Treppe zu schnell hochgelaufen und mit seinem linken Knie auf die Metallkante des Geländers geknallt. Statt sein Saisondebüt zu feiern, musste da Cunha zur Wundversorgung ins Krankenhaus.

Über Martens’ Schnack kann da Cunha herzlich lachen. Obwohl er einige Verletzungen überstehen musste, seit er im Sommer 2019 von der U 19 des Eimsbütteler TV zu den Garstedtern wechselte. Zum zweiten Mal übrigens, da der in Hamburg geborene Sohn portugiesischer Eltern mit seiner Familie seit seinem ersten Lebensjahr in Norderstedt wohnt und schon in der Jugend drei Jahre das Trikot der Eintracht trug. „Ich musste einiges überwinden. Aber mein Motto lautet: Come back stronger!“, sagt da Cunha.

Die erste Saison war geprägt von Verletzungspausen

Die Verletzungen in seiner ersten Saison, erklärt er, hätten ihn angetrieben, danach in noch stärkerer Verfassung aufs Feld zurückzukehren. Schulterprobleme, ein Knorpelschaden im rechten Knie oder ein Bruch des rechten Mittelfußes – schnupperte da Cunha an der Stammelf, setzte es prompt einen Rückschlag. Doch er kämpfte sich stets zurück. In den Begegnungen gegen Altona 93 (1:0), bei Teutonia 05 (2:1) und beim FC St. Pauli II (0:3) absolvierte der schnelle und technisch beschlagene Außenbahnspieler drei Spiele hintereinander über jeweils 90 Minuten. Zuvor hatte er es zusammen mit der letzten Saison nur auf vier Einsätze und insgesamt 120 Spielminuten gebracht. Auffällig waren dabei vor allem seine gute Spieleröffnung und sein Drang, für die Gegner überraschend nach innen zu ziehen.

Gegen Altona düpierte er so sogar an der eigenen Eckfahne drei pressende Gegenspieler und bereitete mit einem 60-Meter-Sprint samt Ball eine Chance für Rico Bork vor. „Ich habe beim ETV in einer Dreierkette den rechten Innenverteidiger gespielt. Daher habe ich eine Tendenz, mit dem Ball durchs Zentrum zu marschieren“, erklärt da Cunha. Genau diese ungewöhnliche Bewegung irritiert die Gegner häufig. Der Konkurrenzkampf auf der rechten Seite zwischen da Cunha und dem aktuell verletzten Außenbahnflitzer Juri Marxen (Kapsel- und Knorpelschaden im linken Knie) dürfte im neuen Jahr sehr spannend werden. „Beide kann ich bedenkenlos bringen“, sagt Jens Martens.

Das liegt auch an da Cunhas körperlicher Metamorphose. Viele Talente scheitern beim Sprung in den Herrenfußball an mangelnder körperlicher Widerstandsfähigkeit. Nicht so da Cunha. Von 71,7 Kilo zum Saisonstart im Juli 2019 legte der 1,87 Meter große Youngster in etwas über einem Jahr fast zwölf Kilogramm zu – hauptsächlich Muskelmasse – und bringt nun stolze 83,1 Kilo auf die Waage. „Er ist kein Junge mehr. Er ist jetzt ein Kerl“, stellt Martens fest. Von Beginn an hatte Eintrachts Trainerteam da Cunha klargemacht: Du hast die Anlagen, dich hier durchzusetzen! Wenn du robuster wirst!

Hilfreich dabei war da Cunhas hohe Eigenmotivation. „Früher war ich sehr dünn. Ein sehr guter Freund von mir beschäftigt sich extrem mit dem Thema Fitness. Da habe ich mir noch zusätzlich Tipps geholt, habe mehr und ausgewogener gegessen und Krafttraining betrieben. Das spüre ich auf dem Feld.“ Mittlerweile prallen die Gegner öfter an ihm ab als umgekehrt. Luft nach oben sieht da Cunha noch in seinen Flanken („Können noch besser werden“) und in seiner Defensivarbeit („Ich muss an meinem Stellungsspiel arbeiten“).

Er glaubt fest an die Qualifikation zur Meisterrunde

Ärgerlich für da Cunha: Bis zum Jahresende hätte er vermutlich alle Spiele gemacht, doch die Corona-Pandemie verhindert das. Seine gute Laune lässt sich da Cunha dennoch nicht nehmen. „Ich bin ein temperamentvoller Mensch. Wir Portugiesen besprechen die Dinge gerne lautstark“, sagt er und lacht. „Alex zeichnet eine große Portion Selbstvertrauen aus. Er ist sehr kommunikativ. Ab und an überzieht er ein bisschen, aber da passen wir schon auf ihn auf“, sagt Jens Martens. Aufhorchen wird vielleicht die Konkurrenz, sollte da Cunha körperlich dauerhaft stabil bleiben und spielen. Auf Anhieb in der Regionalliga Nord die Herrenkarriere zu starten, ist nicht die schlechteste Visitenkarte. „Ich werde auf keinen Fall alles auf den Fußball setzen. Auch wenn ich mich freuen würde, wenn ich irgendwann noch höher spiele. Aber ich brauche ein zweites Standbein“, sagt er. Aktuell sieht sich da Cunha nach einem dualen Studium um. Sportlich glaubt er an die Qualifikation für die Meisterrunde mit Eintracht Norderstedt. „Wir sind eine geile Truppe“, sagt er. „Wir haben das Potenzial dafür.“