Handball

Drittliga-Teams gehen vorzeitig in die Winterpause

Mannschaftsführerin Annika Jordt und das SVHU-Frauenteam sind mit zwei Punktspielsiegen in die Saison gestartet.

Mannschaftsführerin Annika Jordt und das SVHU-Frauenteam sind mit zwei Punktspielsiegen in die Saison gestartet.

Foto: Thomas Maibom

Frauen des SV Henstedt-Ulzburg gelten als Amateure. Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist für den 9. und 10. Januar geplant.

Henstedt-Ulzburg. War etwa der Druck der Vereine am Ende zu groß? In einer Pressemitteilung hat der Deutsche Handballbund die Aussetzung des Spielbetriebes in der 3. Liga bis zum Jahresende verkündet. Eine Wiederaufnahme ist derzeit am Wochenende 9./10. Januar 2021 beabsichtigt, sofern dies die weitere Entwicklung der Corona-Infektionszahlen zulässt.

Somit werden auch die Handballerinnen des SV Henstedt-Ulzburg nach nur zwei Punktspielen in eine vorgezogene Winterpause geschickt. Zuvor hatte es in der Handballszene Diskussionen darüber gegeben, ob Drittliga-Teams nach einer Auslegung des Deutschen Olympischen Sportbundes dem Profisport zuzuordnen sind.

„Nach DOSB-Verständnis fallen alle Kaderathlet*innen […] sowie die 1. bis
3. Ligen in allen olympischen und nicht-olympischen Sportarten […] unter die Definition ,Profisport‘“, hieß es in einem Schreiben des DHB. Die Frogs-Ladies hätten demnach ihren Trainings- und Spielbetrieb trotz des Anfang November beschlossenen Lockdowns Mitte des Monats wieder aufnehmen sollen. Eine Situation, die beim SVHU auf wenig Verständnis stieß.

Dringlicher Appell an Deutschen Handballbund

Anfang der Woche richteten die Vereinsverantwortlichen einen dringlichen Appell an den Verband. „Lieber DHB, verzichtet darauf, der Basis des Handballs erheblichen Schaden zu bereiten. Verzichtet auf den Spielbetrieb auf Teufel komm raus“, hieß es in dem über die sozialen Medien veröffentlichten Statement. Und weiter: „Ein in dieser Zeit verantwortungsvoller Spielbetrieb, zu dem dann auch eine Teststrategie gehören müsste, ist weder wirtschaftlich noch emotional und moralisch möglich. Die Signalwirkung nach innen und nach außen wäre fatal.“

SVHU-Coach begrüßt die Entscheidung

Bei SVHU-Coach Christian Gosch stößt die nun beschlossene Wettkampfpause daher auf Zustimmung. Ein Restart noch im November wäre für den 46-jährigen nicht vorstellbar gewesen. „Natürlich betreiben wir in der 3. Liga größeren Aufwand als der Breitensport. Aber wir sind keine Profis, Handball bleibt ein Hobby, kein Beruf.“

Im Training könne man die Kontakte mit verschiedenen Gruppen und einer Aufteilung der Halle noch steuern, Punktspiele gegen fremde Mannschaften seien aber eine ganz andere Sache. Mit dem angepeilten Neustart des Spielbetriebs für Anfang Januar habe man nun einen Ausblick, der vorerst Ruhe einkehren lässt. „Das Datum ist natürlich von der Lage bezüglich der Pandemie abhängig. Es wird unter diesen Bedingungen aber keine Chancengleichheit für alle Vereine geben“, sagt Gosch.

Chancengleichheit ist Utopie

In der Tat: Während die Gemeinde Henstedt-Ulzburg ihre Sporthallen im November geschlossen hält, rechnet Staffelkonkurrent Frankfurter HC beispielsweise mit einer baldigen Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes im örtlichen Sportzentrum. Gosch: „Wir brauchen vor dem ersten Drittliga-Match ein paar Wochen Vorbereitung im Dezember, ansonsten ist die Verletzungsgefahr sehr hoch.“

Seine Spielerinnen halten sich aktuell mit Online-Trainingseinheiten fit, die Athletikcoach Markus Tröger und Mentaltrainer Karsten Voß regelmäßig anbieten. „Die Mädels sind fleißig und machen das Beste aus der Situation“, sagt Christian Gosch.

Mannschaftsführerin Annika Jordt: „Innerhalb des Teams ist die Motivation groß.“ Mit dem Ziel vor Augen, im Januar das nächste Punktspiel zu bestreiten, wolle die SVHU-Truppe ihr Fitnesslevel hochhalten. „Wir wissen, dass wir diesmal keine mehrmonatige Vorbereitung bekommen wie noch im Sommer. Das erzeugt einen gewissen Druck.“

Mannschaft geht locker mit der Situation um

Angesichts des derzeitigen Infektionsrisikos hält die 26-jährige den zweiten Handball-Lockdown für sinnvoll. „Alle Spielerinnen gehen neben dem Handball zur Arbeit oder studieren. Da kommen viele Kontakte zusammen. Es wäre unvernünftig, ohne Corona-Tests zu spielen.“ Auch mental sei die erneute Zwangspause nicht einfach wegzustecken. „Wir haben uns so lange wie noch nie auf die Punktrunde vorbereitet. Und als es endlich losging, war auch schon wieder Pause. Ob wir im Januar loslegen dürfen und die Saison dann ohne Unterbrechung durchgezogen wird, ist unklar. Wir versuchen daher, die Sache lockerer zu sehen und freuen uns darauf, irgendwann wieder ohne Risiko in die Halle gehen zu können.“