Wegen Corona

Die kürzeste Radcross-Saison aller Zeiten

Schleswig-Holsteins Radsportlerin des Jahres 2019: Cordula Neudörffer (l.) vom RSC Kattenberg.

Schleswig-Holsteins Radsportlerin des Jahres 2019: Cordula Neudörffer (l.) vom RSC Kattenberg.

Foto: Anne Pamperin

Cordula Neudörffer vom RSC Kattenberg fehlt Planungssicherheit. Die DM sowie Stevens-Cup- und Bundesliga-Rennen stehen auf der Kippe.

Kisdorf. Wenn Corona nicht wäre, hätte am vergangenen Sonntag in Neu Duvenstedt der 5. Lauf des Stevens Cyclocross-Cups stattgefunden. Doch dieses Radsport-Event wurde – wie so viele andere Sportveranstaltungen in diesen Tagen – abgesagt. Die für das Wochenende terminierten Querfeldeinrennen in Kiel (Stevens-Cup) und Magstadt (Bundesliga) sowie die für Ende November geplanten Weltmeisterschaften der Senioren sind ebenfalls gecancelt worden.

Außerdem ist fraglich, ob die im Dezember angesetzten Liga- und Cup-Rennen ausgetragen werden. Und auch die Deutschen Radcross-Meisterschaften Anfang Januar im baden-württembergischen Kehl stehen auf der Kippe. Alles in allem könnte diese eh schon kurze Radcross-Saison noch kürzer werden als ursprünglich befürchtet. Für Cordula Neudörffer bedeuten die vielen Rennabsagen und die Unsicherheit, ob und wann der nächste Wettkampf stattfindet, eine unfreiwillige Zwangspause – eine anstrengend Situation.

2020 ist eine emotionale Berg- und Talfahrt

„Jetzt heißt es schon wieder Abwarten. Das Jahr 2020 verläuft rein emotional wirklich merkwürdig“, sagt die Kisdorferin, die sich erst seit vier Jahren auf den Radsport konzentriert und diesen leistungsmäßig betreibt. „Ich komme ja ursprünglich vom Triathlon. Das Radfahren war immer meine schlechteste Disziplin“, sagt die 49-Jährige. Zuletzt lief es für Cordula Neudörffer richtig rund, auch wenn sie die Saisonvorbereitung nicht nur wegen der Corona-Pandemie anders als sonst in Angriff nahm.

„Das Radfahren stand bei mir vor allem aus privaten Gründen im Frühjahr und Sommer nicht an erster Stelle. Meine Prioritäten langen woanders. Ich hatte nach einem langen Tag oft keine Lust, aufs Rad zu steigen, obwohl ich ja eigentlich weiß, dass Sport den Kopf frei macht. Jedes Mal, wenn ich trainiert habe, ging es mir anschließend richtig gut“, sagt die dreifache Mutter, die in dieser für sie sehr schweren Zeit oft gegen den inneren Schweinehund ankämpfte – und diesen ein ums andere Mal besiegte.

Formkurve zeigte zuletzt nach oben

Ihre Disziplin und ihr Wille führten dazu, sie ihr Sportgerät selbst nach weniger schönen Momenten herausholte – wenn auch nicht so häufig wie 2019. Auch die vielen Rennabsagen führten dazu, dass die Saison eher holprig begann.

„Bei den ersten Veranstaltungen habe ich gemerkt, dass mir die Wettkampfhärte fehlt. Beim letzten Stevens Cyclocross-Cup im Rantzauer Forst lief es hingegen richtig gut“, so Cordula Neudörffer. Sie lieferte sich im Frauenrennen ein packendes Duell mit Philine Letz vom SV Sülfeld, das sie am Ende gewann. Wie so viele Elite- und Hobbycrosser hofft Neudörffer darauf, dass im kommenden Monat wieder gefahren werden kann.

Die Aktiven hoffen auf einen Re-Start im Dezember

Das wünscht sich auch Stephan Sturm, mit dem Cordula Neudörffer seit fünf Jahren liiert ist. Sturm, der bis vor Kurzem noch 2. Vorsitzender des RSC Kattenberg war, sitzt bei den Rennen allerdings nicht im Sattel, sondern achtet als Starter, Wettkampfleiter oder Rennkommissar darauf, dass alles seine Richtigkeit hat. Auch wenn er sich über gute Ergebnisse seiner Partnerin freut, verhält er sich bei den Events stets neutral.

„Bei den Veranstaltungen sehen wir uns eigentlich nur am Rande. Jeder macht da sein eigenes Ding, aber das ist ja auch gut so“, sagt Cordula Neudörffer, die gerne als Einzelkämpferin unterwegs ist. Ein paar Jahre lang fuhr sie im Hamburger MC Pirate Team mit, auch weil es hier und da ein wenig Unterstützung gab. Jetzt startet sie wieder ausschließlich im Trikot des RSC Kattenberg und muss für ihr komplettes Equipment selber aufkommen. Sponsoren sind beim Radcross halt Mangelware.

Sponsoren sind in der Szene Mangelware

Das hindert Neudörffer aber nicht an der ambitionierten Ausübung ihres Hobbys, das sie im blau-weiß-roten RSC-Trikot ausübt: „Die Verbundenheit mit meinem Verein ist mir schon sehr wichtig.“ Dass ihre konstant guten Leistungen durchaus registriert werden und Anerkennung finden, freut Cordula Neudörfer sehr. 2019 wurde sie zu Schleswig-Holsteins Radsportlerin des Jahres gekürt. „Wenn man bedenkt, dass ich ja noch nicht allzu lange leistungsmäßig unterwegs bin, ist das schon eine tolle Sache.“