Interview

„Es muss wieder mehr Vorbilder für unsere Kids geben“

Der 47 Jahre alte Dennis Aschmoneit ist als Abteilungsleiter Nachfolger von Wulf Winterhoff, der die SVHU-Sparte seit 2015 erfolgreich geführt hat.

Der 47 Jahre alte Dennis Aschmoneit ist als Abteilungsleiter Nachfolger von Wulf Winterhoff, der die SVHU-Sparte seit 2015 erfolgreich geführt hat.

Foto: Thomas Maibom

Der zum Chef der Handballsparte des SV Henstedt-Unzburg gewählte Dennis Aschmoneit erläutert, wie er die Abteilung führen will.

Henstedt-Ulzburg.  Dennis Aschmoneit ist neuer Handball-Spartenleiter des SV Henstedt-Ulzburg. Bei der Jahreshauptversammlung Mitte Oktober wurde der 47-Jährige einstimmig in das Amt gewählt. Er folgt auf Wulf Winterhoff, der die Abteilung seit 2015 geführt hatte und sich nun nicht erneut zur Wahl stellte. Im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt spricht Aschmoneit über die Herausforderungen der Corona-Krise und seine Ziele mit der SVHU-Sparte.

Herr Aschmoneit, warum lässt sich ein ehemaliger Fußballer zum Abteilungsleiter von fast 400 Handballerinnen und Handballern wählen?

Dennis Aschmoneit Meine Zeit als aktiver Fußballer liegt schon einige Jahre zurück. Von 1996 bis 2006 habe ich für den USC Paloma in der Oberliga Hamburg als Torhüter gespielt. Sogar in die erste Runde des DFB Pokals haben wir es damals geschafft. Ich war schon immer ein treuer Vereinsmensch. Als wir mit der Familie vor 16 Jahren nach Henstedt-Ulzburg gezogen sind, habe ich durch meine Töchter den Handball als neues Hobby entdeckt. Zuerst als Betreuer, dann im Event-Team und später als Vorsitzender im Förderverein der Frogs.

Die Nachricht vom Wechsel an der Abteilungsspitze kam für viele überraschend. Wie lange mussten Sie überlegen, sich zur Wahl zu stellen?

Wulfs Entscheidung kam auch für mich unerwartet. Zwei Wochen vor der Jahreshauptversammlung habe ich erfahren, dass er gerne kürzertreten möchte. Vorstellen konnte ich mir das Amt schon länger. Nachdem ich in Gesprächen mit Wulf und den Vorstandsmitgliedern Unterstützung erhalten habe, dachte ich: Jetzt oder nie. Ich wäre aber nicht direkt gegen Wulf angetreten.

Sie treten in große Fußstapfen…

Wenn man zurückschaut, in welchem Zustand Wulf Winterhoff die Abteilung 2015 übernommen hat und wie er sie jetzt übergeben hat, dann ist da großer Respekt. Ich bin froh, dass er uns erhalten bleibt und das Unterstützer-Netzwerk betreut oder den SVHU bei der Initiative „Mehr Kids am Ball“ vertritt. Wulf hat ein hohes Ansehen bei Vereinen und Verbänden. Er steht uns nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite.

Gleich zu Beginn Ihrer ersten Amtszeit befindet sich der Handball in einem zweiten Lockdown. Der Trainings- und Spielbetrieb wird im November komplett ausgesetzt. Wie gehen Sie mit der Situation um?

Ich hätte mir natürlich einen anderen Start gewünscht. Aktuell versuche ich, mich zusammen mit dem Vorstand durch die Verordnungen von Bund, Land und Handballverband zu kämpfen. Aktive, Trainer und Eltern erwarten von uns schnelle Antworten. Ich finde, die Situation ist trotzdem handhabbar. Das liegt zum großen Teil an unserem Vorstandsteam, dessen Hilfsbereitschaft und Engagement beeindruckend sind. Ohne diese tolle Mannschaft wäre ich als Abteilungsleiter nicht angetreten.

Welche finanziellen Folgen spüren die SVHU-Handballer durch Corona?

Vor allem der Ausfall des lukrativen Ulzburg-Cups hat ein Loch in die Kasse gerissen. Das Turnier ist als Einnahmequelle für uns extrem wichtig. Ohne die Pandemie hätte Wulf Winterhoff mir die Abteilung mit einem finanziellen Plus übergeben. Trotz Corona ist die Situation bei uns aber noch gut, ein erneuter Ausfall im Jahr 2021 wäre jedoch fatal. Auch die Aktiven sind uns zum großen Teil treu geblieben, es gab kaum Austritte. Gemeinsam mit dem Förderverein haben wir zudem ein Programm aufgesetzt, um in Not geratene Mitglieder zu unterstützen.

Eine andere Baustelle ist der schwächelnde männliche Bereich. Mädchen und Frauen feiern dagegen seit Jahren Erfolge Was wollen Sie tun, um diese Situation zu ändern?

Grundsätzlich geht es darum, das Konzept der Frauen auf die Männer zu adaptieren. Es muss mehr Vorbilder für die Kids geben. Es wäre vermessen, aktuell über eine Zweit- oder Drittliga-Männermannschaft nachzudenken, aber auch in der Landes- und Oberliga wird attraktiver Handball gespielt. Wir müssen Leute finden, die sich dafür begeistern lassen und die Basis im männlichen Bereich breiter aufstellen. Unser großes Glück ist nach wie vor die Ballspielgruppe von Annette Jürs, aus der sich jedes Jahr zwei F-Jugend-Teams entwickeln. Haben wir dann die richtigen Trainer und bieten mit Turnieren, Festen und Heimspieltagen vieles drum herum an, verlieren wir in Zukunft weniger Jungs an den Fußball.