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Die Chronik – 50 Jahre Sport in Norderstedt

Die Tanz-Professionals Asis Khadjeh-Nouri und Andrea Kiefer gewinnen zum Abschluss ihrer Karriere WM-Silber in der Kür.

Die Tanz-Professionals Asis Khadjeh-Nouri und Andrea Kiefer gewinnen zum Abschluss ihrer Karriere WM-Silber in der Kür.

Foto: Frank Best

Das Abendblatt war seit der Stadtgründung am 1. Januar 1970 immer am Ball. Unternehmen Sie mit uns eine Zeitreise in das Jahr 1996.

Vier Tage lang grassiert in Norderstedt das Landesturnfest-Fieber. „Wir wollen zeigen, was in den vielen Vereinen geleistet wird“, sagt Nils Schwarz, der Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Turnverbandes, „diese Veranstaltung ist unser Schaufenster.“ Nach siebenjähriger Pause präsentiert sich der mit 193.000 Mitgliedern größte Sportfachverband des nördlichsten Bundeslandes mit einem facettenreichen Programm. Etwa 4000 Aktive – darunter auch der frühere Weltmeister Andreas Aguilar – demonstrieren ihr Können.

Die Schwestern Ruth (17) und Raschel Blufarb (15, 1. SC Norderstedt) gewinnen bei den Hamburger Tischtennis-Meisterschaften zum zweiten Mal hintereinander den Titel im Damen-Doppel. Tränen werden zwar nicht vergossen, aber trotzdem haben die meisten Anwesenden einen dicken Kloß im Hals. Erwin Piechowiak verabschiedet sich nach zehn erfolgreichen Jahren als Trainer der Fußballer des Glashütter SV mit einer zünftigen Feier in den wohlverdienten Ruhestand. Das Abschiedsgeschenk an den GSV: Seine Mannschaft erreicht mit Rang drei in der Verbandsliga Hamburg die beste Platzierung in der Vereinsgeschichte.

Die Favoritenrolle ist für Thorben An­dreas (15) von der Startgemeinschaft Wasserratten kein Problem. Der Nachwuchsschwimmer wird in Dortmund in 17:08,70 Minuten Deutscher Jahrgangsmeister über 1500 Meter Freistil. Der Lohn für seine konstant guten Leistungen: die Berufung in die Jugend-Nationalmannschaft. Bei einem hochkarätig besetzten Meeting in Darmstadt darf Andreas zum ersten Mal für Deutschland starten.

Asis Khadjeh-Nouri und Andrea Kiefer verpassen bei der Kür-Weltmeisterschaft der Tanz-Professionals in Bonn zum Abschluss ihrer Karriere knapp den großen Triumph. Sie gewinnen wie 1993 und 1995 Silber. Auf nationalem Parkett sind sie konkurrenzlos, schaffen das Double. Die Norderstedter werden zum vierten Mal Deutscher Meister im Standard-Wettbewerb und in der Kür.

Im Profibereich ebenfalls sehr erfolgreich sind Thomas Fürmeyer und Tanja Beinhauer. Das Duo aus Norderstedt wird Europameister über Zehn Tänze sowie Deutscher Meister in der Kombination. Weitere herausragende Resultate: Platz vier bei der Kür-WM, Rang fünf bei der Zehn-Tänze-WM. Fürmeyer/Beinhauer haben gute Aussichten, in die Fußstapfen von Khadjeh-Nouri/Kiefer zu treten.

Bei den Amateuren festigen Stefan Ossenkop und Pia David ihre Vormachtstellung im Standardbereich. In der Düsseldorfer Philipps-Halle wird das Paar vom 1. SC Norderstedt zum dritten Mal nach 1993 und 1995 nationaler Champion. Ihre wertvollste sportliche Leistung vollbringen Ossenkop/David allerdings beim bedeutendsten Turnier der Welt. Sie schaffen den Sprung in die Endrunde der Britisch Open in Blackpool und belegen dort Rang sechs – die beste deutsche Platzierung seit 1989.

Handball-Fusion – nein danke! DieHG Norderstedt und der Norderstedter SV können sich nicht über einen Zusammenschluss einigen.

Das 1:3 gegen Grün-Weiß Wismar ist für die Regionalliga-Volleyballer des 1. SC Norderstedt die erste Punktspielniederlage seit eineinhalb Jahren. Nach Abschluss der Punktrunde verabschiedet sich ein Teil des Männerteams vom SCN und gründet einen neuen Club: den1. VC Norderstedt.

Schachspielerin Anke Freter (SK Norderstedt) ist und bleibt eine Könnerin im Umgang mit den weißen und den schwarzen Figuren. Sie wird schon zum siebten Mal schleswig-holsteinische Damen-Meisterin.

Ungewohnte Betriebsamkeit herrscht im Innen- und Außenbereich der Sporthalle des Gymnasiums Harksheide. Rund 30 Mitglieder der Basketballabteilung des TuRa Harksheide bewaffnen sich mit Reinigungsutensilien und schlüpfen in die Rolle der fleißigen Heinzelmännchen. Umkleideräume, Türen und Wände des Gebäudes sind mit „Tags“ verunstaltet. Die wenig geistreichen Sprüche und Zeichen erweisen sich als erstaunlich resistent gegen herkömmliche Putzmittel. Insgesamt fünf Stunden dauert die von Jugendwart Enno Hansen initiierte Aktion.

Einen Doppelsieg der besonderen Art gibt’s bei den 10. Norderstedter Stadtmeisterschaften im Sportkegeln. An­dreas Arndt setzt sich mit überragenden 1548 Holz in der Herrenkonkurrenz durch, seine Schwester Petra (905 Holz) gewinnt den Wettbewerb der Damen.

Die Regionalliga-Handballfrauen der HG Norderstedt haben den TuS Walle Bremen zu Gast. Der nationale Meister kommt für ein Benefizspiel zugunsten der Deutschen Krebshilfe ins Schulzen­trum Süd und greift vor 800 Zuschauern tief in die Trickkiste. Dabei tut sich vor allem die Dänin Anja Andersen hervor – sie gilt als beste Handballerin Europas. Die Gäste von der Weser bekommen trotz ihrer Gala nur die Fahrtkosten erstattet. Der Rest der Einnahmen wird für den guten Zweck gespendet.

Fußball-Regionalligist 1. SC Norderstedt entpuppt sich sich in der ersten Hälfte der Saison 1996/1997 als das Überraschungsteam der Staffel Nord. Die Truppe von Trainer Detlef Spincke belegt mit 36 Punkten den fünften Tabellenplatz, verfügt mit 40 Treffern über den viertbesten Angriff sowie mit nur14 Gegentoren über die drittbeste Hintermannschaft. Und: Stürmer Riccardo Baich absolviert ein Probetraining beim Bundesliga-Verein Hansa Rostock. Einziger Wermutstropfen: Die Zuschauerresonanz ist mehr als enttäuschend. Zum Spitzenspiel gegen die Amateure des Hamburger SV kommen beispielsweise nur 723 Fans ins Stadion an der Ochsenzoller Straße.

Trotz einer 4:8-Niederlage im letzten Match gegen den Oberalster VfW schaffen die Tischtennisdamen des 1. SC Norderstedt den Klassenerhalt in der Oberliga - anschließend löst sich die Mannschaft auf...

Mit 1710 Ringen machen die Luftgewehrschützen der BSG Stadtwerke Norderstedt beim Landesliga-Finale in Over den Aufstieg in die Bundesliga perfekt. Die Mannschaft ist damit schon zum dritten Mal nach 1991 und 1994 erstklassig. Überragender Akteur: Frank Hagel, der mit starken 573 Ringen die Tagesbestleistung erzielt.

Ansturm der Reitsportfans auf den Hof Nordpol an der Poppenbütteler Straße. Das erste Freiluftturnier des SV Fried­richsgabe lockt 1300 Zuschauer an.

Nervenstärke und Treffsicherheit beweisen die Handballer der HG Norderstedt. Nach einer 22:25-Niederlage im ersten Relegationsmatch gegen denBSV Empor Finsterwalde sichert sich das Team von Trainer Hartmut War­necke im Rückspiel mit einem deutlichen 29:15-Erfolg den Verbleib in der Regionalliga.


Der einzige Olympiateilnehmer
aus Norderstedt geht bei den Sommerspielen in Atlanta leer aus. Ruderer Roland Opfer, der seine Wettkämpfe für denRC Alemannia Hamburg bestreitet, belegt auf dem Lake Lanier zusammen mit seinem Partner Sebastian Meyer vomRC Breisach den sechsten Platz in der Doppelzweier-Konkurrenz.

Routinier Wolfram Gottfried (Startgemeinschaft Wasserratten) stellt in der Altersklasse 65 einen neuen Europarekord über 100 Meter Schmetterling auf. Seine Siegerzeit bei den nationalen Senioren-Titelkämpfen im Schwimmen: 1:22,04 Minuten.

Herbert Buchwald (Leichtathletikgemeinschaft Alsternord) wird in der Altersklasse M 70 zusammen mit Heinrich Gutbier (Rödenbach) und Hein Lenhardt (Mutterstadt) Senioren-Mannschaftsweltmeister im Straßenlauf.

Die Tennissparte des Hamburger SV richtet zum letzen Mal ihr traditionelles Jugendturnier um den Sharp-Cup aus.

Außerordentlich turbulent geht’s im Verlauf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des 1. SC Norderstedt zu; es kommt zu heftigen Angriffen gegen Vereinschef Karlfried Wochnows­ki. Ein fünfköpfiges Gremium soll die Ursachen für die Finanzmisere des Clubs ergründen. Nach einer Betriebsprüfung des Finanzamts für die Jahre 1990 bis 1994 droht dem SCN eine Nachzahlung in Höhe von 569.000 Mark. Außerdem belasten den SCN 310.000 Mark Schulden aus dem Volleyballbereich.

Gleich drei Medaillen erkämpfen sich die Aktiven der DLRG Norderstedt bei den Deutschen Meisterschaften im Sportbad Heidberg in Braunschweig. Die Damen-Rettungsstaffel holt Gold, die neun bis zwölf Jahren alten Schülerinnen müssen sich nur Titelverteidiger Nieder-Olm geschlagen geben, die weibliche Jugend belegt Rang drei. Beim Deutschlandtreffen der DLRG in Halle an der Saale siegen Jill-Anna Offermann, Matthias Pretz und Stephan Eder mit dem Team Schleswig-Holstein.

Bei den 24. Stadtmeisterschaften im Tischtennis sichern sich TuRa Harksheide und der SV Friedrichsgabe 16 von17 möglichen Titel. Christian Wegner (TuRa) siegt in der Herren-A-Konkurrenz, seine Vereinskollegin Gunda Stuhr ist im Damen-A-Wettbewerb nicht zu schlagen.

Herber Verlust für das Norderstedter Kunstturnzentrum Harksheide: Gerlind und Wolfgang Schiltsky werden von Januar 1997 an nicht mehr zur Verfügung stehen. Trainerin und Kampfrichterwartin Karin Uhlmann: „Dass sie uns verlassen, ist sehr bedauerlich. Vor allem kam alles so plötzlich...“ Die beiden Initiatoren des KTZ haben indes vorgesorgt: Die frühere Olympiasiegerin Maxi Gnauck wird kommissarisch das Amt der Kreisturnwartin übernehmen, Hartmut War­necke kümmert sich um die Zusammenarbeit mit TuRa Harksheide, Vera Budzinski hält Kontakt zur Stadt Norderstedt. Den Posten des technischen Leiters bekleidet Michael Wucherpfennig.