Frauenfussball

SVHU scheidet im DFB-Pokal nach großem Kampf aus

Stürmerin Indra Hahn (SV Henstedt-Ulzburg, r.) sorgte in der 60. Minuten für den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer zum 2:2.

Stürmerin Indra Hahn (SV Henstedt-Ulzburg, r.) sorgte in der 60. Minuten für den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer zum 2:2.

Foto: Thomas Maibom

Der Regionalliga-Spitzenreiter aus Henstedt-Ulzburg bringt den favorisierten Bundesligisten SV Meppen beim 2:3 in Schwierigkeiten.

Henstedt-Ulzburg. Der Traum von weiteren Auftritten auf Bundesebene hat sich für die Fußballfrauen des
SV Henstedt-Ulzburg nicht erfüllt. In der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokals unterlag die von Christian Jürss trainierte Regionalliga-Mannschaft der zwei Klassen höher spielenden Erstliga-Crew des SV Meppen nach beherzter und energischer Gegenwehr mit 2:3 (1:2) und verpasste damit den Sprung ins Achtelfinale des nationalen Cupwettbewerbs.

Ursprünglich sollte der SVHU als klassentieferer Verein in der Runde der letzten 32 Teams auf dem heimischen Platz am Schäferkampsweg gegen Meppen antreten. Dann aber kam es kurzfristig zu einem ungeahnten Problemen.

Kurzfristiger Tausch des Heimrechts

Die Verantwortlichen des Regionalligisten hatten im Vorfeld der Partie sämtliche Hygiene- und Sicherheitsauflagen erfüllt und der Gesundheitsbehörde des Kreises Segeberg fristgerecht bis zum vergangenen Montag alle erforderlichen Corona-Tests eingereicht.

Drei Tage vor dem Anpfiff folgte plötzlich eine Kehrtwende durch die Behörde, die beim SVHU für Erstaunen sorgte. Manager Norbert Dachsel erhielt am Donnerstagvormittag einen Anruf eines Mitarbeiters des Infektions- und Gesundheitsschutzes im Kreis Segeberg. Darin wurde Dachsel von verantwortlicher Stelle mitgeteilt, dass wegen der Mitte vergangener Woche von Bundeskanzlerin Angela Merkel bekanntgegebenen Verschärfung der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie nun veränderte Hygienemaßnahmen gelten würden – diese wiederum sind in Schleswig-Holstein jedoch erst am heutigen Montag, also einen Tag nach dem Spiel, in Kraft gesetzt worden.

Jetzt drängte auf einmal die Zeit. „Uns hätte eine Geldstrafe im vierstelligen Bereich gedroht, wenn wir die Pokalpartie hätten ausfallen lassen müssen“, sagte Dieter Rautenstengel, Abteilungsleiter für Frauen- und Mädchenfußball beim SV Hen­stedt-Ulzburg.

SV Meppen und DFB reagieren kooperativ

Den besten Lösungsvorschlag hatte Norbert Dachsel in petto. Er empfahl, den SV Meppen kurzfristig zu einem Tausch des Heimrechts zu bewegen. Gesagt, getan – und zur großen Erleichterung der SVHU-Verantwortlichen reagierte der Club aus Niedersachsen, der in der Bundesliga noch auf seinen ersten Saisonsieg wartet, sehr kooperativ. Genau wie der Deutsche Fußball-Bund, der den Hen­stedt-Ulzburgerinnen ebenfalls keine Steine in den Weg legte.

Christian Jürss: „Durchweg negative Testungen in beiden Mannschaften und der Verzicht auf Zuschauer hätten eigentlich ausreichen müssen, um das Match zu Hause unter Profibedingungen durchführen zu können. Ein Heimspiel war für die Behörde aber offenbar ein zu großes Sicherheitsrisiko.“

Wäre der Vorschlag, den Spielort ins Emsland zu verlegen, nicht angenommen worden, hätten sich die SVHU-Frauen mächtig geärgert. Die Spielerinnen waren seit Wochen auf den Pokalfight fokussiert, und sie hatten noch intensiver als sonst üblich trainiert.

Alina Witt und Indra Hahn treffen

Ins Bild passte, dass die Abfahrt nach Meppen nicht ohne Schwierigkeiten über die Bühne ging. Da der gemietete Bus nicht ansprang, musste sich das Team in den Morgenstunden mit Pkws auf den Weg ins Emsland machen. Und auch die Partie in der Hänsch-Arena an der Lathener Straße begann für die Gäste alles andere als planmäßig. Schon nach etwas mehr als einer halben Stunde lagen die Henstedt-Ulzburgerinnen mit 0:2 zurück – aber dann nahm das Match doch noch einen packenden Verlauf.

Torjägerin Alina Witt erspähte kurz vor der Halbzeitpause eine Lücke in der Meppener Abwehr, die fortan verunsichert wirkte. Der Regionalliga-Spitzenreiter, der auch schon unter den Trainer Claus Rath und Tobias Homp zu Zweitligazeiten in die zweite DFB-Pokalrunde eingezogen war, legte ein weiteres Mal nach und markierte durch Indra Hahn das 2:2 (60.). Die große Überraschung war zum Greifen nah, doch am Ende reichte es nicht ganz für den Underdog: Der SVM sorgte in der 79. Minute durch Maike Berentzen für die Entscheidung.

Jürss: „Dass wir einen Erstligisten in Bedrängnis bringen konnten, ist für die Mannschaft eine zusätzliche Motivation für den Punktspielbetrieb in der Regionalliga.“ Dieser wird aber nun erst einmal bis Ende November für vier Wochen unterbrochen.

Video-Übungseinheiten während des Lockdowns

Bis zum Re-Start wollen sich die SVHU-Kickerinnen ähnlich in Bewegung halten wie Mitglieder in Fitnessclubs, die jetzt zumachen müssen: bei Video-Übungseinheiten unter der Regie von Athletik-Trainerin Maria Marrocu.

SV Meppen – SV Henstedt-Ulzburg
3:2 (2:1).
– Schiedsrichterin: Franziska Wildfeuer (VfB Lübeck). – Tore: 1:0 Jennifer Bitzer (22.), 2:0 Jannelle Flaws (31.), 2:1 Alina Witt (42.), 2:2 Indra Hahn (60.), 3:2 Maike Berentzen (79.). – SVHU: Anneke Klaas – Jennifer Michel, Franziska Hilmer, Catherine Knobloch, Sophie Profé (88. Helen Bier) – Malin Hegeler – Indra Hahn (88. Lea Marie Schneider), Friederike Nagorny (81. Monja Kunrath), Jette Schulz, Dana Marquardt (75. Chiara Pawelec) – Alina Witt.