Handball-Oberliga

HT Norderstedt gewinnt Krimi gegen TSV Kronshagen

Eike Wertz erzielte gegen den TSV Kronshagen acht Treffer und war damit bester Norderstedter Torschütze.

Eike Wertz erzielte gegen den TSV Kronshagen acht Treffer und war damit bester Norderstedter Torschütze.

Foto: Anne Pamperin

Der Aufsteiger macht mit toller Moral im Geisterspiel im Schulzentrum Süd einen zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstand wett.

Norderstedt. Tom Dippert hielt es kaum auf seinem Sitzplatz in der Hallenecke. Mit einem Auge schaute der Handballer des HT Norderstedt auf sein Handy, wo auf Youtube der Livestream des Oberligaspiels seiner Mannschaft gegen den TSV Kronshagen lief. In der anderen Hand hielt Dippert, der wegen einer Knieverletzung nur zuschauen durfte, den Wischmopp und wartete darauf, das Team zumindest bei der Hallenbodenreinigung unterstützen zu können.

Liveübertragung auf Youtube

Die Liveübertragung der HTN-Premiere in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein war für die Fans die einzige Möglichkeit, das Spiel zu verfolgen, da wegen der Corona-Pandemie keine Zuschauer im Schulzentrum Süd zugelassen waren. 1000 Aufrufe verzeichnete das Video bis Montagvormittag.

Darunter war sicher auch der eine oder andere Spieler oder Fan, der sich diese denkwürdige Partie mehrmals anschaute. Die Norderstedter gewannen gegen den Tabellenfünften der Vorsaison mit 27:26 (11:14) und boten dabei vor allem in den letzten 20 Minuten eine überzeugende und äußerst konzentrierte Leistung.

„Wir sind nicht gut aus der Halbzeit gekommen und lagen zwischenzeitlich sogar mit sechs Treffern hinten. Trotzdem hatte ich immer das Gefühl, dass wir das Spiel mit viel kämpferischem Einsatz noch drehen können. Dass die Jungs das draufhaben, wusste ich ja“, sagte Trainer Florian Deppe. Der 33-Jährige sollte recht behalten und sah, wie der Vorsprung der Gäste von Minute zu Minute schrumpfte.

Starke Deckung, starker Torhüter

Einen großen Anteil daran hatte die Norderstedter Deckung, die viele Angriffe des TSV abblockte. Als es drauf ankam, wuchs zudem Torhüter Alexander Grollmann über sich hinaus und parierte zahlreiche Würfe auf seinen Kasten. Der 19-Jährige, der vom A-Jugend-Bundesligateam des HSV Hamburg zum HTN gewechselt ist, war nach dem Schlusspfiff restlos begeistert. „Das war ein geiles Spiel. So habe ich mir das vorgestellt hier in Norderstedt. Mit diesem coolen Team macht das einfach wahnsinnig Spaß“, sagte der Henstedt-Ulzburger.

Doch auch die übrigen Neuzugänge demonstrierten ihr Können. Allen voran Eike Wertz, der mehrmals perfekt angespielt wurde und den Ball anschließend blitzschnell und mit viel Power in Richtung gegnerisches Tor transportierte. Wertz harmonierte perfekt mit Tom Minners, dessen Stammverein der ehemalige Stadtrivale Norderstedter SV ist – was früher undenkbar war, funktioniert beim HT Norderstedt mittlerweile ausgezeichnet.

A-Jugend verliert Oberliga-Auftaktmatch

Wer sich das spannende Match noch einmal anschauen möchte, kann das nach wie vor bei Youtube tun. Vor allem die letzten 20 Minuten haben es in sich. Ebenfalls auf dem Onlineportal zu finden ist die Partie der männlichen A-Jugend des HTN gegen den VfL Bad Schwartau. Die Mannschaft von Trainer Benedict Oldag, die ebenfalls in die Oberliga aufgestiegen ist, musste sich zum Saisonauftakt im Schulzentrum Süd dem VfL Bad Schwartau knapp mit 26:27 (11:13) geschlagen geben.

Ob am kommenden Wochenende die nächsten Oberliga-Duelle der Männer, Frauen und A-Jugendlichen stattfinden können, ist wegen der Corona-Lage unsicher. „Wir bereiten uns auf das Duell mit dem TV Fischbek vor. Mehr können wir ja nicht machen“, so Männercoach Florian Deppe. Klar ist wohl, dass in den unteren Klassen weiter pausiert wird.

Doch diese Entwicklung bereitet dem HTN-Vorsitzenden Uli Palm große Sorgen. „Vor allem im Jugendbereich ist die Situation sehr bedenklich. Wir versuchen, die Kinder beim Handballsport zu halten, und bis jetzt klappt das auch noch ganz gut. Aber es kann sein, dass viele bald aufhören, wenn sie kein Training und keine Spiele mehr haben.“

Tore des HTN: Eike Wertz (8), Tim Gottschalk (6), Tom Minners (5), Julian Uwiss, Ole Werner (2) Finn Maciejewski (2/davon 1 Siebenmeter), Felix Minners, Lasse Kohnagel (je 1).