Ausdauersport

Fast jeden vierten Tag ein Marathon

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Anne Pamperin
Gut gerüstet für die sportliche Herausforderung: Thomas Pieper, Doris und Mario Sagasser, Organisatorin Monika Tegge-Walderstein, Yvonne Zindler und Thorsten Schulte (von links) nahmen am 1. Norderstedter Stadtpark Ultramarathon teil.

Gut gerüstet für die sportliche Herausforderung: Thomas Pieper, Doris und Mario Sagasser, Organisatorin Monika Tegge-Walderstein, Yvonne Zindler und Thorsten Schulte (von links) nahmen am 1. Norderstedter Stadtpark Ultramarathon teil.

Foto: Anne Pamperin

Die Norderstedterin Monika Tegge-Walderstein hat sich vorgenommen, in diesem Jahr 100 Läufe über 42,195 Kilometer zu schaffen.

Norderstedt.  Einmal im Leben einen Marathon absolvieren – davon träumen viele Hobbyläufer. Doch um die 42,195 Kilometer am Stück zu bewältigen, sind im Vorfeld zahlreiche und vor allem auch zeitaufwendige Trainingseinheiten nötig. Hinzu kommen ein hohes Maß an Fitness, Disziplin und jede Menge Willenskraft.

Mit solchen Überlegungen beschäftigt sich Monika Tegge-Walderstein schon lange nicht mehr. Die 52-Jährige gehört seit Dezember 2018 dem 100 Marathonclub Deutschland an, einer illus­tren Gemeinschaft von Ausdauersportlern, die mindestens 100 Langstreckenläufe auf dem Buckel haben. Während andere Menschen Schuhe, Taschen oder kleine Figuren horten, sammeln die Mitglieder Distanzläufe. „Wir sind alle ein bisschen verrückt“, sagt Monika Tegge-Walderstein augenzwinkernd und schließt sich da ausdrücklich mit ein.

Vorliebe für ungewöhnliche Events

Ihre Vorliebe für ungewöhnliche Events hat die Norderstedterin in den vergangenen acht Jahren schon oft bewiesen. Mittlerweile stehen 211 Marathons oder längere Distanzwettbewerbe auf ihrer Haben-Seite, darunter auch die 100-Kilometer-Hallenmarathon-Weltmeisterschaft in Senftenberg im Jahr 2018. In der Niederlausitzhalle mussten400 Runden à 250 Meter absolviert werden, erst nach zwölf Stunden war alles vorbei. „Viele Leute haben mir gesagt, ich wäre ja verrückt, immer im Kreis herumzulaufen. Aber das Glücksgefühl, das man im Ziel hat, ist einfach immer wieder geil.“

2019 startete Monika Tegge-Walderstein zusammen mit 19 weiteren Frauen und Männern bei der Weltmeisterschaft im Treppenhaus-Marathon in Hannover. 194-mal mussten die Stufen des Berufsbildungswerkes Annastift hinauf und wieder hinunter gelaufen werden. Pro Runde waren das 26 Etagen mit 432 Stufen, 218,30 Meter Strecke sowie auf- und abwärts jeweils 37,80 Höhenmeter. „Das war wirklich schrecklich, das mache ich nicht noch einmal“, so Monika Tegge-Walderstein, die nach rund 30 Kilometern entnervt ausstieg.

Suche nach Veranstaltungen gestaltet sich schwierig

Wesentlich mehr Spaß macht ihr die aktuelle Herausforderung. In diesem Jahr will Monika Tegge-Walderstein mindestens 100 Marathonläufe absolvieren – also fast jeden vierten Tag einen. „Ich möchte sehen, ob man so etwas auch schaffen kann, wenn man berufstätig ist und jeden Tag acht Stunden arbeiten muss. Die Idee hatte ich schon vor drei Jahren. Mein Mann war aber nicht sehr begeistert und drohte sogar mit Scheidung“, sagt die Marktleiterin des Garstedter Tierfachgeschäftes „Futterhaus“ lachend. „Ich habe dann so lange rumgequakt, bis er sagte: „Mach es!“

Viel problematischer als die vielen Wettkämpfe erwies sich die Suche nach geeigneten Veranstaltungen. Wegen der Coronapandemie müssen Organisatoren stets hohe Hygieneauflagen erfüllen oder dürfen gar keine Läufe ausrichten. Trotzdem hat Monika Tegge-Walderstein mittlerweile 82 offizielle Marathons hinter sich gebracht. Darunter auch zweimal sieben Läufe nacheinander an sieben Tagen. Körperlich ist das kein Problem für die zierliche Sportlerin, die sich seit zehn Jahren ausschließlich vegan ernährt. „Ich habe weder Muskelkater noch sonst irgendwelche Beschwerden nach den Läufen“, sagt sie.

Wenn man nicht allzu pingelig ist, hat Monika Tegge-Walderstein ihr Ziel schon fast erreicht: „Ich bin noch elf weitere Marathons privat gelaufen, das zählt aber nicht, um in die Wertung des 100 Marathon Clubs einzugehen. Dafür müssen die Veranstaltungen offiziell ausgeschrieben sein.“

Es gelten strenge Hygienevorschriften

Durch diese Vorgabe geriet Monika Tegge-Walderstein auch beim 1. Norderstedter Stadtpark Ultramarathon, den sie selbst organisierte, ein wenig in die Bredouille. Einerseits musste eine offizielle Ausschreibung her, andererseits durfte im Stadtpark wegen der Hygienevorschriften keine öffentliche Veranstaltung stattfinden, geschweige denn Werbung für den Lauf gemacht werden.

„Wir waren schließlich sechs Leute und haben die Abstandsregeln sorgfältig eingehalten. Jeder hat seine Runden selber gezählt und die Zeit gestoppt. Es war eine sehr schöne Sache, die ich gerne wiederholen möchte.“ Fünf Aktive liefen 44,1 Kilometer, Thorsten Schulte sogar 46,2 Kilometer.

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