Handball

„Wir sind gut genug, um im Mittelfeld zu landen“

SVHU-Trainer Christian Gosch mit den beiden Neuzugängen Ann-Cathrin Dietrich (l.) und Nele Mönnich.

SVHU-Trainer Christian Gosch mit den beiden Neuzugängen Ann-Cathrin Dietrich (l.) und Nele Mönnich.

Foto: Thomas Maibom

Henstedt-Ulzburg.  Athletiktraining per Videokonferenz und Kleingruppentraining mit Abstand gehören der Vergangenheit an. Seit Anfang September bereiten sich die Drittliga-Handballerinnen des SV Henstedt-Ulzburg intensiv auf die Spielzeit 2020/2021 vor. Auch Trainer Christian Gosch, der sein Team nach dem coronabedingten Abbruch der Vorsaison nur auf wenigen Positionen umbauen muss, fiebert dem Start der Runde Mitte Oktober entgegen.

Hinter dem Übungsleiter und seiner Mannschaft liegen fünf Monate ohne Pflichtspiel, in denen sich trotz großer Einschränkungen einiges getan hat. Fast schon Tradition hat bei den Frogs-Ladies das mannschaftsinterne Tennisturnier zum Start der strapaziösen Vorbereitungsphase. Vor dem Liga-Auftakt am 17. Oktober gegen den TV Oyten sollte noch einmal der Spaß im Vordergrund stehen. Doch damit ist jetzt Schluss.

Punktspielauftakt ist am 17. Oktober

„Wir fokussieren uns auf das erste Punktspiel“, stellt Christian Gosch klar. Seit dem Mitte März verhängten Corona-Lockdown hat das Team des 46-Jährigen kein Handball-Pflichtspiel mehr bestritten. Nachdem im Mai zunächst das Training in festen Gruppen à fünf Personen erlaubt war, konnte der SVHU erst Mitte August mit voller Kaderstärke üben. „Für uns ist das ein Nachteil, weil Teams in anderen Bundesländern viel früher mit der ganzen Truppe arbeiten durften.“

Auch sonst blickt Gosch mit gemischten Gefühlen auf das durch die Pandemie geprägte Frühjahr zurück. „Als wir uns Anfang Mai zum ersten Mal getroffen haben, war die Freude natürlich groß. Da die Einheiten lange in Kleingruppen stattfinden mussten, haben wir mit Physiotherapeutin Kerstin Felgentreu, Neuroathletikcoach Karsten Voß und mir zunächst im halbstündigen Wechsel trainiert. Das war schon eine echte Herausforderung.“

Erschwerend hinzu kam für die SVHU-Verantwortlichen die Unsicherheit, wie der Deutsche Handballbund mit der abgebrochenen Saison verfahren würde. Gosch: „Es wäre utopisch gewesen, die Serie nach einer Pause zu Ende zu spielen. Als dann erklärt wurde, dass eine Quotientenregelung angewendet wird (Anm. d. Red.: Anzahl der Pluspunkte geteilt durch die absolvierten Spiele multipliziert mit 100), war klar, dass wir auf jeden Fall Tabellensiebter werden und nicht absteigen.“

Primäres Ziel ist der Klassenerhalt

Mit Blick auf die neue Nord-Ost Staffel der 3. Liga rechnet der Berufsschullehrer mit einer hohen Leistungsdichte. „Unser primäres Ziel ist der Klassenerhalt. Noch besser wäre es allerdings, den Abstiegskampf komplett zu vermeiden.“ Hinter den vermeintlichen Spitzenteams Frankfurter HC und Buxtehuder SV II erwartet der SVHU-Coach ein Hauen und Stechen um die weiteren Plätze. „Ab Rang sechs beginnt der Abstiegskampf. Mit Pfeffersport Berlin, dem SV Grün-Weiß Schwerin, dem Rostocker HC und der HSG Mönkeberg/Schönkirchen gibt es vier neue Teams in der Staffel, die wir nicht richtig einschätzen können.“

Bange ist ihm deshalb aber nicht. Denn: Im Gegensatz zur Vorsaison stehen die Frogs-Ladies diesmal personell vor keinem großen Umbruch. Neben Linksaußen Nelly Thümer und den Rückraumspielerinnen Janne Harbeck und Meike Schult hat auch Torhüterin Victoria Nigbur den SVHU verlassen. „Sie hat ein Angebot von Werder Bremen aus der 2. Liga angenommen. Ihr Abgang ist schade, weil sie ein wichtiger Rückhalt für uns war.“ Zwar sei man mit Merline Wünsche und Pia Belza nach wie vor gut aufgestellt, den Keeperinnen dürfe aber nichts passieren. „Ich hätte gerne noch eine dritte Torhüterin im Aufgebot, wir haben aber keine bekommen“, sagt Gosch.

Jana Grützner hat ihren Kreuzbandriss auskuriert

Neu im Team sind Linksaußen Ann-Cathrin Dietrich (21) vom ATVM Hamburg und Rückraumspielerin Nele Mönnich (HSG Blomberg-Lippe). Die 19-Jährige soll mit Tarja Pauschert für Kreativität und Torgefahr im Angriff sorgen. Und Kreisläuferin Jana Grützner ist nach ihrem überstandenen Kreuzbandriss wieder voll ins Training eingestiegen. „Wir sind gut genug, um im Mittelfeld der 3. Liga zu landen. Die Mädels müssen jetzt den nächsten Schritt machen. Wenn ihnen das gelingt, können wir uns auf eine tolle Saison freuen.“

Ein kleines Fragezeichen steht für den Trainer und seine Crew hinter der wirtschaftlichen Lage. „Wir müssen sparen, ganz klar. Es gibt kein Trainingslager in Dänemark, die Ausrüstung wurde reduziert und zu einigen Auswärtsspielen werden wir nicht mit dem Reisebus fahren.“

Beim SV Henstedt-Ulzburg betrachte man immer das Gesamtpaket aller Teams, weshalb durch die Absage des rentablen Ulzburg-Cups große Einbußen für die gesamte Abteilung anfallen. „Außerdem wissen wir nicht genau, was mit den Zuschauern wird“, fügt Gosch an. „Streng genommen dürfen wir nur 60 Fans in die Halle lassen, wenn überhaupt. Das wird eine sterile Atmosphäre. Doch wir leben von der Stimmung.“