Leichtathletik

Der Kreisrekord im Diskuswerfen bleibt in der Familie

Nachwuchstalent Emily Scherf (13, SV Friedrichsgabe) eifert erfolgreich ihrer Mutter Sandra (43) nach, die 1995 Deutsche Jugendmeisterin im Kugelstoßen war und immer noch zahlreiche Kreisrekorde hält.

Nachwuchstalent Emily Scherf (13, SV Friedrichsgabe) eifert erfolgreich ihrer Mutter Sandra (43) nach, die 1995 Deutsche Jugendmeisterin im Kugelstoßen war und immer noch zahlreiche Kreisrekorde hält.

Foto: Anne Pamperin

Emily Scherf vom SV Friedrichsgabe verbessert in der Altersklasse W 13 mit 32,33 Metern die Bestmarke ihrer Mutter aus dem Jahr 1990.

Norderstedt.  „Meine Lieblingsdisziplin? Ach, das kann ich gar nicht sagen. Eigentlich mag ich alles gleich gern“, sagt Emily Scherf (13), Leichtathletin vom SV Friedrichsgabe. Dass die talentierte Sportlerin nicht nur fleißig wirft, läuft und springt, sondern in allen Disziplinen auch tolle Leistungen bringen kann, beweist sie seit Wochen.

Die Henstedt-Ulzburgerin stellt in der Altersklasse W 13 einen Kreisrekord nach dem anderen auf – zuletzt sicherte sie sich auf der Anlage des SVF den Kreismeistertitel im Dreikampf der Schülerinnen W 13 und stellte mit 1467 Punkten eine neue Bestmarke auf. Ebenfalls erwähnenswert sind ihre Topleistungen in den Einzelwettbewerben, speziell in den Wurfdisziplinen.

Roy Brusenbauch trainiert das Multitalent

Beim Wurf-, Sprint- und Lauftag in Eutin war Emily Scherf im Diskuswerfen mit 32,33 Metern nicht zu schlagen und freute sich hinterher diebisch. Der Grund: Die Kreis-Bestmarke (27,22 Meter) aus dem Jahr 1990 hielt bisher ihre Mutter Sandra Scherf. Die heute 43-Jährige erzielte in Diensten der Leichtathletikgemeinschaft Henstedt-Ulzburg unter ihrem Mädchennamen Harms reihenweise Rekordweiten auf und wurde 1995 sogar Deutsche Jugendmeisterin im Kugelstoßen.

Frei nach dem Motto „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ hat Emily Scherf seit dem siebten Jahr ihre Leidenschaft für die Leichtathletik entdeckt; zunächst beim MTV Heide. „Das Bahneröffnungsfest vor sieben Jahren im Friedrichsgaber Waldstadion war mein erster Wettkampf überhaupt“, erinnert sich Emily, die seit 2019 im Leibchen des SVF startet. Dort trainiert sie unter der Regie von Roy Brusenbauch. „Bei den Wurfdisziplinen unterstütze ich ihn und gebe Emily noch ein wenig Extra-Unterricht“, sagt Sandra Scherf. Also übt das Trio regelmäßig gemeinsam auf der Anlage an der Lawaetzstraße.

Auch im Ballwurf ist Emily eine Könnerin

Emily nimmt dabei die drei Kilogramm schwere Kugel in die Hand, die ihrer Mutter ist 1000 Gramm schwerer. „Bis jetzt bin ich noch etwas besser“, sagt Sandra Scherf, die mit 12,78 Metern nach wie vor den W-13-Kreisrekord und mit 14,73 Metern auch noch die Frauen-Bestmarke im Kugelstoßen hält. Wie gut ihre Tochter aber auch mit anderen runden Sportgeräten umgehen kann, hat sie kürzlich bei den offenen Kreismeisterschaften von Nordfriesland bewiesen. Dort wurde sie im Ballwurf mit 49,50 Metern Erste – und stellte gleichzeitig einen weiteren Kreisrekord holte. Die alte Bestmarke (48 Meter) hatte Smilla Brusenbauch, die Tochter ihres Trainers, 2013 aufgestellt.

Die zweite große Leidenschaft der Scherfs neben der Leichtathletik ist der Handball. Mutter Sandra war jahrelang aktive Spielerin, Tochter Emily geht aktuell für die weibliche C-Jugend-Mannschaft des SV Henstedt-Ulzburg im Rückraum auf Torejagd. Auch eine Einladung zur Landeskader-Sichtung steht schon im Raum.

Handball ist die zweite Leidenschaft der Scherfs

Als wegen der Corona-Pandemie das Handball- und auch das Leichtathletiktraining auf ein Minimum heruntergeschraubt werden mussten, arbeitete Emily Scherf eisern die Pläne ihres Handballcoaches ab – mit Erfolg. Seit dem Ende der Zwangspause präsentiert sich die junge Mehrkämpferin in Topform und hat auch bei den letzten Leichtathletik-Wettbewerben der Freiluftsaison noch einmal Gas gegeben.

Bei den Landesmeisterschaften der Schülerinnen W 14 war sie eine Klasse für sich. Emily Scherf holte sich nicht nur den Titel im Kugelstoßen (11,39 Meter), sondern wurde auch Erste im Diskuswerfen. Sie schleuderte die ein Kilogramm schwere Scheibe auf 27,31 Meter und verfehlte damit nur knapp den
W-14-Kreisrekord aus dem Jahr 2017 von Pia Steffens (SC Rönnau 74/27,45 Meter).

Zwei Goldmedaillen bei W-14-Landesmeisterschaften

2021 soll endlich die erste Teilnahme an Deutschen Meisterschaften folgen, was bisher aus Altersgründen noch nicht möglich war. Mit 14 Jahren ist dann zumindest im Mehrkampf ein Start bei nationalen Titelkämpfen erlaubt. Zur Auswahl stehen dann der Block Wurf oder auch ein Start im Siebenkampf.

Beides klingt für Emily Scherf inter­essant. Während viele Spezialisten den Mehrkampf scheuen, weil sie mindestens eine Disziplin gar nicht mögen, hat die Neuntklässlerin keine Berührungsangst; auch nicht vor dem vielfach ungeliebten 800-Meter-Lauf. „Da muss man doch einfach nur rennen. Und kann ich doch auch ganz gut“, sagt sie lachend.