DFB-Pokal

SV Todesfelde hofft auf die nächste Sensation

Die letzten Vorbereitungen im Joda-Sportpark: Zimmermann Olaf Warn vor den eigens für das DFB-Pokalspiel installierten Sitzplatzreihen.

Die letzten Vorbereitungen im Joda-Sportpark: Zimmermann Olaf Warn vor den eigens für das DFB-Pokalspiel installierten Sitzplatzreihen.

Foto: Thomas Maibom

Der Dorfclub fiebert der Erstrundenpartie gegen den VfL Osnabrück entgegen. Den Kampf ums Heimrecht haben die Fußballer schon gewonnen.

Todesfelde. Das größte sportliche Ereignis aller Zeiten im 1100-Einwohner-Ort steht kurz bevor. Die Sensationsmannschaft aus dem Kreis Segeberg fiebert ihrem großen Auftritt in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals entgegen, in der Provinz wird ein Traum wahr. Fünftligist SV Todesfelde steht am Sonnabend im Rampenlicht des deutschen Fußballs, wenn er im Joda-Sportpark um 15.30 Uhr auf den VfL Osnabrück (2. Bundesliga) trifft.

Bezahlsender Sky und ARD-Sportschau berichten

Drei Wochen nach dem Husarenstück von Malente im Landespokal-Finale gegen den Drittliga-Club VfB Lübeck (3:2) wollen die Oberliga-Kicker erneut nach den Sternen greifen. TV-Bezahlsender Sky berichtet live, die ARD-Sportschau wird die Partie ebenfalls aufarbeiten. Was wäre das noch einmal für eine Steigerung, sollten die Todesfelder auch diese schwierige Hürde nehmen.

So weit denken die Verantwortlichen aus dem Organisationsteam des Dorfclubs noch nicht voraus, wenngleich für sie die nächste Sensation nicht völlig ausgeschlossen ist. „Wir motivieren uns gegenseitig bei dem Gedanken, für eine weiteren Coup zu sorgen“, sagt Teammanager Timo Gothmann, der Hauptverantwortliche für das Organisationsteam.

Der Außenseiter geht selbstbewusst ins Match

Außenseiter SVT geht mit dem gebotenen Respekt, aber nicht ehrfürchtig ins Match. „Der VfL Osnabrück ist eine gute Zweitliga-Mannschaft“, so Gothmann. Und Teamchef Sven Tramm ergänzt: „Wir schauen nicht nur auf den Gegner, sondern wollen unsere eigenen Akzente setzten. Schon gegen den VfL Lübeck ist es uns gelungen, hinten gut zu stehen und im Spiel nach vorn was zu machen.“ Hauptsponsor Bernd Jorkisch strotzt derweil vor Optimismus. Sein Tipp: „Wir gewinnen 2:1.“

Der Triumph gegen Lübeck hatte Gothmann und den Vereinsvorsitzenden Holger Böhm in dem Bestreben bestärkt, das Heimrecht gegen Osnabrück in Anspruch zu nehmen und dafür die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen. Am Ende passte alles: Nachdem die Todesfelder dem Gesundheits- und dem Ordnungsamt ein schlüssiges Sicherheits und Hygienekonzept vorgelegt hatten, bekamen sie Ende der vergangenen Woche den Zuschlag vom Deutschen Fußball-Bund.

Tausch des Heimrechts war nie ein Thema

Eine ganze Reihe von Amateurvereinen hatte sich wegen des finanziellen Risikos gescheut, ihre Partien gegen die Proficlubs zu Hause auszutragen. Für den SV Todesfelde stand diese Variante nie zur Diskussion. Clubboss Böhm betonte schon vor Wochen, dass man sich das einmalige Event nicht entgehen lassen und gerade während der Corona-Pandemie ein Heimspiel für die eigenen Fans bieten wolle – auch wenn diese lediglich vor dem Fernseher im heimischen Wohnzimmer die Gelegenheit zum Zuschauen hätten.

„Nur bei einem einzigen Gegner hätten wir eine Ausnahme gemacht und auf unser Heimrecht verzichtet“, sagte Holger Böhm gegenüber NDR 2. Der Kommunikations-Spezialist und Stadionsprecher meinte damit den FC Bayern München und fügte lächelnd hinzu: „Sollten wir in der zweiten DFB-Pokalrunde noch dabei sein und dann auf die Bayern treffen, können wir die Sache ja noch mal neu überdenken.“

Ministerpräsident Daniel Günther will kommen

Den Pokal-Hit am Sonnabend werden 350 Personen unter strengen Sicherheitsauflagen im Joda-Sportpark verfolgen. Als Stargast hat sich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) angesagt. Hinzu kommen Dauerkartenbesitzer mit einem Online-Vorkaufsrecht (eine Tageskasse gibt es nicht), ein Sponsorenpool, verschiedene Honoratioren, Vorstandsmitglieder, Funktionäre, Schiedsrichter, ein Ältestenrat, ein vom Clubbeauftragten Dominik Lembke auserwählter Fankreis, etwa akkreditierte 30 Medienvertreter von Funk, Fernsehen und Tageszeitungen, Gäste vom Schleswig-Holsteinischen- und vom Kreisfußballverband, vom Kreissportverband sowie Delegationen des VfL Osnabrück und des DFB.

Mobile Sitzplatzreihen vor der Haupttribüne

Letzterer wird bis zum Spieltag am Sonnabend diverse LED-Werbebanden rund um den Sportplatz anbringen. Das SVT-Stadion ist in relativ kurzer Zeit neu hergerichtet worden und präsentiert sich nun in einem schmucken Zustand. Gäste finden auf der Haupttribüne sowie davor und daneben installierten mobilen Schalensitzen Platz. Die Auswechselbänke für die Spieler befinden sich auf der Gegenseite, wo auch die Fernsehkameras aufgestellt werden. Was sich in Todesfelde so alles in den vergangenen Tagen getan hat, ist übrigens auf einem Zeitraffer-Video bei Instagram zu sehen.

Timo Gothmann war unter Woche in Lübeck, um bei der Kreativagentur Brand Orange die Trikots des Deutschen Fußball-Bundes mit dem goldenen Pokal auf dem Ärmel, die in den Hauptrunden-Partien des Cupwettbewerbs getragen werden müssen, abzuholen. „Das Outfit wird uns bestimmt gut stehen“, sagt Mannschaftskapitän Luca Sixtus.

Für den Einzug in Runde zwei gibt’s 350.000 Euro

Sollten die SVT-Kicker durch einen Sieg gegen den VfL Osnabrück tatsächlich weiterkommen, könnten sich die Vereinsverantwortlichen übrigens richtig freuen: Der Einzug in die nächste Runde ist mit etwa 350.000 Euro dotiert. Holger Böhm betont aber: „Geld ist für uns nicht der entscheidende Aspekt. Der Imagegewinn hat mehr Bedeutung.“