Wegen Corona

Stell dir vor, es ist Fußball-Länderspiel …

Grund zum Jubeln gab’s für die DFB-Elf beim 1:2 gegen die effizienter spielen Dänen nur nach dem Treffer von Jamie Leweling in der 2. Minute.

Grund zum Jubeln gab’s für die DFB-Elf beim 1:2 gegen die effizienter spielen Dänen nur nach dem Treffer von Jamie Leweling in der 2. Minute.

Foto: Tim Groothuis / WITTERS

… und die Zuschauer müssen draußen bleiben. So wie bei der U-20-Partie zwischen Deutschland und Dänemark in Norderstedt.

Norderstedt.  Es war ein besonderer Abend für die deutsche U-20-Nationalmannschaft im Edmund-Plambeck-Stadion. 2112 begeisterte Zuschauer unterstützten das Nachwuchsteam. Und trotz der unglücklichen Testspiel-Niederlage feierte Norderstedt ein Fußballfest. Am 10. Oktober vergangenen Jahres war das, Polen hieß der Gegner, 3:4 lautete das Ergebnis.

Elf Monate später erinnerte im Edmund-Plambeck-Stadion nur die unglückliche Pleite an die Vor-Corona-Zeit. Beim Re-Start auf deutschem Boden unterlag das Team von Guido Streichsbier im Freundschaftsspiel gegen Dänemark völlig unnötig mit 1:2 – vor knapp 60 Personen. Ein bisschen Presse, einige Offizielle des DFB, einige Scouts, Uwe Seeler als Ehrengast, aber keine Zuschauer – oder kurz gesagt: Stell dir vor, es ist Länderspiel – und die Fußball-Fans müssen draußen bleiben!

DFB geht sensibel mit dem Thema Corona um

Schon früh hatte der DFB entschieden, die Partie unter Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen. Mit einem klaren „Nein“ beantwortete U-20-Teammanager Tim Fließ (29) im Vorfeld der Begegnung die Frage, ob es Überlegungen gegeben habe, wenigstens ein paar Anhänger ins Stadion zu lassen. Seine Begründung? „Wir als DFB gehen sehr sensibel und verantwortungsvoll mit dem Thema Corona um. Wir wollten einfach jedes Risiko so gut wie möglich ausschließen.“

Das Hygienekonzept für die U-20-Partie gegen das Nachbarland wurde dafür leicht abgewandelt vom Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) übernommen. „Natürlich“, so Fließ vor dem Match, „haben auch unsere Jungs mehr Spaß daran, vor Zuschauern zu spielen. Aber es ist immer noch ein Länderspiel. Und ich denke, da überwiegt bei den Jungs die Vorfreude, wieder auf den Platz zu dürfen.“

Nationalhymnen werden mitgesprochen

Die Umstände allerdings muteten manchmal schon etwas seltsam an. Und das nicht nur, weil die Hymnen der Nationalmannschaften von einigen Zuschauern und Spielern – teils sehnsüchtig – mitgesprochen wurden, da das Singen nicht erlaubt war. Vielmehr erschloss sich bei aller berechtigten Vorsicht und einer insgesamt starken Organisation des DFB der Sinn einiger Maßnahmen nicht. So durften die wenigen Fotografen nicht am Spielfeldrand sitzen, sondern mussten ihre Bilder von der Tribüne aus schießen.

Dort, und nicht auf den Ersatzbänken, hatten auch die Reservespieler beider Mannschaften – übrigens ebenfalls unter Wahrung der Abstandsregeln – Platz genommen. Spielerinterviews wurden vom DFB aus zwei Gründen abgelehnt. Zunächst wegen Corona. Dann wiederum lautete die Auskunft, es sei unüblich, mit U-20-Akteuren nach der Partie zu reden.

Sehr strenges Hygienekonzept

Mit der Corona-Begründung sollte auch ein Interview mit Coach Guido Streichsbier nach dem Spiel entfallen. Auf die Nachfrage, worin denn die Gefahr eines Gesprächs mit Masken unter Wahrung der Abstandsregeln läge, zeigte sich der DFB wiederum plötzlich erfreulich flexibel – und ermöglichte so immerhin einen O-Ton von Streichsbier (50).

Der gebürtige Karlsruher und frühere Spieler der TSG Hoffenheim (1999 bis 2002) hatte sich vor dem Spiel mit seiner Mannschaft in einer eigenen Corona-Blase bewegt. Und das nicht nur wegen des obligatorischen Tests auf das Sars-CoV-2-Virus. Weder im Hotel Treudelberg noch beim Training auf den Paul-Hauenschild-Plätzen an der Ulzburger Straße hatten er und sein Team nahen Kontakt zu anderen Personen; der Teamsbus fuhr die Truppe bis auf 25 Meter an den Trainingsplatz heran.

Nach dem Spiel gegen Dänemark lobte Streichsbier vor allem Norderstedt. „Die Anlage des Hamburger SV war toll, der Platz im Edmund-Plambeck-Stadion ist in einem Top-Zustand. Wir haben uns sehr willkommen gefühlt, sind ja schon fast standardmäßig mit unseren U-Nationalmannschaften hier zu Gast. Und alle unsere Trainer äußern sich stets positiv. Schade war natürlich, dass keine Fans dabei sein durften.“

Wunderkind Youssoufa Moukoko

Mit dem Ausgang der Partie selbst war Guido Streichsbier verständlicherweise nicht zufrieden. Zwar hatte das 15 Jahre alte Wunderkind Youssoufa Moukoko von Borussia Dortmund die frühe Führung durch den Fürther Jamie Leweling vorbereitet (2.). Der Youngster vergab in der 16. und 17. Minute aber auch zwei hundertprozentige Möglichkeiten.

Die auch danach immer wieder deutlich werdende Abschlussschwäche der deutschen Elf rächte sich schließlich durch zwei Treffer der Dänen durch Jonas Mortensen (66.) und Mohamed Da­ramy (68.), die die einzigen echten Gelegenheiten der Skandinavier verwerteten.

DFB-Coach Streichsbier ärgerte sich über die mangelnde Chancenverwertung, zeigte sich aber mit Moukokos Debüt aus gutem Grund „sehr zufrieden“. Spielt der so weiter, ist sein erstes Tor für die U 20 nur eine Frage der Zeit. Vielleicht trifft er irgendwann ja auch im Edmund-Plambeck-Stadion. Vor über 2000 Fans. Nach Corona.