FUSSBALL

So lief der erste Corona-Test in Todesfelde

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Karsten Jaeger
Bei Luca Sixtus, dem Kapitän des SV Todesfelde, wurde ein Rachenabstrich gemacht. Die Analyse erfolgte in einem Kieler Labor.

Bei Luca Sixtus, dem Kapitän des SV Todesfelde, wurde ein Rachenabstrich gemacht. Die Analyse erfolgte in einem Kieler Labor.

Foto: Thomas Maibom

Fußballer des Oberligameister werden auf mögliche Infektionen untersucht – eine Vorgabe für das Pokalfinale gegen Lübeck.

Todesfelde. Luca Sixtus blickte immer wieder auf sein Handy, in der Hoffnung, brandaktuelle Nachrichten zu einem Thema zu erhalten, das jeden im Umfeld der Todesfelder Oberliga-Fußballer in diesen Tagen beschäftigt. Doch die Informationen kamen (noch) nicht – und zwar darüber, was der erste von zwei geforderten Corona-Tests vor dem Landespokal-Endspiel am 22. August gegen den VfB Lübeck ergeben hatte.

So schnappte sich der 25 Jahre alte Mannschaftskapitän des amtierenden Meisters wie seine Mitspieler auch die Sportsachen und fuhr los ins Trainingslager nach Mözen (zwölf Kilometer entfernt von Bad Segeberg), wo der 24-köpfige Kader noch bis Sonntag ein Trainingslager abhält. Teamchef Sven Tramm sowie die beides Coaches Bastian Holdorf und André Friedrichs (Torwarttrainer) wollen ihre Schützlinge im Hinblick auf das größte Highlight der Clubgeschichte gegen den Drittligisten aus Lübeck selbst in Anbetracht einer kurzen Vorbereitungszeit und der Problematik fehlender Testspiele bestens präparieren.

Torhüter Fabian Landvoigt, der Mann mit der Nummer eins auf dem Rücken, war der erste, der den Raum betrat, wo Franziska Stein auf ihn wartete. Die Hygiene-Beauftragte des SVT und Lebensgefährtin von Teammanager Timo Gothmann assistierte dem stellvertretenden Todesfelder Mannschaftsarzt Dr. Dirk Haupt (Bad Schwartau) bei den sogenannten Corona-PCR-Tests, die den Verein pro Mann 60 Euro kosten.

Kein Akteur klagt über Corona-Symptome

Nachdem Fabian Landvoigt seine persönlichen Daten auf einem Zettel notiert hatte, betrat er einen desinfizierten zweiten Raum. Dort nahm Haupt, einer der Mannschaftsärzte der Handball-Zweitligamänner des VfL Lübeck-Schwartau, einen sterilisierten Watteträger in die Hand und führte den Test durch – nach rund zehn Sekunden war der erste Kicker durch. Rund 20 Minuten später war Kapitän Sixtus für den Rachenabstrich an der Reihe. „Mich beklomm ein merkwürdiges Gefühl, als mich der Arzt aufforderte: Kopf in den Nacken, Mund auf und die Zunge raus.“ Auf dem Platz ist sich der Mittelfeldmotor für nichts zu schade, diesmal war es anders. „Ich bekam Würgegefühle und war froh, als es vorbei war.“ So „schlimm“ wie er fanden es die anderen Spielern nicht...

Dirk Haupt war übrigens das erste Mal überhaupt in Todesfelde. Der 59-Jährige ist als Orthopäde an der Ostseeklinik in Bad Schwartau tätig. Nach drei Stunden war er von seiner erfolgreichen medizinischen Premiere im Joda-Sportpark wieder nach Hause zurückgekehrt. Fast zeitgleich hatte sich Teammanager Gothmann auf den Weg nach Kiel gemacht, um in einem Labor die verschlossenen Plastikröhrchen abzugeben. Normalerweise dauert es zwei Tage, bis die Testergebnisse vorliegen. Bei Redaktionsschluss war noch nichts bekannt.

Dirk Haupt: „Profifußballer werden ja einer systemrelevanten Gruppe zugerechnet, und das Konzept der DFL ist ja auch aufgegangen. Bei den Amateuren wären Auswirkungen bei positiven Testergebnissen viel schlimmer. Im großen Stil können ja keine Vorkehrungen getroffen werden, die zum Beispiel häufige Tests beinhalten.“ Teamchef Tramm hatte sich vor dem Test zuversichtlich geäußert: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand positiv getestet wurde. Ich kenne sie, die Jungs sind total diszipliniert, se würden in einer solchen Situation niemals über die Stränge schlagen und die Corona-Auflagen missachten.“ Dazu passt, dass es in der Mannschaft keine Akteure mit corona-typischen Symptomen (Fieber, Erkältung, Kopfschmerzen) gibt.

Bevor es am 22. August im Uwe-Seeler-Fußballpark zum großen Showdown im Pokal kommt (geplanter Spielbeginn 16.45 Uhr), müssen sich die Todesfelder zwei Tage vorher (20. August) das zweite Mal testen lassen. Erst danach herrscht Gewissheit, ob der Ball auch wirklich rollt. Es wird in Malente erneut ein Geisterspiel, es gibt keine Tickets für Fans der beiden Finalisten.

Kurz-Trainingslager am Mözener See

Am Mözener See dürfte sich der Kader trotz des zu erwartenden harten Trainingslagers wohlfühlen. Insbesondere für die Konditionseinheiten hatte sich der SVT in den letzten Tagen bereits mehrfach am Großen Segeberger See getroffen. Hier schickten Tramm, Holdorf und Friedrichs die Akteure unter anderem einmal 7,3 Kilometer rund um den See, die Spieler blieben in einer größeren Gruppe und versuchten, eine möglichst gute Zeit herauszulaufen. Im Schnitt brauchten sie für die Strecke 35 Minuten. Beim zweiten Mal liefen die Spieler vorbei an Sandbergen und Schafkoppeln. Sven Tramm und Bastian Holdorf fuhren mit dem Rad hinterher und verfolgten das Pensum der Akteure. Die passierten unterwegs mehrere Stopps. Bei drei Anstiegen mussten sie einen kurzen, einen mittleren und einen langen Sprint hinlegen. „Wir waren ganz schön platt“, sagte Stürmer Morten Liebert, erfolgreichster Schütze der Vorsaison, der mindestens noch zwei weitere Jahre in Todesfelde bleiben wird. „Wenn wir im Pokalendspiel mithalten wollen, müssen wir schnellstmöglich in Schwung kommen, auch ohne Testspiele.“

Das hört sich auch für den neuen Sportlichen Leiter Serkan Rinal gut an. „Ich weiß, wie schwer es ist, sich in einem sehr langen Zeitraum auf ein Ziel zu fokussieren und anschließend möglicherweise eine neue Zwangspause einzulegen“, sagt der Ex-Profi. Denn wie das Programm der Pflichtspiele nach dem 22. August weitergeht, ist noch unklar, ein Datum für den Ligastart gibt es nicht. Eines wissen die Todesfelder aber: Die erste DFB-Pokal-Runde ist vom 11. bis 14. September. Vorher muss nur noch die Sensation gegen Lübeck gelingen.

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