FUSSBALL

Bei Nick Gutmann ist der Name Programm

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Mirko Schneider

Der torgefährliche Rechtsaußen ist neu bei Eintracht Norderstedt. Zuletzt galt er als einer der Top-Spieler in der Oberliga Hamburg.

Norderstedt. Manche Personen stellen leichte Ziele für Sprüche dar – und das nicht, weil sie ständig Skandale produzieren oder in Fettnäpfchen treten. Nick Gutmann ist so ein Fall. „Das war gut, Mann!“, „Guter Mann!“, „Richtig gut, Mann!“, Echt gut, Mann!“ – in unzähligen Variationen nutzt nicht nur der Amateurfußball-Boulevard den Namen des Sommer-Königstransfers von Eintracht Norderstedt für allerlei leidlich lustige Wortwitze. Oft nett gemeint, doch in seiner Einfallslosigkeit und ständigen belanglosen Wiederholung reichlich öde. Ist Gutmann davon genervt? „Überhaupt nicht!“, ruft er zum Beginn des Gesprächs gleich aus. „Ich sage stets: Leute, mein Name ist eben Programm!“

In der Jugend spielte er bei Werder Bremen

Und gut, ja, das ist dieser Nick Gutmann wirklich. Als Jugendlicher verfolgte der sich auf der rechten Außenbahn daheim fühlende 23-Jährige seinen großen Profitraum. Er spielte in der U 17 und U 19 von Werder Bremen. Für den Sprung ins Profilager reichte es zwar nicht, aber über den FC Oberneuland und den Lüneburger SK Hansa fand Gutmann im Sommer 2017 den Weg zum Hamburger Oberligisten FC Teutonia 05. Dort avancierte er zu einem prägenden Akteur, einem der besten Spieler der Oberliga Hamburg. „Als ich zu Teutonia kam, hatte ich sehr wenig Selbstvertrauen. Doch dort bin ich sehr gereift, habe wahnsinnig viel gelernt. Ich werde dem Verein immer dankbar sein und nie ein schlechtes Wort über ihn verlieren“, sagt Gutmann.

Bei den Teutonen entdeckte er nicht nur den Glauben an sich selbst wieder, sondern auch seine Torgefährlichkeit. Vom Rechtsverteidiger entwickelte er sich zum rechten Außenstürmer, brachte es in 76 Partien auf 24 Treffer und 19 Vorlagen. Bedeutet: In mehr als jedem zweiten Spiel war Gutmann an der Entstehung eines Treffers beteiligt. Ab und zu spielte er sogar ganz vorne drin, im Sturm. Seine Wunschposition ist das allerdings nicht. „Stellt mich der Trainer ins Sturmzentrum, spiele ich das selbstverständlich“, beteuert er. „Aber ich mag es lieber, wenn ich meine Schnelligkeit auf der Außenbahn einsetzen, nach innen ziehen und schießen oder flanken kann.“

Diese Qualitäten waren der Eintracht längst aufgefallen. „Wir hatten Nick schon vor Beginn der letzten Saison auf dem Zettel. Nur herrschte bei uns rechts offensiv kein Bedarf. Nach den Abgängen von Nathaniel Amamoo und Lennart Keßner hat sich das aber geändert“, sagt Trainer Jens Martens. Auch die Gespräche mit Gutmann gefielen ihm. „Nick hat sich als sehr aufgeräumter und ehrgeiziger junger Spieler präsentiert. Er ist schnell, wendig und torgefährlich. Er weiß aber auch, dass er sich bei uns neu durchbeißen muss.“

Johann von Knebel ist auch sein Studienkollege

Dass Gutmann dies nun versucht und das große Ziel Regionalliga Nord in Angriff nimmt, liegt nicht zuletzt an seinem Freund Johann von Knebel, der bei der Eintracht seit seinem Wechsel vom Landesligisten FC Voran Ohe im Sommer 2018 als variabler offensiver Mittelfeldspieler durchstartete. „Johann und ich studieren beide Sportmanagement an der Hochschule Fresenius. Wir kommen nun beide ins fünfte Semester unseres Bachelorstudiums, haben sogar bereits ein Referat zusammen gehalten“, sagt Gutmann. „Natürlich habe ich mich bei Johann intensiv über die Eintracht erkundigt. Er hat mir nur das Beste erzählt. Vor allem, wie menschlich und gleichzeitig professionell es hier zugeht. Und dieser Eindruck hat sich bislang bei mir voll bestätigt.“

Somit kann Gutmann, dessen Vater (Sport & Mode Gutmann’s in Bruchhausen-Vilsen) und Mutter („Gutmann“ in Bremen/Damenmode) eigene Geschäfte führen, seinen täglichen Kaffeegedanken noch wohlgesinnter frönen. Er ist nämlich leidenschaftlicher Kaffeetrinker, postet sogar Fotos von sich beim Genuss des Muntermacher-Getränks auf Instagram. „Ich nehme mir jeden Tag Zeit für einen Kaffee, ob daheim oder auswärts. Dabei denke ich dann auch über den Sinn des Lebens nach. Ich mag das einfach, und das muss sein“, sagt Gutmann.

Im Pokal könnte es gleich gegen den Ex-Club gehen

Vielleicht ersinnt er dabei schon eine Strategie für seinen ersten Pflichtspieleinsatz im Eintracht-Dress. Nachdem die Stadt Hamburg den Spielbetrieb wieder genehmigt hat, spielt Eintracht Norderstedt im Lotto-Pokal-Viertelfinale am 8. oder 9. August ausgerechnet beim FC Teutonia 05 (siehe Story unten).

Gutmann half mit, den Regionalligaaufsteiger Teutonia ins Viertelfinale zu bringen, doch nun wäre er – Corona macht es möglich – laut der geänderten Regularien für die Eintracht spielberechtigt. „Das wäre echt cool. Ich hätte richtig Bock darauf, alle Jungs von Teutonia sofort wiederzusehen und gegen sie zu spielen“, sagt Gutmann. Und wenn er die Eintracht ins Halbfinale schießt, wäre das natürlich ein echt guter Start.

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