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Die Chronik – 50 Jahre Sport in Norderstedt

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Christopher Herbst
29. Juni 1979: Leise Kritik an Handballtrainer Udo Raddatz, der im Sommer lieber Tennis spielt. Kleinfeld-Meister wird sein TuRa-Team dennoch.

29. Juni 1979: Leise Kritik an Handballtrainer Udo Raddatz, der im Sommer lieber Tennis spielt. Kleinfeld-Meister wird sein TuRa-Team dennoch.

Foto: Christopher Herbst

Das Abendblatt war seit der Stadtgründung am 1. Januar 1970 immer am Ball. Unternehmen Sie mit uns eine Reise ins Jahr 1979.

Ein „Volleyballkrieg“ beim 1. SC Norderstedt: Der Vorstand will Spielertrainer Klaus Becker und fünf weitere Akteure wegen vereinsschädigendem Verhaltens (sie waren zweimal nicht angetreten aus Protest gegen den neuen Trainer Günter Blume) rausschmeißen. Die Beschuldigten rufen den Ältestenrat an. Und erhalten zunächst einmal Trainingsverbot für die Sporthalle am Lütjenmoor. Auf einer Mitgliederversammlung wird nach einem Kompromiss gesucht. NZ-Sportredakteur Christian-Albrecht Thiel nennt all das „Schmierentheater“. Der Ältestenrat urteilt: Nur zwei Mann sollen gehen. Darunter Becker, der sich wenig später dem HSV anschließt.


Aus der Heizung strömt kalte Luft, die Duschen haben nur kaltes Wasser: Die Handballfrauen des 1. SC Norderstedt und deren Zuschauer sind empört über den „Kühlschrank“ Falkenberghalle. Der Vorwurf: Die Stadt spart beim Hausmeister, die Sportler müssen darunter leiden.

Das Gehen bleibt die Paradedisziplin des SV Friedrichsgabe. Bei den Schleswig-Holsteinischen Landesmeisterschaften gewinnt Dr. Harm Brandt über die 10-Kilometer-Bahnendistanz, Dr. Wilfried Zabel wird Dritter.

Bei den abstiegsgefährdeten Fußballern des SCN, die als Tabellenletzter der Verbandsliga überwintern, schmeißt Coach Heinz Borstelmann das Handtuch. Wolfgang Bartles soll das Team nun retten. Im Sommer steht der Abstieg allerdings fest. Bartles fliegt wenig später als Folge eines Streits mit Mannschaft und Vorstand schon nach dem ersten Landesliga-Spieltag raus. Nächster Coach: Ulrich Lutkus.

Für 450.000 D-Mark, ermöglicht durch die Stadt, hat TuRa Harksheide ein neues Judozentrum gebaut. Bei der Eröffnung der neuen Trainings- und Wettkampfstätte am Exerzierplatz sind die Zuschauer angetan vom „exotischen“ Aikido.

Heinz Stelter, Direktor der Realschule am Aurikelstieg, sorgt dafür, dass 20 Volleyballerinnen in der Kälte 90 Minuten vor der Tür warten müssen. Warum? Der gestrenge Schulmeister will den Sportlerinnen eine Lektion erteilen für Unordnung in Umkleide und Halle – und verfügt, dass nur noch eine Person den Schlüssel bekommt. Diese Frau, die SCN-Volleyballerin Kerstin Kownetka, ist an diesem Tag aber in Henstedt-Ulzburg.

Der Hamburger Reiterverein weiht seine neue Anlage samt 80 Meter langer Halle an der Ohechaussee ein. In der Dressur belegen Frauen die Spitzenplätze. Ein unterlegener Mann will deswegen seinen Namen lieber nicht gedruckt haben in der Zeitung.

Das lauf- und personalintensive Großfeldhandball gilt als tot – doch TuRa Harksheide versucht trotzdem, ein Team aufzustellen. Die ersten Spiele sind verheißungsvoll: 11:10 gegen den SC Sperber, 19:14 gegen den VfW Oberalster. Im Tor steht höchstpersönlich der Vereinsvorsitzende Peter Volkmann.

Die DLRG Norderstedt freut sich über mittlerweile 80 Prozent Vereinsmitglieder, die 25 Jahre oder jünger sind. Künftig wollen sich die Rettungsschwimmer auch verstärkt um Gastarbeiterkinder und sozial benachteiligte Jugendliche kümmern.

Der Bowling-Club Norderstedt fährt ins schwedische Malmö – und bringt von dort einen Erfolg im Vergleich gegen Staffanstrop BK mit. Die besten Ergebnisse: Inge Grigatis (672 Pins) und Horst Brandes (675 Pins).

Die Schwimmer der SG Norderstedt wollen sich nicht mehr mit der Bevölkerung das Stadtbad teilen. Sportwart Detlef Maerker träumt von einer Traglufthalle für deutlich unter 1 Million D-Mark. Stadtrat Gerwin Andersson äußert sich vorsichtig: „Interesse ist vorhanden.“

Aus Norderstedt wird Kritik am Hamburger Handball-Verband laut. Der Grund: Kein Vertreter des Verbands kommt zur Pokalvergabe nach dem Finale der Jugendmeisterschaft zwischen TuRa Harksheide und dem TuS Alstertal (18:19 nach Verlängerung).

Der Tennisclub am Falkenberg bekommt ein neues Clubhaus. Dieses kostet 450.000 D-Mark. 200.000 davon bringt der Verein auf, 30.000 die Stadt – diese übernimmt für den Restbetrag zudem eine Bürgschaft im Sinne des TC.

Manfred Konitzer von der LG Alsternord (17) sprintet bei den Deutschen Jugendmeisterschaften im Münchener Olympiastadion zum Titel über 400 Meter Hürden. Und das sogar in deutscher Jahresbestzeit: 53,11 Sekunden.

Bei der Fußball-Stadtmeisterschaft blamiert sich der SCN nach Kräften und verliert gegen den zwei Klassen tiefer angesiedelten Glashütter SV mit 1:2. Das Turnier gewinnt TuRa Harksheide unter der Regie von Trainer Erwin Piechowiak: drei Spiele, drei Siege, nur ein Gegentor.

Peter und Madeleine Beinhauer vom 1. SC Norderstedt bekommen beim Tanzturnier anlässlich des Sommerkongresses in Bad Kissingen durchweg Bestnoten. Und bezwingen so das britische Weltklassepaar Damion Hall/Patsy Hall.

Die Handballerinnen des TuRa Harksheide werden erstmals Hamburger Kleinfeld-Meister. Matchwinnerin beim 9:8 gegen den TV Fischbek ist Torfrau Monika Koslowski, die in der Schlussphase einen Siebenmeter pariert. Als die Partie abgepfiffen wird, ist auf dem Platz an der Stellinger Radrennbahn übrigens bereits die Dunkelheit angebrochen. Eine Verlängerung wäre also gar nicht möglich gewesen...

Großer Schreck beim Ohe-Wiesen-Rennen des Garstedt-Ochsenzoller Reit- und Fahrvereins: Ein Mädchen (12) rast mit ihrem Pony in abgestellte Fahrräder, überschlägt sich und fliegt meterweit über geparkte Autos hinweg in einen Graben. Zum Glück erleidet sie nur eine schwere Gehirnerschütterung.

Die japanische Handball-Jugendnationalmannschaft gastiert für fünf Tage in Harksheide, trainiert in der Falkenberghalle, nächtigt im Norderstedter Hof – es ist die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Kopenhagen.

Drakonische Strafe: Handballer Uwe Lentfer vom 1. SC Norderstedt wird vom Spielausschuss zunächst für 13 Monate gesperrt, weil er im Affekt einen Schiedsrichter geschubst hatte. In der Berufung überzeugt die Verteidigung von Club-Vize Peter Feldmann – der ist auch Direktor des Amtsgerichts. Die Sperre wird auf sechs Spiele reduziert.

Schleswig-Holsteins erfolgreichste Kunstturner kommen vom SCN. Michael Kreidlers Landestitel im Knabenturner ist der vierte nach der Mannschaft, Holger Wochnowski und Stefan Possekel.

Der TSC Glashütte kämpft darum, endlich eine eigene Tennis- und Squash-Anlage zu bekommen. Ein Grundstück ist gefunden: 15.000 Quadratmeter am Lemsahler Weg. Die Politik muss aber erst noch von dem 1,25 Millionen Mark teuren Projekt überzeugt werden.

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