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Die Chronik – 50 Jahre Sport in Norderstedt

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Frank Best
Im Februar knacken die offensivstarken Fußballer von Eintracht Garstedt dreimal den Abwehrriegel des Glashütter SV.

Im Februar knacken die offensivstarken Fußballer von Eintracht Garstedt dreimal den Abwehrriegel des Glashütter SV.

Foto: Frank Best

Das Abendblatt war seit der Stadtgründung am 1. Januar 1970 immer am Ball. Unternehmen Sie mit uns eine Reise ins Jahr 1971.

Die erste Handball-Männermannschaft von TuRa Harksheide hat in der Sporthalle Kerschensteiner Straße in Harburg ihren letzten Auftritt. Und was für einen: Die verschworene Truppe kreuzt mit einer Flasche Korn und zehn Gläsern am Spielort auf. Das hochprozentige Getränk entpuppt sich beim 14:15 gegen den SC Urania indes nicht als Zielwasser. Nach dem ersten Spielzug tritt Klaus Frey zur Exekution eines Siebenmeters an, wirft den Ball allerdings einen halben Meter neben das Tor. Teamkollege Franz Drewitz macht es nicht viel besser: Er trifft den Pfosten. „Wenn wir diese beiden Strafwürfe verwandelt hätten, wären wir sogar noch als Sieger vom Feld gegangen“, sagt TuRas Ernst Harms, woraufhin einer seiner Kollegen die Frage stellt: „Wie haben wir heute eigentlich gespielt?“

In drei Jahren soll Norderstedt eines der größten Reitsportzentren in Schleswig-Holstein sei. Der Garstedt-Ochsenzoller Reit- und Fahrverein will auf dem Gelände an der Niendorfer Straße neben seinen bisherigen Anlagen zusätzlich einen 12.000 Quadratmeter großen Turnierplatz einrichten und eine weitere Reithalle mit den Ausmaßen 43 x 21,50 Meter bauen.

Zwei junge Norderstedterinnen trumpfen bei den Norddeutschen Meisterschaften im Badminton groß auf. Heide Keller und Sabine Gantke (Hamburger SV) haben in der HSV-Halle an der Ulzburger Straße ein Heimspiel und holen sich den Titel im Mädchen-Doppel.

Helmut Buchholz, seit Gründung des Sportvereins Eintracht Garstedt am18. November 1945 Boss der Handballabteilung, wird 70 Jahre alt.

Beim Vergleichswettkampf der Turnerinnen von TuRa Harksheide und Eintracht Garstedt belegen Martina Rogals­ki (Jahrgänge 1963 und jünger), Ute Storjohann (1961/1962), Dagmar Günther (1959/1960), Maja Jennrich (1957/1958, alle TuRa) und Ulrike Both (1954/1955/1956, Eintracht) die ersten Plätze in der Einzelwertung. In der Mannschaftwertung setzen sich die Garstedterinnen mit 3:2 durch.

Zum Auftakt des neuen Wettkampfjahres treffen sich 44 Geher aus den norddeutschen Bundesländern beimSV Fried­richsgabe. Die drei Lokalmatadoren Wilfried Zahel, Uwe Ermisch und Heinz Hamann belegen über 20 Kilometer die Plätze zehn, elf und 13. Kurios: Während des Wettbewerbs muss das Ziel neu festgelegt werden. Zeitnehmer Siegmund Lichtenberg kann sich gerade noch postieren, ehe der deutsche Vizemeister Gerd Schuth aus Salzgitter nach 33:30,6 Minuten ankommt.

Das Handball-Frauenteam von TuRa Harksheide gewinnt das letzte Punktspiel der II. Hamburger Division mit 5:2, geht dabei äußerst engagiert zu Werke – und stürzt so ausgerechnet Eintracht Garstedt tief in den Abstiegsstrudel. Das kommt nicht überall gut an. „Die haben sich ja ins Zeug gelegt, als ginge es um die Meisterschaft“, sagt anschließend eine verdutzte Garstedter Spielerin. Und ihr Trainer Bernd Deppisch ergänzt: „Kaum zu glauben dass einmal der Satz gefallen sein soll, es würde ein Unentschieden geben, sollte eines der Teams noch in Abstiegsgefahr sein.“

Ist Hartmut Feddersen, Goalgetter des Glashütter SV, ein Fußball-Rüpel? Ihm wird angelastet, seinem Gegenspieler vom Walddörfer SV mit einer Kopfnuss das Nasenbein gebrochen zu haben, der Hamburger Verband will ihn monatelang sperren. Feddersen beteuert seine Unschuld: „Es stand 3:2 für uns, als der WSV einen Freistoß bekam. Ich nahm den Ball auf, um ihn zum Freistoßpunkt zu tragen. Da umklammerte mich der Spieler Riefe von hinten, um mir den Ball wegzunehmen. Ich drehte mich kurz um, und dabei muss es passiert sein.“

Franz Wojaczek, Detlef von Valtier und Karl-Heinz Meyer von der LG Alsternord entscheiden bei den Hamburger Waldlaufmeisterschaften im Volkspark den Mannschaftswettbewerb für sich. Von Valtier holt sich außerdem auch noch Gold im 3000-Meter-Rennen der Alten Herren; er überrumpelt Gerd Seemann (LAV Nord) mit einer mutigen Taktik, übernimmt entgegen seiner sonstigen Gewohnheit früh die Initiative. Wojaczek wird Dritter, Meyer belegt Platz fünf. Beim 4. Volkslauf in Wedel stellt Franz Wojaczek im Hauptrennen über 11,5 Kilometer mit 34:44 Minuten einen neuen Streckenrekord und verweist von Valtier auf Rang zwei.

Käthe Blohm liefert eine einleuchtende Begründung, warum ihre Tochter als Judokämpferin so erfolgreich ist. „Sie hatte schon als Kind einen Hang danach, mit gleichaltrigen Jungen zu rangeln.“ Maike Blohm (TuRa Harksheide), die Hamburger Meisterin der weiblichen Jugend wird, ist außerdem sehr fleißig. Sie übt dreimal pro Woche bei Trainer Claus Witt, zweimal bei Wiebke und Ferdi Miebach.

Die Fußballer von Eintracht Garstedt steigen nach jahrelangen Bemühungen als Staffelsieger der Verbandsliga Nord in die zweithöchste Hamburger Amateurklasse Nord auf – anzusehen ist ihnen das allerdings nicht. Die Spieler von Coach Martin Wilke trotten mit hängenden Köpfen vom Platz, ziehen lange Gesichter. Der Grund ist eine 2:3-Schlappe gegen den Post SV. Da der Farmsener TV den ärgsten Eintracht-Konkurrenten Niendorfer TSV mit 3:1 bezwingt, bleibt die Niederlage indes ohne negative Folgen. Trainer Wilke kommentiert den Eintracht-Ausrutscher gelassen: „Was soll’s, wir sind ja Meister...“


Karl-Heinz Hess,
als Streifenpolizist Walter Hartmann in der von 1966 bis 1970 ausgestrahlten Serie „Polizeifunk ruft“ einer der Stars im Vorabendprogramm der ARD, und Filmbösewicht Hansi Walther sind die prominentesten Besucher bei einem Fußball-Wohltätigkeitsspiel zwischen einem Team des ZDF und einer Mannschaft von Geschäftsleuten aus dem Herold-Center. Für Letzteres steht der frühere HSV-Torhüter Horst Schnoor zwischen den Pfosten. Der 4:5-Niederlage seiner Truppe kann er allerdings nicht verhindern.

Klaus Zaczyk, Bundesliga-Fußballer des Hamburger SV, genießt die Aussicht auf Norderstedt. Er wohnt im Haus Styhagen an der Friedrich-Ebert-Straße, und zwar in der sechsten Etage; zusammen mit Tochter Nicole und Ehefrau Ulla. Letztere fühlt sich in der Stadt sehr wohl: „Man berichtete mir vorher, die Leute seien hier stur. Das stimmt nicht. Nett sind sie, sehr nett.“

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