Erfolgreiches Geschäftsmodell

Norderstedter Firma produziert für Bundesliga-Clubs

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Frank Best
Alexander Nowatzki in den Geschäftsräumen seiner Firma am Rugenbarg. Der gebürtige Düsseldorfer interessiert sich für so ziemlich alles, was mit Sport zu tun hat.

Alexander Nowatzki in den Geschäftsräumen seiner Firma am Rugenbarg. Der gebürtige Düsseldorfer interessiert sich für so ziemlich alles, was mit Sport zu tun hat.

Foto: Thorsten Ahlf

Die 2014 gegründete Alno-Tex GmbH beliefert die Shops von renommierten Fußball-, Handball- und Eishockeyvereinen mit Fanbekleidung.

Norderstedt. Nur zu gern würden Alexander und Luis Nowatzki an diesem Sonnabend im Stadion An der Alten Försterei in Köpenick sitzen. Vater und Sohn sind mit Leib und Seele Anhänger des Fußball-Bundesligisten Fortuna Düsseldorf – und dieser will von 15.30 Uhr an beim 1. FC Union Berlin seine Chance auf den Klassenerhalt wahren, sich im Fernduell mit Werder Bremen den Relegationsplatz in der höchsten deutschen Klasse sichern. Da die Partie in der Spreemetropole wegen der Corona-Pandemie als Geisterspiel ausgetragen wird, sind Zuschauer jedoch nicht erlaubt.

Faible für Fortuna Düsseldorf

„Schade, aber es lässt sich ja nicht ändern. Also bleiben wir zu Hause, werden uns aufs Sofa hauen und vor dem Fernseher mitfiebern“, sagt Textilkaufmann Alexander Nowatzki (47), dessen Faible für die Fortuna und die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt sich schnell erklären lässt. Er ist dort zur Welt gekommen und aufgewachsen, stürmte unter Trainer Hans Zach als Eishockeyspieler für den achtmaligen Deutschen Meister Düsseldorfer EG.

Mittlerweile ist Nowatzki allerdings in Norderstedt heimisch geworden. Aus beruflichen Gründen. Nach Stationen bei den Firmen Bertels, Speedo, Russell Athletic und Hardway Deutschland machte er sich im Jahr 2014 selbstständig, gründete die Alno-Tex GmbH – und schlug so zwei Fliegen mit einer Klappe. „Ich kann mein großes Interesse für alles, was mit Sport zu tun hat, und die Arbeit hervorragend miteinander verbinden“, sagt er.

Firmensitz ist am Rugenbarg

Sein am Rugenbarg ansässiges Unternehmen produziert Textilien, genauer gesagt Fanbekleidung und -artikel für Vereine aus den Fußball-, Handball- und Eishockey-Bundesligen. Jacken,T- und Sweat-Shirts, Hoodies, Schals, Pudelmützen, aber auch Handtücher und Bettwäsche. Diese werden ganz bewusst zu 95 Prozent in Portugal, Polen und der Türkei produziert. „So können wir eine bessere Qualität und kürzere Lieferzeiten garantieren. Nur die Caps lassen wir in China herstellen, ansonsten wären wir in diesem Bereich nicht konkurrenzfähig“, sagt Alexander Nowatzki. Von Norderstedt aus werden die Artikel dann an die Fanshops der entsprechenden Clubs ausgeliefert und von diesen verkauft.

Das Warenlager von Alno-Tex befindet sich in genau der Halle, in der früher die Lokalzeitung „Heimatspiegel“ gedruckt wurde. Zu den Kunden zählen unter anderem der FC Bayern München, Bayer 04 Leverkusen, Hamburger SV, Borussia Mönchengladbach, Eintracht Frankfurt, die TSG 1899 Hoffenheim, der VfB Stuttgart, Dynamo Dresden, der
VfL Osnabrück, Hansa Rostock, Red Bull Salzburg, die Young Boys Bern, Austria Wien, der FC St. Gallen, die SG Flensburg-Handewitt, die Rhein-Neckar Löwen, die Adler Mannheim, die Eisbären Berlin, die Schwenninger Wild Wings – und selbstverständlich auch die beiden Clubs, die Nowatzki am meisten am Herzen liegen: Fortuna Düsseldorf und Eintracht Norderstedt, für die Filius Luis in der U-7-Mannschaft als Angreifer kickt.

Gutes Verhältnis zu Eintracht Norderstedt

Erst vor Kurzem hat Alexander Nowatzki die Fans der Eintracht, die einen Online-Shop an den Start gebracht haben, großzügig unterstützt. „Das ist ein toller Verein mit tollen Anhängern“, sagt er, „deshalb habe ich bei den ersten Schritten gern geholfen.“

Sein Verhältnis zur wohl interessantesten Marke in der Region, dem Hamburger SV, ist dagegen nicht emotional, sondern rein geschäftlich. „Ich schaue mir ab und zu mal ein Match des HSV an, allerdings nicht regelmäßig. Aber einmal im Jahr habe ich einen Pflichttermin im Volksparkstadion“, sagt Nowatzki. Dort findet immer im November eine Merchandising-Messe statt, bei der Kontakte hergestellt und gepflegt, neue Produkte und Ideen präsentiert – und selbstverständlich auch Geschäfte gemacht werden können.

Berufsbekleidung ist zweites Standbein

Die liefen für Alno-Tex gut. Bis die Corona-Pandemie begann. „Der Umsatz ist nach dem Lockdown eingebrochen. Und wir merken deutlich, dass die Fußball-Europameisterschaft abgesagt worden ist. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Fans der Bundesliga-Vereine in den Jahren, in denen eine EM oder WM stattfindet, kauffreudiger sind.“

Dass das Unternehmen, in dem sechs Angestellte arbeiten und das mit dem Bereich Berufsbekleidung noch ein zweites Standbein hat, in den vergangenen Wochen nicht in ernsthafte Schwierigkeiten gekommen ist, lag allerdings auch an Corona. Alexander Nowatzki: „Wir haben Aufträge für 250.000 Mund-Nase-Schutzmasken an Land gezogen. Das hat die Situation spürbar entspannt.“

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